Chemische Varroabehandlung: Bayvarol

Bayvarol ist ein wirksames Mittel gegen die Varroamilbe. Wir erklären, was Imker bei der Anwendung des synthetischen Wirkstoffs beachten müssen.

In normal starken Völkern werden vier Bayvarol-Streifen in die Wabengassen eingehängt und nach mindestens vier und höchstens sechs Wochen wieder entnommen. Foto: Ute Schneider-Ritter
In normal starken Völkern werden vier Bayvarol-Streifen in die Wabengassen eingehängt und nach mindestens vier und höchstens sechs Wochen wieder entnommen. Foto: Ute Schneider-Ritter

Bayvarol enthält synthetische Pyrethroide, die als Kontaktgift gegen Insekten und Milben wirken. Der Wirkstoff heißt Flumethrin. In Deutschland ist er in zwei Präparaten zugelassen, dem apothekenpflichtigen Bayvarol und dem verschreibungspflichtigen PolyVar Yellow. Das in anderen Ländern häufig eingesetzte Fluvalinat darf in Deutschland nicht verwendet werden, da kein Medikament mit diesem Wirkstoff zugelassen ist. In der Bioimkerei ist die Anwendung von synthetischen Pyrethroiden nicht erlaubt (EU-Öko-Verordnung 834/2007).

Synthetische Pyrethroide stören das Nervensystem, indem sie die Nervenleitung depolarisieren und eine Art Kurzschluss in den Nervenbahnen auslösen. Dadurch kommt es bei den Varroamilben zunächst zur Erregung, dann zu Koordinationsstörungen und schließlich zum Tod. Mit den Bayvarol-Streifen kommen die Bienen in den Wabengassen in Kontakt und geben den Wirkstoff über Körperkontakt weiter. So gelangt er zwar nicht an die Milben in der Brutzelle, diese werden jedoch wegen der mehrwöchigen Anwendung nach dem Schlupf auf den Bienen erfasst. Bei PolyVar Yellow schlüpfen die Bienen am Flugloch durch den mit dem Wirkstoff imprägnierten Streifen und verbreiten ihn über Körperkontakt weiter. An dieser „Bienenschleuse“ werden die Varroamilben abgestreift und können nicht in den Stock eindringen.

Synthetische Pyrethroide werden auch als Insek­tizid eingesetzt. Sie können daher die Bienen in gleicher Weise wie die Milben schädigen. Bei den in beiden Präparaten verabreichten geringen Dosen konnten aber bisher weder Bienen- noch Brutschäden nachgewiesen werden.

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Bayvarol anwenden – so geht’s

Bayvarol sollte nicht während der Tracht oder vor der Honigernte angewendet werden. In der Regel behandeln Imker damit von Juli bis Oktober. Das Medikament wirkt in Völkern mit und ohne Brut.

Beim Einhängen der Streifen sollte man Gummihandschuhe tragen, um direkten Hautkontakt mit dem Wirkstoff zu vermeiden.

  • Die Streifen im Brutnestbereich so in die Wabengassen hängen, dass sie von beiden Seiten von Bienen belaufen werden können.
    Bei Völkern auf zwei Bruträumen die Streifen an ihrem Ende zusammenstecken und ohne Abheben des oberen Brutraums einhängen.
  • In normal entwickelten Völkern insgesamt vier Streifen einhängen.
  • In schwachen Völkern bzw. Ablegern und Jungvölkern zwei Streifen verwenden.
  • Die Streifen nach mindestens vier und höchstens sechs Wochen entnehmen.
  • Anwendungshinweise des Herstellers auf der Packungsbeilage beachten.
  • Nach dem auf der Verpackung angegebenen Datum dürfen die Medikamente nicht mehr verwendet werden. Die Streifen sind nach dem Öffnen der Verpackung sofort zu verbrauchen (PolyVar).

Nebenwirkungen und Gefahren von Bayvarol

Varroamilben haben schnell Resistenzen gegen Wirkstoffe aus der Gruppe der synthetischen Pyrethroide entwickelt. Die Behandlung war dann ohne Wirkung. Erst nachdem das Medikament abgesetzt wurde, konnte nach einigen Jahren regional keine Resistenz mehr nachgewiesen werden. Da auch heute Resistenzen auftreten bzw. wieder auftreten können, empfiehlt der Hersteller, im jährlichen Wechsel Medikamente mit unterschiedlichen Wirkstoffen einzusetzen. Bei PolyVar deutet der Zusatz „Yellow“ das geplante Prinzip an, mit den verschiedenen Farben die Medikamente mit den einzelnen Wirkstoffen zu unterscheiden.

Bei höheren Dosierungen kommt es auch beim Menschen zu neurotoxischen Störungen. Möglich sind Schwindel, Übelkeit sowie Seh- und Hörstörungen. Unbedingt die Anwendungshinweise des Herstellers auf der Packungsbeilage beachten.

Rückstände in Wachs und Propolis

Die Wirkstoffe sind fettlöslich und gelangen so in Wachs und Propolis. Bei sachgemäßer Anwendung sind die Rückstände gering, können sich aber im Laufe der Zeit anreichern. Eine besondere Gefahr besteht, wenn die wirkstoffhaltigen Streifen zu lange angewandt bzw. nicht rechtzeitig entfernt werden. Nach der Anwendung von Bayvarol darf Propolis nicht für den menschlichen Verzehr verwendet werden.

Entsorgung von Bayvarol

Nicht aufgebrauchte Tierarzneimittel müssen an Schadstoffsammelstellen abgegeben oder können, wenn nicht anders angegeben, über den Hausmüll entsorgt werden. Die Wirkstoffe sind fischgiftig, weshalb das Behandlungsmittel nie in Abwasser oder Gewässer gelangen darf.

Weitere Infos zu Bayvarol

  • Produktname: Bayvarol
  • Hersteller: Bayer Vital AG
  • Wirkstoff: 6,6 g/Strip Fluvalinat
  • Vertrieb: Apotheke oder Tierarzt
  • Bestandsbuch: Eintrag notwendig.
  • Wartezeit bis zur Honigernte: O Tage, wenn nicht vor oder während der Tracht behandelt wurde.

von Dr. Wolfgang Ritter

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