Braucht es Bienentränken?

Bienen brauchen Wasser. Das ist unstrittig. Ob man sie mit Bienentränken unterstützen sollte, darüber gibt es unterschiedliche Meinungen.

Den Bienen ist es zwar egal, wie eine Bienentränke aussieht, aber das Auge des Imkers trinkt ja gerne mit: wasserspendendes Kunstwerk von Rainer Schucker. Foto: Rainer Schucker
Den Bienen ist es zwar egal, wie eine Bienentränke aussieht, aber das Auge des Imkers trinkt ja gerne mit: wasserspendendes Kunstwerk von Rainer Schucker. Foto: Rainer Schucker

Manche Imker und Fachberater sind der Meinung, dass die Bienen in unseren Breitengraden meist von sich aus genügend Wasserquellen ausfindig machen. Das mag für kleinräumig strukturierte Landschaften wie die klassischen Kulturlandschaften oder für die Städte in der Regel auch stimmen – und so mancher Imker schaute schon frustriert auf eine liebevoll gebaute Bienentränke, die von den Bienen schlicht ignoriert wurde. In ausgeräumten, intensiv genutzten Agrarlandschaften allerdings sieht es häufig anders aus.

Bienentränke richtig gemacht

Es kommt also ganz darauf an. Doch auch wenn man sich nicht einig ist, wie sinnvoll Bienentränken tatsächlich sind, richtig angelegt verursachen sie keinen Schaden. Wer also in der Nähe seines Bienenstands eine Bienentränke aufstellen will, der soll das ruhig tun – muss aber folgende Punkte unbedingt beachten:

  • Das allerwichtigste ist natürlich, dass die Bienen nicht ertrinken. Denn sie können nicht wirklich schwimmen. Sie können sich zwar, mit den Beinen und den Flügeln rudernd, eine gewisse Zeit über Wasser halten – aber wenn sie keine Chance haben, das Ufer zu erklimmen, wie an steilwandigen Regentonnen, ertrinken sie eben doch. Wichtig ist also ein flaches Ufer, das auch aus einem schräg im Wasser liegenden Stück Holz oder Stein bestehen kann, oder einfach aus vielen Kieselsteinen dicht an dicht. Gut ist auch wassergetränktes Moos.
Bienen können nicht schwimmen. Diese hier ist auf dem Rücken gelandet und erzeugt mit den Bewegungen ihrer Flügel wunderschöne symmetrische Wellen. Der Fotograf Hans-Peter Fuchs aus Kerpen nahm sie im Graben eines Raubtiergeheges mit dem Teleobjektiv auf – und konnte ihr deshalb leider nicht helfen. Foto: Hans-Peter Fuchs
Bienen können nicht schwimmen. Diese hier ist auf dem Rücken gelandet und erzeugt mit den Bewegungen ihrer Flügel wunderschöne symmetrische Wellen. Der Fotograf Hans-Peter Fuchs aus Kerpen nahm sie im Graben eines Raubtiergeheges mit dem Teleobjektiv auf – und konnte ihr deshalb leider nicht helfen. Foto: Hans-Peter Fuchs
  • Ein eher größeres, bepflanztes Gefäß ist von Vorteil.
  • Das Wasser sollte leicht rinnen.
  • Die Bienentränke muss vor allem bei Hitze regelmäßig aufgefüllt werden.
  • Die Frage, ob Bienen eher sauberes oder eher schmutziges Wasser bevorzugen, lässt sich so beantworten: beides – je nach Fall. Versuche der bayerischen Landesanstalt für Bienenzucht ergaben, dass Bienen, denen verschiedene Flüssigkeiten angeboten wurden (Salz-, Kalk-, Leitungswasser, Kamillentee, Torfmullaufguss), fast immer das Salzwasser wählten. Auch sonst ist ja häufig zu beobachten, dass Bienen aus schmutzigen Pfützen trinken oder gar an der Erde von frisch gegossenen Pflanzen Wasser aufnehmen, offensichtlich brauchen sie die Mineralstoffe.

Wird die liebevoll aufgebaute Bienentränke trotzdem von den Bienen ignoriert, ist dennoch alles gut. Denn das bedeutet in der Regel, dass die Bienen besseres finden, nämlich Nektar oder Honigtau. Insofern kann eine Bienentränke auch als Trachtbarometer dienen.

Fluglochtränke fürs Frühjahr und für Ableger
Eine Fluglochtränke fürs Frühjahr und für Ableger – gebaut von Dr. Gerhard Heine aus Berlin. Foto: Dr. Gerhard Heine
Eine Fluglochtränke fürs Frühjahr und für Ableger – gebaut von Dr. Gerhard Heine aus Berlin. Foto: Dr. Gerhard Heine

Selbst bei noch niedrigen Temperaturen beobachtet man im zeitigen Frühjahr nicht selten ein emsiges Fliegen der Bienen, die ohne Pollen zurückkommen. Sie bringen das für die Brut notwendige Wasser. Viele von ihnen verklammen draußen und kehren nicht mehr heim. Eine bienenfreundliche Fluglochtränke mit kontinuierlicher Wasserzuführung schafft hier Abhilfe. Die von Dr. Gerhard Heine aus Berlin entwickelte Bienentränke nimmt einen großen Teil der Fluglochbreite ein, sodass die Bienen sie beim Verlassen des Stocks „zur Kenntnis nehmen müssen“. Das Material sollte frost-, wärme- und UV-beständig sein, Teflon eignet sich hervorragend. In kurzer Zeit haben sich die Bienen mit der Wasserquelle vertraut gemacht und nutzen sie sogar bei Dunkelheit. Die Bienentränke hat einen nur schmalen, für die Bienenzunge zugänglichen Spalt; so verschmutzt das Wasser nicht, und die Bienen können nicht ertrinken. Das Wasser wird aus einem Behälter über einen drosselbaren (Aquariums-) Schlauch zugeführt (rechts); ein Überlaufen wird durch eine Abflussmöglichkeit verhindert (links). Bei Ablegern mit anfangs fehlenden Flugbienen hat sich diese Bienentränke ebenfalls bewährt.

Bienen in Wassernot

Es gibt auch besondere Fälle, wo Bienen in Wassernot geraten können – beispielsweise bei längeren Wanderungen. Um an heißen Tagen den Stress zu mindern oder gar ein Verbrausen zu verhindern, verschließt man die Fluglöcher mit tropfnassen Schaumstoffstreifen und sprüht vor dem Verladen oder auch in kurzen Pausen etwas Wasser durch die Lüftungsgitter in die Völker.

In der Zucht ist häufiger ein sogenannter Anbrüter im Einsatz: Diesem wird neben Honig und Pollen auch eine Wasserwabe beigegeben, denn er muss während der 24 Stunden Kellerhaft viele Dutzend belarvte Weiselnäpfchen anbrüten. Wer das einmal gemacht hat, wird erstaunt gewesen sein, um wie viel leichter diese Wasserwabe innerhalb von 24 Stunden wird. Grundsätzlich ist festzustellen, dass alle Bienen, die längere Zeit nicht fliegen können und Brut pflegen müssen, unbedingt mit Wasser versorgt werden müssen – entweder mit der schon erwähnten Wasserwabe oder einem tropfnassen Schwamm. Bienen, die keine Brut pflegen müssen, benötigen dagegen weniger Wasser.

von Armin Spürgin

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