Refraktometer kaufen und richtig nutzen

Der Wassergehalt des Honigs sollte bei der Ernte unter 18 Prozent liegen. Um den Wassergehalt zu messen, benötigt man ein Refraktometer. Das Angebot ist groß. Worauf muss man beim Kauf achten? Wie wird das Gerät richtig verwendet?

Refraktometer lassen sich mit Nelkenöl und einem Glaskörper kalibieren. Foto: J. Schwenkel
Refraktometer lassen sich mit Nelkenöl und einem Glaskörper kalibrieren. Foto: J. Schwenkel

Refraktometer dienen dem Imker dazu, den Wassergehalt des Honigs zu messen. Winzer hingegen nutzen Refraktometer, um den Zuckergehalt des Mosts zu ermitteln. Honig-Refraktometer besitzen eine Skala, die mit einer blau-weißen Grenzlinie den Wassergehalt in Prozent anzeigen. Laut deutscher Honigverordnung sollte dieser unter 20 Prozent liegen. Die Imker im Deutschen Imkerbund (D.I.B.) haben sich selbst auf einen Wassergehalt von höchstens 18 Prozent verpflichtet.

Doch was, wenn der mit dem Refraktometer ermittelte Wert unter 18 Prozent liegt, eine Messung bei der D.I.B.-Honigkontrolle jedoch einen höheren Wassergehalt ergibt?

Refraktometer kosten zwischen 15 und 250 Euro. Digitale Messgeräte sind noch teurer. Unabhängig vom Preis kann es sein, dass ein Refraktometer falsch geeicht ist.

Ist mein Refraktometer richtig geeicht?

Zunächst wird geprüft , ob die Skalierung des Refraktometers stimmt. Dafür werden zwei verschiedene Prüfmedien benötigt. Zunächst sollte das Refraktometer mit Nelkenöl und einem speziellen Glas-Prüfkörper auf 19,6 Prozent justiert werden. Als zweites Prüfmedium wird natives Olivenöl oder Sonnenblumenöl getestet. Für Olivenöl sollte das Refraktometer einen Wert von 27,0 bis 27,2 Prozent anzeigen, für Sonnenblumenöl 24,8 bis 25,2 Prozent. Auch dieser Text muss bei einer Temperatur von 20 Grad durchgeführt werden, unabhängig davon, ob es sich um ein Gerät mit oder ohne Temperaturkompensation handelt. Wenn die gemessenen Werte stimmen, ist die Skalierung des Geräts in Ordnung.

Was aber, wenn das Refraktometer einen abweichenden Messwert für Olivenöl oder Sonnenblumenöl liefert? Dann liegt ein Steigungsfehler der Messskala vor. Der Imker kann eine Korrekturtabelle erstellen, um die abgelesenen Werte nachträglich umzurechnen. Eswird ermittelt, in welchem Verhältnis der gemessene Wert der Grundjustierung mit 19,6 Prozent abweicht. So lässt sich ein Korrekturwert errechnen, der in Zukunft bei der Messung des Wassergehalts im Honig berücksichtigt wird.

Funktioniert die Temperaturkompensation?

Mit der Wärmeausdehnung ändern sich auch der Brechungsindex und damit der gemessene Wassergehalt des Honigs. Um diesen Einfluss zu kompensieren, besitzen viele Refraktometer eine automatische Temperaturkompensation. Um zu prüfen, ob die „Automatische Temperaturkompensation“ (ATC) des Geräts funktioniert, sollte man ein Glas mit flüssigem Honig bei verschiedenen Temperaturen testen, etwa bei 16, 20, 24 und 28 Grad. Der Honig und das Refraktometer werden dafür 24 Stunden bei der zu prüfenden Temperatur gelagert. Zwischen den Messungen muss das Glas fest verschlossen sein, damit sich der Wassergehalt des Honigs nicht verändert. Die Messung des Wassergehalts sollte bei jeder Temperatur den gleichen Wert ergeben. Ist das nicht der Fall, ist die Temperaturkompensation des Refraktometers defekt. Auch hier kann sich der Imker anhand der Messergebnisse eine entsprechende Korrekturtabelle erstellen. Die Abweichung der Messung bei verschiedenen Temperaturen muss in Zukunft berücksichtigt werden. Häufig liegt der Fehler der Temperaturkompensation bei ca. 0,1 Prozent  pro ein Grad Celsius Differenz zur Bezugstemperatur  20 Grad  Eine andere Methode wäre es, den Honig stets bei 20 Grad Umgebungstemperatur zu messen.

Weitere Details finden Sie hier:16-12_s10-12_Refraktometer-messen

Welches Refraktometer ist empfehlenswert?

Maschinenbauingenieur und Imker Stefan Menzinger hat zahlreiche Refraktometer wie oben beschrieben getestet, möchte jedoch keine Kaufempfehlung für ein bestimmtes Modell abgeben. Er betont jedoch einige Eigenschaften, die ein gutes Refraktometer besitzen sollte.

Checkliste Kauf Refraktometer

Ein gutes Refraktometer sollte

  • Wassergehalt nach der internationalen Norm DIN/AOAC angeben und nicht nach der Rohrzuckerskala von Brix, diese ist veraltet)
  • eine kleinste ablesbare Genauigkeit von mindestens 0,2 Prozent (besser 0,1) aufweisen
  • Eine Justiermöglichkeit besitzen (eine kleine Schraube).

Wie benutze ich ein Refraktometer?

Ist das Refraktometer richtig justiert und funktioniert korrekt, ist die Anwendung einfach. Man streicht ein wenig flüssigen Honig auf das Prisma des Refraktometers und drückt die Klappe darüber fest an. Nach ein bis zwei Minuten schaut man durch das Gerät und liest an blau-weißen, horizontalen Grenzlinie den Messwert ab. Dieser entspricht dem Wassergehalt des Honigs in Prozent. Der Wert sollte deutlich unter 18 Prozent liegen. Refraktometer nun sorgfältig reinigen und trocknen.

Wie justiere ich ein Refraktometer?

Meistens liegt dem Refraktometer ein Fläschchen mit Nelkenöl und einem Glasprüfkörper bei, um das Gerät nachjustieren zu können. Die Messung mit Nelkenöl und Glasprüfkörper sollte bei 20 Grad einen Wert von 19,6 Prozent ergeben. Bei der Justierung erscheint eine Grenzlinie in den Spektralfarben. Der Justierwert 19,6 Prozent am Übergang von blau auf violett einzustellen. Falls der Wert abweicht, dreht man so lange an der kleinen Justierschraube, bis 19,6 Prozent angezeigt wird. Nach dem Reinigen mit etwas Wasser und Spülmittel kann das Refraktometer wieder für die Messung des Wassergehalts im Honig eingesetzt werden.

Hier finden Sie eine detaillierte Erläuterung: 16-11_s23-25_Refraktometer-justieren

Justieren des Refraktometers im Video:

 

Messen des Wassergehalts im Honig im Video:

 

 

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