Zur easyBeeBox: Imkern ist nicht „easy“!

Die easyBeeBox ist nicht nur unpraktisch, sondern vermittelt auch ein völlig falsches Bild von Bienenhaltung. Ein Kommentar von Stefan Haasenleder.

Die easyBeeBox suggeriert, dass man ohne imkerliches Wissen Bienen halten kann. Das ist ein schlechtes Signal, findet Stefan Haasenleder.
Die easyBeeBox suggeriert, dass man ohne imkerliches Wissen Bienen halten kann. Das ist ein schlechtes Signal, findet Stefan Haasenleder.

Am Ostermontag suchten die Gründer Jan Meyer und Nick Peters in der Vox-Sendung „Die Höhle der Löwen“ Investoren für ihre Erfindung: eine Bienenbeute, die easyBeeBox. Ihr Ziel: Sie wollen, dass auch Menschen Bienen halten können, die kein Vorwissen zu Bienen und Imkerei haben. (Hier könnt ihr die Sendung ansehen: Die Höhle der Löwen, 05.04.2021)
Auf Facebook und Instagram übten viele Imker Kritik an der easyBeeBox. Einer von Ihnen: Stefan Haasenleder von der Imkerei Aegidiusgold. Er hat den Gründern der easyBeeBox einen offenen Brief geschrieben.

Stefan Haasenleder, Imkerei Aegidiusgold
Stefan Haasenleder, Imkerei Aegidiusgold

1. Imkern ist eben nicht „easy”

In Eurem Beitrag vermittelt Ihr den Eindruck, als könne jeder, der genug Geld und einen Baumarkt um die Ecke hat, ohne Probleme mit dem Imkern anfangen. Eure Anleitungen seien dahingehend völlig ausreichend. Zur Wahrheit gehört aber auch: Die meisten imkerlichen Pflichten sowie Erfahrungen von Imkern und Wissenschaftlern sind nicht einfach per „Anleitung“ vermittelbar. Die theoretischen Grundlagen, die praktische Ausbildung sowie die Kenntnis über mögliche Krankheiten und alle Rechte und Pflichten eines Imkers gehören ebenfalls dazu. Diese lassen sich nicht einfach im Internet bestellen. Hierzu braucht es einen regen Austausch zwischen erfahrenen Imkern und Jungimkern (so werden neue, interessierte Imker genannt). Nicht umsonst raten Imkerverbände sowie örtliche Imkervereine von reinem Buch-/Youtube-Imkern ab und raten zu betreutem Imkern mit einem Imkerpaten des Vertrauens.
Die Zielgruppe Eures Produktes wird hier schlichtweg getäuscht: Ihnen wird die Imkerei so verkauft, als wäre es kinderleicht Bienen zu halten. Wohlgemerkt reden wir hier über den „Bien“ mit rund 50.000 Individuen in Hochzeiten.

2. Naturschutz: Die Honigbienen sind nicht vom Aussterben bedroht, Wildbienen schon

Wie Euch als Imkern bekannt sein sollte, ist die Honigbiene als domestiziertes Nutztier nicht vom Aussterben bedroht. Das ist schlichtweg eine Irreführung. Es sind die Wildbienen oder besser gesagt die auf bestimmte Nahrungsangebote spezialisierten Insekten, die es derzeit aufgrund von Flächenversiegelung und schwindendem Nahrungsangebot schwierig haben. Ein Insektenhotel in Verbindung mit einem Stauden- und Wildpflanzenbeet ist allemal zielführender als ein Honigbienenvolk im Garten oder auf dem Balkon.

3. Seuchenschutz: Bienen müssen bedarfsgerecht behandelt werden

Imkern geht schnell und ist kinderleicht“. Das ist in Verbindung mit der Vorbeugung von Krankheiten und Seuchen wirklich nur schwierig zu greifen. Bienen sind keine Hühner, Kühe oder Schweine, die sich im Falle von Krankheiten und Seuchen einsperren lassen. Die Konsequenz aus einem verantwortungs- und respektlosen Verhalten a la „einfach und schnell“ sind nun mal grenzübergreifende, sich schnell ausbreitende Krankheiten wie die Varroose, Beutenkäfer oder auch die Amerikanische Faulbrut. Letzteres führt dann zwingend zu Sperrbezirken, worunter vor allem Hobby-, Nebenerwerbs- und Berufsimker leiden. Sprich: Alle anderen Imker. Imkern ist mehr als easy bzw. „einfach und schnell“. Vielmehr ist es ein respektvoller Umgang mit den Bienen, der Auseinandersetzung mit möglichen Krankheiten und dem fairen Blick auf umliegende Imker in der Nachbarschaft.
Ebenfalls sei zu erwähnen, dass eine Anmeldung der Bienenvölker – genau wie das der Fall bei der Haltung von Kühen, Schweinen oder Hühnern ist – beim lokalen Veterinäramt zwingend notwendig ist.

