Eigener Wachskreislauf – so geht’s

Wachs ist oft mit Giften und Pestiziden belastet. Zudem wurde es schon häufig mit Fremdwachsen verfälscht. Gut, wer einen eigenen Wachskreislauf hat.

Wer eine eigene Mittelwandgießform hat, tut sich einfach, einen eigenen Wachskreislauf aufzubauen. Foto: Jürgen Schwenkel
Wer eine eigene Mittelwandgießform hat, tut sich einfach, einen eigenen Wachskreislauf aufzubauen. Foto: Jürgen Schwenkel

Die Bienen schwitzen das Wachs aus Wachsdrüsen am Hinterleib. Damit bauen sie ihre Waben. Diese beherbergen die Brut und dienen als Lagerplatz für Nektar und Pollen. Doch das Wachs wirkt auch wie eine Niere – da es fettliebend ist, bindet es Gifte wie Pestizide, Varroa- und Wachsmottenbekämpfungsmittel. Sind viele Rückstände im Wachs, können die Gifte aber auch in Honig, Brut und Pollen wandern. Deshalb ist es gut, die Bienen mit einem “offenen” Wachskreislauf zu unterstützen: Der Imker entnimmt das belastete Wachs und lässt frische Waben bauen.

Gleichmäßige Waben durch Mittelwände

Wenn Bienen Wachs ausschwitzen, kostet sie das viel Energie: Um ein Kilogramm Wachs zu produzieren, benötigen die Bienen etwa fünf bis sechs Kilogramm Honig. Deshalb hängen viele Imker Mittelwände in den Stock. Die Bienen bauen auf den vorgefertigten Wachsplatten ihre Waben aus, knabbern dabei auch einen Teil der Mittelwände ab und ziehen mit diesem Wachs die Zellwände hoch. Ein weiterer Vorteil: Die Bienen bauen auf den vorgeprägten Waben gleichmäßiger, ohne Wirrungen und Drohnennester. Leider wird Bienenwachs immer wieder mit Fremdwachsen wie Stearin oder Paraffin gestreckt und als “reines” Bienenwachs verkauft. Auch das ist ein Argument für den eigenen Wachskreislauf  – so ist man nicht auf fremdes und möglicherweise nicht reines Wachs angewiesen.

Altwachs und Jungfernwachs

Wir unterscheiden zwei Wachstypen:

  • Altwachs: Das Wachs aus alten Waben ist meist dunkelbraun, teilweise schon schwarz, weil es schon länger im Brutraum hängt und mit Keimen und Stoffen aus der Varroabehandlung oder Pflanzenschutzmitteln belastet sein kann.
  • Jungfernwachs: Diese Wachs ist von frischen Baurahmen, unbebrütetem Wildbau oder vom Entdeckeln der Honigwaben. Es ist so gut wie unberührt, fast noch weiß und damit sauber und unbelastet.

Offener Wachskreislauf: Altwachs raus

Wer aus Altwaben wieder Mittelwände herstellt, bringt das belastete Wachs wieder zurück in den Bienenstock. Mittelwände sollten deshalb nur aus Jungfernwachs hergestellt werden, damit sie wenig bis keine Rückstände aufweisen. Das Wachs aus Altwaben eignet sich noch gut, um daraus Kerzen zu machen: Kerzen gießen – so mache ich es selber

Der offene Wachskreislauf ist an zwei Stellen “offen”:

  • Neues Wachs kommt rein: Die Bienen produzieren laufend frisches Wachs, das zu neuen Mittelwänden verarbeitet wird.
  • Altes Wachs kommt raus: Die Imker entfernen regelmäßig alte, dunkle Waben aus den Stöcken und verarbeiten das Wachs zu Kerzen.

Mittelwände gießen für den Wachskreislauf

Wenn das ausgeschmolzene Jungfernwachs aus dem Dampf- oder Sonnenwachsschmelzer in handlichen Blöcken vorliegt, können neue Mittelwände daraus werden. Es gibt verschiedene Möglichkeiten:

  • Gewerbliche Umarbeiter: Sie sind darauf spezialisiert, das Wachs in größerer Stückzahl maschinell zu Mittelwänden zu fertigen. Weil die Vorbereitungen an der Maschine relativ aufwendig sind, lohnt es sich oft nicht. kleine Mengen Wachs zu verarbeiten. Deshalb nehmen viele Umarbeiter nur größere Mengen an, beispielsweise ab 8, 10 oder 20 kg. Manche Anbieter verwerten auch kleinere Mengen, verlangen aber oft einen Zuschlag dafür. Die Preise für das Umarbeiten schwanken. Günstige Angebote liegen bei etwa 3 Euro pro Kilogramm Wachs.
  • Verein: Viele Vereine haben eigene Gießformen. Mitglieder können sie ausleihen und so ihren eigenen Wachskreislauf pflegen.
  • Eigene Gießform: Wer im Verein keine Gießform hat, kann sich auch eine eigene kaufen. Diese gibt es ab 300 Euro im Fachhandel.

Vor dem Gießen der Mittelwände, muss das Wachs gereinigt werden. Hier geben wir Tipps, wie das gelingt: Wachs säubern für Kerzen und Mittelwände

Totale Brutentnahme für Wabenerneuerung

Wer das belastete Altwachs vollständig aus den Völkern entnehmen möchte, hat mehrere Möglichkeiten:

  • Über zwei Jahre bei Betriebsweisen mit getrenntem Brutraum: Die Völker werden nur noch mit Mittelwänden erweitert, die aus Jungfernwachs bestehen. Zusätzlich sperrt man die Königin beim Abschleudern mit einem zweiten Absperrgitter in die obere Brutraumzarge (Gitter auf Zarge 1 und 2). Nach drei Wochen ist die Brut unten ausgelaufen und der Imker kann die dunklen Waben entnehmen. Ausgebaute Waben oder Mittelwände ersetzen die Altwaben. Im Jahr darauf kann man auf die gleichen Weise in der verbleibenden Zarge die Altwaben entnehmen.
  • Schnell, als Kunstschwarm: Wer schnell alle Altwaben entnehmen will, kann einen Kunstschwarm bilden, indem er alle Bienen abfegt und in einer neuen Beute neue Waben bauen lässt. Die Altwaben mit der Brut kann man einschmelzen. Dieser Prozess ist geeignet, wenn man damit gleichzeitig eine Varroabekämpfung erreichen möchte , da so auch die Milben in der Brut vernichtet werden (vollständige Brutentnahme). Den Kunstschwarm kann man zusätzlich mit Oxal- oder Milchsäure gegen Varroa behandeln.

bbu/jfr 30.01.20

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Wachsmotten erkennen und bekämpfen