D.I.B.-Präsident Torsten Ellmann im Interview: „Wir machen das ja nicht für uns, sondern für die Imker“

Wir sprachen mit D.I.B.-Präsident Torsten Ellmann über Honigpreise, die Zukunft des D.I.B.-Glases und einen möglichen "Imker-Führerschein".

Hier trafen sich D.I.B.-Präsident Torsten Ellmann (links) und sein Vize Stefan Spiegl (rechts) beim Agrargipfel mit Bundeskanzlerin Merkel und Landwirtschaftsministerin Klöckner. Foto: privat
Hier trafen sich D.I.B.-Präsident Torsten Ellmann (links) und sein Vize Stefan Spiegl (rechts) beim Agrargipfel mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner. Foto: privat

D.I.B.-Präsident Torsten Ellmann hat keinen einfachen Job. Denn so vielseitig die Bienenhaltung ist, so verschieden sind auch die Wünsche der Imker. Im bienen&natur-Interview sprach Ellmann über die Eigenverantwortung der Imker beim Honigpreis, die Zukunft des D.I.B.-Glases und wie er die Entwicklung in der Imkerschaft sieht.

Das ist D.I.B-Präsident Torsten Ellmann
Torsten Ellmann ist seit 2019 Präsident des Deutschen Imkerbundes. Davor war er acht Jahre Vorsitzender des Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern. Zuhause hält der Diplom-Chemiker 20 Völker auf Deutschnormalmaß.

Herr Ellmann, wie war Ihr Honigjahr in Mecklenburg-Vorpommern?

Wir haben etwa 30 Kilo pro Volk geschleudert, vor allem Rapshonig. Also etwas weniger als in den Vorjahren – aber nicht so dramatisch wie in Bayern, wo manche Imker gar nichts hatten.

Was verlangen Sie für den Honig?

Fünf Euro – natürlich im D.I.B.-Glas (lacht). Ein Berufsimker würde mehr verlangen müssen, aber es ist hier in der Region schon schwer, mehr als fünf Euro für einen Frühtrachthonig zu bekommen.

Ein Aufregerthema war dieses Jahr die Aldi-Debatte. Dort wurde im Frühjahr Honig im D.I.B.-Glas für 4,99 Euro verkauft. Wie haben Sie die Reaktionen wahrgenommen?

Vor allem die süddeutschen Imker haben sich beschwert, dass sie viel höhere Preise hätten. Laut den Umfragen liegt der Durchschnitt dort etwa bei 5,30 Euro. Wichtig ist aber auch: Der D.I.B. verkauft den Honig nicht, sondern die Imker. Aldi kann den Honig also nur anbieten, wenn davor genügend Imker ihren Honig an die Abfüllstelle verkauft haben. Mit den guten Ernten der letzten Jahre ist momentan wahrscheinlich genug Honig auf dem Markt.

Zuletzt gab es in einzelnen Aldi-Filialen Honig im D.I.B.-Glas für 2,49 Euro. Während der D.I.B. die Aktion im Frühjahr noch verteidigt hat, schrieben Sie zuletzt ein Protestschreiben an Aldi.

Wir sind jetzt auch anderer Meinung als im Frühjahr. Dieses Verramschen für 2,49 Euro muss gestoppt werden, bei den 4,99 Euro bin ich weiterhin der Meinung, dass wir das zumindest akzeptieren müssen. Auch wenn es uns nicht gefällt. Zudem sind das Aktionen und keine Dauerpreise. Was mich mehr ärgert: Wenn bei Kaufland ein Glas Honig 6,50 Euro kostet, sind wir bei einem Kilopreis von 13 Euro. Die Imker bekommen davon aber nur vier bis fünf Euro fürs Kilo. Das ist schon eine gute Marge.

Wie reagierte Aldi auf Ihren Protestbrief?

Sie wollten von uns wissen, in welchen Filialen es denn diese 2,49-Euro-Aktionen gab und es sich dann anschauen. Auf eine Antwort warten wir noch.

Die Honige in den Discountern kommen von Abfüllstellen, die den Honig aufkaufen, abfüllen und weiterverkaufen. Verstehen Sie, wenn Imker sagen, das D.I.B.-Glas sei „Das Glas der Imker“, nicht der Abfüllstellen?