4. Honigernte: Schwieriger als dargestellt

Ich bin etwas verwundert darüber, dass Ihr expliziert damit werbt, dass diese Beute nicht vornehmlich zur Honigernte konzipiert ist. Es gibt aber Situationen, in denen man den Honig restlos ernten muss. Hierzu zählen unter anderem Waldhonige, die aufgrund Ihrer Zusammensetzung eine Belastung und unter Umständen sogar eine Volksschädigung darstellen. Die Bienen bekommen aufgrund des hohen Mineral- und Nährstoffgehalts vereinfacht gesagt Magenprobleme, und das zu einer Jahreszeit im Winter, in denen sie nicht ausfliegen können und somit ihr eigenes Volk „verkoten“. Krankheiten, die unter Umständen auf fremde Bienenstände übergreifen, sind u. U. die Folge. Melizitosehonig („Zementhonig“) und kristalliner Rapshonig müssen ebenso wie Heidehonig dringend vor dem Winter aus den Waben heraus. Aufgrund der Konsistenz ist die Verarbeitung für die Bienen extrem erschwert oder fast unmöglich.

5. Bauliche Konstruktion: Unpraktisch für den Einstieg

Neben dem Aspekt des Naturwabenbaus – der meiner Einschätzung nach nicht für Anfänger geeignet ist, da viele Abläufe im Bienenvolk dann unter wildem Wabenbau versteckt wird – ist es vor allem die bauliche Konstruktion der Beute, die ich äußerst skeptisch betrachte. Die Idee einer Einraumbeute ist nicht neu – und auch die Kritik daran ist es nicht. Anfängern werden durch diese Bauform wichtige Hinweise im Bienenvolk verwehrt. Schwarmkontrollen, Kontrollen des Futtervorrats sowie die Anwendung von Behandlungsmethoden der Totalen Brutentnahme oder der Milchsäurebehandlung sind für einen Anfänger gar unmöglich.

6. Zeit: Bienen brauchen viel Zuwendung

Zur Wahrheit gehört auch, dass die imkerlichen Pflichten viel Zeit in Anspruch nehmen. Von April bis August sind längere Urlaube eher schwierig, da wöchentliche Schwarmkontrollen durchgeführt werden müssen. In der Nebensaison sind die Vorbereitungen für die neue Saison zu tätigen. Es ist eben nicht damit getan, „sich ein Volk in den Garten zu stellen und schnell und einfach eigenen Honig zu ernten…

7. Vorhandene Systeme: Seit Jahrzehnten bewährt

Warum entwickelt Ihr ein „neues“, auf Naturwabenbau spezialisiertes und auf der bereits vorhandenen „Einraumbeute“ basierendes System, statt auf bereits vorhandene Systeme (Deutsch-Normal, Zander, Langstroth u.v.m.) zu setzen, die die Imkerschaft bereits seit vielen Jahrzehnten bzw. Jahrhunderten erfolgreich erprobt, wissenschaftlich aufbereitet und dahingehend auch gelehrt hat? Naturwabenbau in einem „geschlossenen System“ ist nichts für einen Laien, der sich aus „Naturschutzgründen“ ein paar Bienen in den Garten stellt.

Abschließende Meinung: Offene Diskussion ist wichtig

Wie Sie merken, könnte ich stundenlang leidenschaftlich über den Sinn und Unsinn dieses Konzeptes diskutieren. Ich stehe Neuerungen in der Imkerei sowie Diskussionen, engagierten jungen Leuten und Gesprächen über wissenschaftliche Erkenntnisse immer offen gegenüber. Zudem stehe ich – und so geht es hoffentlich der Mehrzahl der Imkerinnen und Imker in Deutschland – Anfängern und Interessierten immer mit Rat und Tat zur Seite. Auch eine solche Aufklärungsarbeit ist eine Hauptaufgabe von uns Imkern.
Gleichzeitig finde ich es wichtig, dass man über neue Beuten und Betriebsweisen offen und wissenschaftlich diskutieren kann. Das ist nur fair: Für Kunden, Verkäufer, Investoren und Bienenpaten. Schließlich ziehen wir alle am selben Strang!

Imkerei ist nicht „easy“. Imkern bedeutet Verantwortung, braucht Zeit und eine Menge Herzblut.

Stefan Haasenleder, 06.04.2021

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