Honig-Preis berechnen – so geht‘s

In einem Glas Honig stecken hohe Kosten und viel Arbeit. Doch was darf ein Glas Honig am Ende kosten? So berechnen Imker ihren Honig-Preis realistisch.

Imker sollten ihren Honig nicht verschleudern, sondern einen realistischen Honig-Preis ansetzen. Foto: Adelheid Maria Klein
Imker sollten ihren Honig nicht verschleudern, sondern einen realistischen Honig-Preis ansetzen. Foto: Adelheid Maria Klein

Das Wichtigste bei der Berechnung des Honig-Preises ist, dass man sich nicht selbst in die Tasche lügt. Wer alle Belege sammelt und eine Einnahmen-Ausgaben-Rechnung aufstellt, wird sehen, dass die Ausgaben für die Imkerei schnell einige tausend bis zehntausend Euro sein werden. Auch die Arbeitszeiten sollte man im Blick haben. Will ein Imker also seinen Honig-Preis realistisch berechnen, muss er sich folgende Fragen stellen: Wie hoch sind meine Fixkosten für die Honig-Produktion und was kostet mich die Honig-Vermarktung?

Honig-Preis: Fixkosten erfassen

Welche Ausgaben hat ein Imker, um seinen Honig zu produzieren? Da sind natürlich erst einmal die Anschaffungen: Jeder Imker muss anfangs Bienen, Beuten, Stockmeißel und vieles mehr kaufen. Dabei sollte man alle Investitionen auflisten. Gerade als Anfänger kauft man schnell etwas, das man eigentlich gar nicht braucht. Aber auch Nebenerwerbsimker investieren ständig: Ein größerer Abfüllkübel hier oder ein neuer Imkeranzug da – das läppert sich.

Wichtig ist auch, wie viel Honig man erntet. Ein Beispiel: Ein Beutensystem mit Rähmchen, Fütterer und allem Zubehör kostet zusammen mit einem Bienenvolk etwa 350 bis 500 Euro. Die Kosten sind immer gleich hoch – egal, ob man von einem Bienenvolk zehn oder 40 Kilo Honig erntet. Bei der Arbeitszeit ist es ähnlich: Die Bearbeitung der Völker dauert fast genauso lang, auch wenn man nur wenig Honig erntet. Nur beim Honig-Schleudern und der Verarbeitung des Honigs benötigt man mehr Zeit, wenn der Honig-Ertrag höher ist.

Was kostet die Honig-Produktion?

Wer sich weiter bildet, bekommt meist irgendwann einmal das Arbeitsblatt 932 vom Bieneninstitut Kirchhain in die Hände. Hier wird vorgerechnet, wie man die Erzeugungskosten für ein Kilogramm Honig berechnet. Die Kalkulation ist zwar schon ein paar Jahre alt, aber eine gute Grundlage, um die eigenen Kosten zu erfassen und zu berechnen. Allerdings enthält die Kalkulation wenige Kosten und eine minimale Ausstattung: Für acht Beuten mit Rähmchen, Absperrgitter usw. sind beispielsweise rund 1500 Euro aufgelistet, die bei der heutigen Preislage sicher nicht mehr ausreichen. Mit den weiteren Daten wird hier berechnet, dass in einer Imkerei mit acht Völkern ein Bienenvolk pro Jahr etwa 100 Euro kostet.

Mit dem Stundenlohn erhöht sich der Honig-Preis

Noch interessanter wird dieser Wert, wenn man ihn in Relation zum Honig-Ertrag setzt. Berechnet man keinen Lohn, müsste das Kilo Honig 9,89 Euro kosten, wenn man pro Volk zehn Kilo Honig erntet; bei 20 Kilo kostet das Kilo Honig in der Erzeugung 5,17 Euro. Dieser Preis ist schon stattlich. Berechnet man sich selbst einen Lohn von 7,50 €/Stunde, steigt der Preis bei 10 kg Honig-Ertrag auf 18,89 €/kg und bei 20 kg Honig-Ertrag auf 9,67 €/kg. Rechne ich mit dem Mindestlohn, der derzeit bei 9,35 €/Stunde liegt, sind das bei 20 kg Honig­Ertrag rund 14 €/kg Honig. Wirtschaftet man in einem eigenen Schleuderraum mit Maschinen und Lager, benötigt man mindestens 1000 bis 2000 Euro an Investitionen pro Bienenvolk, und ob man als Anfänger mit zwölf Stunden pro Bienenvolk wirklich an Arbeitszeit auskommt, muss jeder selbst nachzählen. Das heißt: Mit höheren Investitionskosten steigen auch die Erzeugungskosten.

Honig-Vermarktung kostet Zeit

Nun ist der Honig im Glas, alles bis hierher waren Kosten für die Erzeugung. Jetzt muss der Honig aber noch verkauft werden – auch das ist Arbeit und kostet Zeit, zudem können weitere Kosten für Werbung oder Standgebühren anfallen. Als Faustregel gilt: Für die Vermarktung benötigt man noch einmal zwischen 40 und 60 Prozent vom Erzeugungspreis. Dazu gehört es, den Honig zu etikettieren, ihn an Hofläden auszufahren oder auch selbst auf dem Markt zu stehen. Das Gespräch mit Kunden an der Haustür gehört ebenfalls dazu.

Zu den berechneten Erzeugungskosten von 9,67 €/kg (bei 7,50 Euro Stundenlohn und 20 Kilo pro Jahr) kommen also nochmals etwa 50 Prozent für die Vermarktung obendrauf. Das macht dann rund sieben bis acht Euro pro 500-Gramm-Glas als Verkaufspreis. Nimmt man den Mindestlohn, sind es zwischen neun und zwölf Euro pro Glas.

Zusammenfassend muss man bei der Berechnung eines realistischen Honig-Preises also folgende Punkte beachten:

  • Investitionen
  • Honig-Ertrag
  • Arbeitszeit
  • Honig-Vermarktung

Fairen Honig-Preis verlangen

Immer wieder hört man das Argument, Imkern sei ja nur ein Hobby, da wolle man nicht jeden Cent auf den Honig-Preis rechnen. Klar ist das Imkern ein Hobby, aber man hat als Lebensmittelerzeuger auch eine gewisse Verantwortung den Menschen gegenüber, die von diesem Beruf leben müssen. Und darf ein Hobby nicht Spaß machen und trotzdem einen Gewinn abwerfen? Imker erbringen mit den Bienen ja sowieso die Bestäubungsleistung – völlig kostenlos. Der Honig sollte dann wenigstens gut bezahlt werden. Schaut man im Supermarkt genau ins Honigregal, kann man durchaus einige Honige aus regionaler Erzeugung im konventionellen Bereich finden, die es auf über acht Euro pro 500 g Honig bringen. Wenn das also ein Honig-Händler kann, sollten Imker das mit ihrem wirklich regional erzeugten Spitzenprodukt allemal können?

Wer jetzt feststellt, dass sein Honig viel zu billig ist, kann sich ja überlegen, wie er den Honigpreis moderat nach oben anpassen kann. Denn es ist auch eine Wertschätzung der Natur und den eigenen Bienen gegenüber, wenn man seinen Honig nicht „verschleudert“.

von Adelheid Maria Klein

Die Kalkulation des Bieneninstituts Kirchhain finden Sie in der Schulungsmappe „Grundwissen für Imker“ im Kapitel 06-03-03.

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