Natürlich könnten wir den Abfüllstellen die Lizenz entziehen – doch was wäre die Folge? Imker, die nicht selbst vermarkten wollen oder können, könnten ihren Honig nicht mehr verkaufen.

Aber die Abfüllstellen könnten ja weiter Honig weiterverkaufen – nur eben im Neutralglas.

Die wollen aber auch die Bekanntheit des D.I.B.-Glases nutzen, um ihn in einer höherwertigen Kategorie zu vermarkten, weil der Handel diese Markenqualität nachfragt.

Wie viel der verkauften D.I.B.-Gewährverschlüsse gehen denn an die Abfüllstellen?

2019 waren es 6,4 Prozent, im Durchschnitt der letzten zehn Jahre 4,2 Prozent. Lassen wir uns von dieser kleinen Menge den Preis diktieren oder können wir Imker nicht selbst einen höheren Preis verlangen? Aber solange es Imker gibt, die das Kilo Honig auch deutlich unterhalb von fünf Euro an Abfüller verkaufen, wird es schwer, dass der Honigpreis da ansteigt.

Sie appellieren also an die Imker, den Honig nicht zu günstig an die Abfüllstellen zu verkaufen?

Genau. Versuchen wir, einen besseren Preis zu erzielen. Auch bei Honig gelten die Gesetze der Marktwirtschaft: Haben wir gute Ernten und viel Honig, sinkt der Preis. In einigen europäischen Nachbarländern ist es aber zurzeit nicht besser: Die haben wenig Honig im Markt und trotzdem gibt es niedrige Preise.

Woran liegt das?

Das wissen wir auch nicht genau. Wahrscheinlich, weil zu viele Importhonige auf dem Markt sind, die viel günstiger sind.

“Der Verbraucher hat ein Recht darauf zu erfahren, woher der Honig stammt”

In Ihrem letzten Gespräch mit Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner ging es deshalb auch um transparentere Kennzeichnung von Honig, hier sollen die Ursprungsländer künftig prozentual aufgelistet werden. Wann können wir damit rechnen?

Der Verbraucher hat ein Recht darauf zu erfahren, woher der Honig stammt. Wir Imkerverbände wollen diese Kennzeichnung und haben das Frau Klöckner auch so gesagt. Entschieden wird letztendlich in Brüssel. Wann es kommt, kann ich nicht vorhersagen – die europäischen Mühlen mahlen bekanntlich…

Woran kann es denn noch scheitern?

Sie wissen ja, wie Lobbyarbeit funktioniert. Da wird es auch Akteure geben, die solch eine Herkunftsbezeichnung verhindern möchten. Aber wir haben die meisten unserer europäischen Imkerkollegen hinter uns.

Ende September hatten Sie ein Gespräch mit den Vertretern der Abfüllstellen. Welche Position haben Sie dort vertreten?

Wir haben ihnen gesagt, dass die Imker solche Aldi-Aktionen nicht gut finden und der D.I.B. nicht will, dass Honig verramscht wird. Wichtig ist, dass auch monetär etwas bei den Imkern ankommt. Wir machen das ja nicht für uns, sondern für die Imker.

Was haben die Vertreter der Abfüllstellen dazu gesagt?

Sie haben uns klar gesagt, dass man über den Preis kaum reden kann, weil wir sonst mit dem Kartellamt ein Problem bekommen. Deshalb können und wollen wir als Verband auch keine Mindestpreise empfehlen. Wir wollen uns aber stärker mit den Abfüllern austauschen.

Viele Imker werfen dem D.I.B. vor, es gehe ihm hier vor allem um die Zusatzeinnahmen. Ist das so?

Der D.I.B. braucht diese durchschnittlich vier Prozent der Abfüller nicht zum Überleben. Mit den Einnahmen der Abfüllstellen können wir auch Nützliches tun. Sie leisten genau wie Imker einen Beitrag zum Werbefond. So können wir beispielsweise Schautafeln für Imkervereine oder Unterrichtsmaterial für Schulen kostenlos zur Verfügung stellen. Direkte Lizenzleistungen der Abfüllstellen an den D.I.B., die in den Haushalt des D.I.B. einfließen, gibt es nicht.

