FlowHive: Honigernte mal anders

Der FlowHive ist bei vielen Imkern umstritten: Das System sei nicht naturgemäß – und funktioniert es überhaupt? Dr. Thorsten Dresing aus Marburg hat den FlowHive getestet.

Unkonventionelle Honigernte: Thorsten Dresing hat ein FlowHive-System und lässt den Honig direkt aus dem Honigraum ablaufen. Foto: Thorsten Dresing
Unkonventionelle Honigernte: Thorsten Dresing hat ein FlowHive-System und lässt den Honig direkt aus dem Honigraum ablaufen. Foto: Thorsten Dresing

Das FlowHive-System besteht aus Kunststoff-Honigwaben, die in der Mitte geteilt sind. Sind sie gefüllt und verdeckelt, lassen sich die Hälften mit einem Hebel von außen gegeneinander verschieben, sodass der Honig innen nach unten und über einen Schlauch ausfließt, ohne dass die Bienen davon viel mitbekommen. Kritiker bemängeln, Kunststoff habe im Bien nichts zu suchen, außerdem werde die Bienenhaltung als zu einfach dargestellt und könne Leute animieren, die sich dann um die Bienen nicht richtig kümmern würden. Doch wie funktioniert das FlowHive-System überhaupt?

FlowHive – So funktioniert‘s!

Wer mit dem FlowHive imkert, macht alles genauso wie die meisten anderen Imker auch. Unterschiede gibt es bei folgenden Punkten:

Ich habe drei FlowHive-Zargen, die ich bei passender Volksstärke und Tracht als Honigraum aufsetze. Ich nutze einen 7er-FlowHive, sprich in einer Zarge sind sieben FlowHive-Rahmen, die man als Set kaufen kann. Diese Zarge kann ich direkt auf eine 10er-Liebig-Zanderzarge oder jede andere falzlose Zanderzarge setzen.

Die hälftigen Kunststoffzellen werden gegeneinander verschoben, wenn sie verdeckelt sind. Foto: Thorsten Dresing
Die hälftigen Kunststoffzellen werden gegeneinander verschoben, wenn sie verdeckelt sind. Foto: Thorsten Dresing

Bei neuen FlowHives dauert es ein paar Tage, bis die Bienen den Honigraum annehmen – ein Tipp: Die Bienen gehen schneller hoch, wenn man die Waben mit etwas Honig bestreicht. Theoretisch kann man bei starken Völkern auch zwei FlowHive-Zargen übereinandersetzen. Ich habe die Völker aber bisher entweder stark geschröpft oder noch eine normale Zarge mit Mittelwänden als Honigraum aufgesetzt. Mit den Honigwaben kann ich später die Ableger zufüttern oder hänge sie den Völkern als Winterfutter ein.

Honigernte mit dem FlowHive

Beim FlowHive kann ich über zwei Sichtfenster erkennen, wie voll die Rähmchen sind. Ohne sie zu ziehen. Sind die Zellen außen voll, sind auch die in der Mitte voller Honig: Dann kann ich diesen Rahmen ernten. Ich müsste also nicht warten, bis alle sieben befüllt sind, sondern kann die Rahmen einzeln leeren. Dabei docke ich das Rähmchen von außen mit einem lebensmittelechten Schlauch an, führe ihn in ein großes Glas und schütze die Öffnung mit einer Folie. Will ich den Honig in einen Hobbock füllen, durchbohre ich seinen Deckel und stecke die Schläuche durch.

Der Honig tropft in der Wabe nach unten und fließt über einen Schlauch in ein Glas. Foto: Thorsten Dresing
Der Honig tropft in der Wabe nach unten und fließt über einen Schlauch in ein Glas. Foto: Thorsten Dresing

Dann drehe ich an der FlowHive-Vorrichtung und öffne zunächst nur das erste Drittel des Rahmens, damit nicht zu viel Honig fließt. Mit genügend Schläuchen kann ich alle sieben Rähmchen auf einmal ernten und bin nach etwa 20 Minuten fertig. Ein voller Rahmen beherbergt gut drei Kilogramm Honig. Bisher gab es in jedem Jahr und bei jedem Volk Honig. Nach der Honigernte reinigen die Bienen die Zellen von Verdeckelungswachs und Honigresten, sodass ich einige Tage später eine Bienenflucht einsetzen und die Zargen abnehmen kann. Ich lagere sie über den Winter in einem verschließbaren, aber nicht ganz luftdichten Behälter auf dem kühlen Dachboden ein.

FlowHive-Honig: Kristallisiert spät und schmeckt

Der Honig kommt äußerst klar aus dem FlowHive-Rahmen. Bisher habe ich den Honig nicht gesiebt, lediglich einen Tag ruhen lassen, kleine Schmutzpartikel steigen so auf. Ich ziehe dann mit Klarsichtfolie die oberste Schicht ab und erhalte reinen Honig. Ich rühre ihn danach nicht, sondern fülle ihn direkt in die Gläser und habe wenige Tage nach der Ernte allen Honig in Kisten verpackt. Der Honig kristallisiert äußerst spät. Ich hatte im letzten Frühjahr noch welchen aus dem Vorjahr, der noch flüssig-durchsichtig war – keine Akazie, sondern Sommertracht! Ich vermute, das liegt an der geringen Menge an Staub und anderen Partikeln, der Honig könnte deshalb weniger Kristallisationskeime haben. Der Wassergehalt ist mit rund 15,5 Prozent niedrig. Bei der Honigbewertung meines Vereins (Imkerverein Marburg u. U.) hat er Gold zwar knapp verpasst, wurde aber in mehreren Jahren mit dem Hinweis versehen, dass der FlowHive-Honig mit seinem Geschmack positiv auffällt.

Probleme mit den FlowHives

Einmal habe ich mir eine Wachsmotte eingefangen, die zwar nicht viel Futter gefunden und den FlowHives nicht geschadet hat, die Rähmchen musste ich danach trotzdem putzen. Neben der Wachsmotte gab es zwei weitere Probleme: Bei der ersten Honigrnte habe ich den FlowHive-Rahmen komplett geöffnet. Keine gute Idee, denn nun fließt sehr schnell sehr viel Honig, und wenn nicht aller über das Drainagerohr ablaufen kann, rennt er hinunter in den Bienenstock. Das habe ich leider erst bemerkt, als der Honig unten auf das Windelbrett getropft ist. Hier sollte man also langsam vorgehen. Des Weiteren habe ich bei einer Kontrolle einmal das Absperrgitter an einer Stelle mit dem Stockmeißel verbogen, so konnte die Königin nach oben krabbeln. Bei der nächsten Ernte habe ich mich gewundert, was das für kleine Unreinheiten im Honig sind, bis ich verstand: Es waren Stifte! Ich musste also die Königin suchen und umsetzen, den unreifen Honig ernten und gleich wieder als Futter aufsetzen. Die Bienen haben zum Glück alles gereinigt, sodass ich später im Jahr noch einmal ernten konnte. Melezitosehonig hatte ich bis dato nicht. Sollte dies einmal passieren, kann man die FlowHives vollständig auseinanderbauen und in Wasser einweichen.

FlowHive: Gut, aber teuer

Der FlowHive funktioniert für mich nach wie vor gut, ist aber recht teuer. Dafür benötige ich keine Schleuder, bin mit Honigernte und Abfüllen recht schnell fertig und störe die Bienen etwas weniger. Nach vier Jahren ist auch noch alles ganz und keines der Rähmchen ist kaputt.

von Dr. Thorsten Dresing

Mehr Infos rund um das Naturprodukt Honig gibt es im bienen&natur-Sonderheft Honig&Wachs

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