Lassen Sie uns über das D.I.B.-Glas reden. Was zeichnet es denn aus?

Die Marke ist 1925 eingeführt worden, um deutschen Honig vom Imker vor Importen und Verfälschungen zu schützen Wir haben einheitliche Vermarktungsstrukturen, eine eigene Qualitätskontrolle und Werbestrategien aufgebaut und mit der Marke ein Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelt. So konnten wir uns über Jahrzehnte das gute Image aufbauen, um das uns andere beneiden.

Aber glauben Sie nicht, dass dieses Image leiden könnte, wenn es den Honig im D.I.B.-Glas für 2,49 Euro im Aldi gibt?

Klar, das ist eine Gefahr. Wir müssen noch deutlicher zeigen, dass wir eine besondere Qualität haben. Wie wir dies tun, das kann ich nicht allein entscheiden. Wir sind schließlich ein demokratischer Verband.

Das klingt nach einer Marketingkampagne für Honig im D.I.B.-Glas?

Genau. Wir müssen darstellen, dass unser Honig nicht nur qualitativ gut ist, sondern auch ökologisch besser als Importhonig. Mit der Bestäubung unserer Bienen erhalten wir die Natur, zudem hat unser Honig dank der kurzen Wege und des Mehrwegglases einen deutlich besseren CO₂-Fußabdruck. Der Honigerlös ernährt bei Berufsimkern auch Familien und Angestellte. Denn Imker sind auch Arbeitgeber. Das müssen wir besser transportieren. Wir müssen unseren Honig in der Gesellschaft also aufwerten, die Vermarktungsstrukturen ausbauen, das Image weiter verbessern – nicht in den Preis eingreifen. Vielleicht müssen wir auch transparenter werden: Mal für die Bevölkerung die Bienenstöcke öffnen und ihnen so die Imkerei näherbringen.

Der Trend geht immer mehr zur Regionalität. Auf dem D.I.B.-Glas lässt sich die nur geringfügig abbilden, was von vielen Imkern kritisiert wird. Sind hier Änderungen angedacht?

Wir haben vor, zum 100-jährigen Jubiläum des Glases – also 2025 – einen Markenrelaunch vorzubereiten. Dafür arbeiten wir auch mit externen Beratern, die ein Konzept ausarbeiten, wie wir die Marke stärken und weiterentwickeln können. Die Marke muss aber erkennbar bleiben. Wir werden dann schauen, wie wir die Regionalität noch besser hervorheben können. Das ist das Schöne: Die Imker sind eine Gruppe unterschiedlichster Berufe, uns vereint aber die Liebe zur Biene. Wir sind da offen: Wer Ideen und Expertise hat, darf sich gerne einbringen.

“Als D.I.B.-Präsident vertrete ich alle Imker, egal ob sie im D.I.B.- oder im Neutralglas vermarkten”

Wie stark sich das Glas ändern wird, ist also noch offen?

Ja, es gibt auch Imker, die sagen: Ändert ihr was am Etikett, steige ich sofort aus. Andere sagen: Wenn ihr nichts ändert, steigen wir aus. Das ist ein Spannungsfeld. Wir müssen uns da Zeit nehmen und die Imker mitnehmen. Es wird ein Weg der kleinen Schritte sein, die wir wohlüberlegt machen müssen. Und letztendlich müssen es nicht nur die Imker akzeptieren, sondern auch die Honigkunden – und hier ist die Akzeptanz und Markenbekanntheit sehr hoch. Eines ist mir aber auch noch wichtig: Als D.I.B.-Präsident vertrete ich alle Imker, egal ob sie im D.I.B.- oder im Neutralglas vermarkten.

Herr Ellmann, Sie wurden im Oktober 2019 zum D.I.B.-Präsidenten gewählt. Wann kam der Entschluss zu kandidieren?

Im Juni davor hatten wir eine Tagung, da wurde ich vom Präsidium vorgeschlagen. Danach hatte ich noch ein paar Tage, um zu überlegen und zu schauen, ob ich Mehrheiten von den Landesverbänden bekomme. Eine spontane Entscheidung war es also nicht.

Was hatten Sie für Ziele, als sie angetreten sind?

Ich denke, wir müssen unsere örtlichen Vereine stärken, wenn Bedarf ist. Wir sollten schauen, ob diese mit ihrem Know-how noch leisten können, was heutzutage gefordert wird. Wir haben viele junge Imker, die Orientierung suchen – gleichzeitig haben wir ältere Imker, die Halt suchen.

Inwiefern ist das eine Herausforderung?

Wir müssen die Jungimker mitnehmen. Ich habe in Gesprächen oft das Gefühl, dass die in den Vereinen nicht mehr abgeholt und mitgenommen werden. Aber auch diese müssen wir an uns binden. Ich war selbst zehn Jahre Vorsitzender im Ortsverein. Daher weiß ich, dass es ein Balanceakt ist, die Jungimker weiterzubilden und gleichzeitig die Älteren nicht zu langweilen.

Wie wollen Sie das schaffen?

Wir müssen überlegen: Welchen Mehrwert hat der Verein? Was kann er leisten, was allein nicht geht? Völkerbetreuung im Krankheitsfall, der fachliche Austausch, aber auch das Vereinsleben, mal Ausflüge machen. Ich würde mir wünschen, dass sich die Verbände wieder mehr besuchen. Dann fahren wir halt mal ein Wochenende ins Rheinland und tauschen uns aus: über die Bienen, die Honigpreise oder die Kultur in der Gegend. Das sind Werte, die auch im Zeitalter der Digitalisierung nicht verlorengehen dürfen.

Inwiefern kann der D.I.B. so etwas koordinieren?

Wir können hier nur Anregungen geben, gemacht werden muss es in den Landesverbänden, die stark genug sind, so etwas selbst zu organisieren. Beim nächsten Deutschen Imkertag haben wir deshalb etwas anderes geplant: Da sollen sich die Imker, vor allem Obleute, in Workshops mit Experten austauschen können.

Haben Sie schon konkrete Maßnahmen, um die Vereine attraktiver zu machen?

Nein, da hat uns Corona leider etwas ausgebremst. Das ist ein Prozess, den wir gerade starten und zu dem wir erst Rückmeldungen der Vereine benötigen, ob sie hier Bedarf haben. Wir bleiben da aber dran.

Viele Imker identifizieren sich stark mit ihren Vereinen, der D.I.B. als Dachverband wirkt hingegen oft nicht greifbar. Sehen Sie das auch so?

Ja, das liegt an der Verbandsstruktur, die aber nichts D.I.B.-typisches ist. Da haben wir die Imkerinnen und Imker, dann die Ortsvereine, darüber die Landesverbände und diese bilden dann den D.I.B. Über diese Distanz ein Verständnis für das Handeln des anderen zu entwickeln, ist nicht immer einfach. Oft ist es aber auch eine Sache der Wahrnehmung: Wenn’s klemmt, ruft jeder nach dem D.I.B. – wenn etwas gut läuft, war’s nie der D.I.B. Vielleicht tut man sich auch schwer zu sehen, dass da viele Dinge gut laufen. Es gibt natürlich Dinge, die man kritisieren kann. Für konstruktive Kritik und Lösungsansätze sind wir immer offen.

Wie gehen Sie mit Kritik um?

Wir analysieren das dann: Was läuft nicht gut, warum läuft es nicht gut? Ist es eine Einzelempfindung oder betrifft es mehrere? Und dann müssen wir abwägen, was wir ändern können. Beim Glas zeigen wir das: Es haben sich Imker über das Erscheinungsbild und den Marktauftritt beklagt, dann haben wir Umfragen und Analysen gemacht und jetzt geht es weiter. Beim Wachs und bei den Rückstandsproblemen im Honig ist es ähnlich. Die Themen kommen aus der Imkerschaft und wir bearbeiten sie. Der D.I.B. versteht sich als Dienstleister und ist nicht zum Selbstzweck da, sondern für die Imker. Wir sind der Ansprechpartner und transportieren die Botschaften auch in die politischen Gremien.

“Wir geben als D.I.B. weder vor, mit welcher Rasse oder Betriebsweise man imkern soll, noch wie Imker ihren Honig vermarkten sollen.”

Die Imkerschaft spaltet sich immer mehr. Zu den eher konservativen Altimkern gesellen sich immer mehr alternative Jungimker, die oft nicht in Vereinen organisiert sind. Wie sehen Sie die Entwicklung?

Ich finde es schade, wenn sich die Imkerschaft spaltet, weil wir dann an Kraft in der politischen Diskussion verlieren. Die Vereine sind auch gut, um Kritik einzubringen. Ich habe aber nichts dagegen, dass Jungimker neue Wege gehen wollen – das ist ja auch eine Chance. Die Landwirte in Mecklenburg-Vorpommern haben den Spruch: Einheit der Vielfalt. So ist es auch bei uns Imkern. Ich selbst imkere auch noch in Hinterbehandlungsbeuten, die im Bienenwagen stehen und wenn jemand in der Bienenkiste imkern will, soll er das auch machen – Hauptsache die Bienen sind gesund. Das ist entscheidend. Wir geben als Verband weder vor, mit welcher Rasse oder Betriebsweise man imkern soll, noch wie Imker ihren Honig vermarkten sollen.

Aber wie kann man die Imkerschaft wieder einen?

Wir sollten uns von Ideologien lösen und schauen, worum es uns allen geht: Dass die Bienen gesund sind, wir gute Völker haben und verkehrsfähige Bienenprodukte produzieren und vermarkten können. Da ist doch die Betriebsweise nicht wichtig. Ich hoffe, dass sich die Imkerschaft nicht zersplittet. Denn dann werden die Imker für die Politik zu einem unattraktiven Gesprächspartner – und da werden die Entscheidungen getroffen, in Berlin und Brüssel. Eine Überlegung wäre, ob man alle Verbände und Vereine unter einem Dach wie „Biene Deutschland“ bündelt, um mit vereinter Stimme sprechen zu können.

Wie sieht ihre Kommunikation zu anderen Verbänden aus, beispielsweise mit dem DBIB?

Ich habe einen guten Draht zu DBIB-Präsidentin Annette Seehaus-Arnold, wir telefonieren regelmäßig. Wir stimmen uns in bestimmten Fragen – wie jetzt bei der Herkunftsbezeichnung – ab, das hat dann politisch eine bessere Wirkung. Der Austausch ist mir sehr wichtig.

Wie verlief Ihr erstes Jahr als D.I.B.-Präsident?

Die ersten Monate waren recht aufregend mit Terminen in Brüssel und der Grünen Woche. Ja, es ist ein sehr vielfältiges Amt, sehr interessant und herausfordernd. Aber man kann auch nicht jede Idee sofort umsetzen, weil man einfach Zeit braucht: zum Durchdenken, Vorbereiten, Abwägen und die Projekte müssen wir auch irgendwie finanzieren. Aber es macht mir noch Spaß (lacht) und ich hoffe, dass ich für die Imkerschaft noch einiges erreichen kann.

Wie hat sich Ihre Arbeit mit Corona verändert?

Wir haben viele Videokonferenzen. Da spart man sich zwar viel Fahrzeit, aber ich brauche diese Nähe zu den Leuten auch und bin froh, wenn ich bei Veranstaltungen mit den Imkern reden kann.

Welche Auswirkungen hatte es auf Vereine und die Basis?

Die Vereine konnten sich die letzten neun Monate kaum treffen, mittlerweile gibt es auch viele Wirtshäuser, die auf einmal Saalmieten verlangen. So wird es eine große Herausforderung werden, das Vereinsleben wieder zu etablieren. Da muss man oft zwei- oder dreigleisig planen. Ich bin allen ehrenamtlichen Vorständen dankbar, die probieren das Vereinsleben am Leben zu halten. Aber gerade bei Kursen ist es schwierig, das geht eben nur an den Völkern – nicht via Internet.

Wie kann der D.I.B. dabei helfen, beispielsweise mit Technik für Videokonferenzen?

Das wurde bei uns bisher nicht nachgefragt. Wenn jemand Hilfe braucht, werden wir da natürlich schauen.

Wie viel Zeit investieren Sie in der Woche als D.I.B.-Präsident?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Ich habe manchmal Videokonferenzen, die gehen zweimal acht Stunden, dann klingelt wieder einen Morgen lang das Telefon. Mir geht es auch darum, den D.I.B. überall gut zu vertreten und nicht darum Stunden zu sammeln, ich mache es ja auch gerne. Sonst könnte man die ehrenamtliche Arbeit gleich sein lassen.

Sie arbeiten in einer Apotheke. Wie funktioniert das mit dem Amt?

Wenn alle Mitarbeiter da sind, geht das gut. Wenn jemand krank ist, kann ich auch einspringen. Bisher musste ich wegen der Apotheke noch keinen Termin absagen. Meine Frau unterstützt mich sehr gut – wir haben das aber auch vorher abgestimmt, bevor ich kandidiert habe.

Letztes Jahr waren Sie beim Agrargipfel bei Bundeskanzlerin Merkel und Landwirtschaftsministerin Klöckner. Nehmen Sie uns mal mit: Wie verläuft so ein Treffen?

Wir haben aus dem Kanzleramt eine Einladung für zwei Personen bekommen, Vizepräsident Spiegl und ich sind nach Berlin gefahren. Dann sitzt man in dieser Runde und versucht seine Botschaften anzubringen, was schwierig ist. Der Auftakt war also da…

… doch nun fehlt der D.I.B. in der „Zukunftskommission Landwirtschaft“ – wieso?

Der Bauernverband und „Land schafft Verbindung“ hatten den Auftrag, die Kommission weiterzuentwickeln, da waren wir noch dabei. Wir sind dann aber wahrscheinlich durch das Kanzleramt rausgekickt worden, weil sie keine so große Gruppe haben wollten.

Waren sie überrascht, dass sie da rausgeflogen sind?

Ja, definitiv. Und auch enttäuscht.

Was nun?

Wir müssen versuchen unsere Interessen über den Bauernverband einzubringen. Aber auch wenn wir nicht in diesem Gremium sitzen: Bei anderen wichtigen Themen wie der GAP und dem Insektenschutz sind wir dabei.

Sie waren im Juli bei Landwirtschaftsministerin Klöckner eingeladen – ein Thema war der „Imker-Führerschein“. Wie kam es dazu?

Das wurde sicherlich an Frau Klöckner herangetragen, dass man so für mehr Bienengesundheit sorgen könnte. Gerade in Berlin ist die Bienendichte ja sehr hoch und es gibt immer wieder Probleme mit der Amerikanischen Faulbrut.

Sie hören sich eher skeptisch an.

Um die Ausbildung kümmern sich die Landesverbände, das habe ich auch Frau Klöckner gesagt. Prinzipiell muss es das Ziel jedes Imkers sein, sich weiterzubilden. Webinare könnten da ein Ansatz sein. So könnten Landesverbände auch Imker erreichen, die noch keinem Verein angehören.

Aber Sie wollen keinen gesetzlichen Schein wie bei Anglern oder Jägern?

Nein. Aber ein Sachkundenachweise wäre nicht schlecht. In Mecklenburg-Vorpommern haben wir es so gemacht: Jeder, der eine Förderung möchte, muss einen Anfängerkurs machen, der vom Landesverband anerkannt ist. Ich finde: Wer Bienen halten will, soll erstmal ein Jahr lang einem Paten über die Schulter schauen oder Imkern auf Probe machen. Diese Erfahrung in den Vereinen kann auch kein Internet-Kurs ersetzen: Ein Gefühl dafür kriegen, wie sich die Bienen verhalten. Nur so können wir mit dem Bien arbeiten lernen.

“Ich möchte die Ideen ums D.I.B.-Glas weiterführen”

Was haben Sie noch für Projekte und Wünsche?

Ich möchte die Ideen ums D.I.B.-Glas weiterführen und schauen, dass wir Rückstände in Wachs und Honig minimieren. Dafür müssen sich die Rahmenbedingungen verändern: Wir brauchen eine ökologischere Landwirtschaft, die sich aber auch ökonomisch trägt. Das müssen wir im Dialog mit den Landwirten erreichen. So schaffen wir es, nicht nur unsere Bienen, sondern auch die Wildbienen zu schützen. Zudem wollen wir den Zusammenhalt der Imker stärken und dazu beitragen, dass man mehr miteinander statt übereinander redet. Mich interessiert es aber auch, wieso manche Leute nicht im Verein sind, wo da die Hürden sind. Denn nur wenn man mitdenkt und mitarbeitet, kann man auch etwas verändern.

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