Imkerei aus dem Wühltisch – so nicht!

Aldi Süd hat ab 05. März ein "Bienenzucht Starter-Set" im Angebot und suggeriert damit, die Bienenhaltung sei einfach. Das ist fatales Signal. Ein Kommentar von Boris Bücheler.

Ab 05. März gibt es bei Aldi Schleier, Anzug, Smoker und Stockmeißel in einem "Bienenzucht Starter-Set".
Ab 05. März gibt es bei Aldi eine Imkerbluse samt Schleier, Smoker und Stockmeißel in einem “Bienenzucht Starter-Set”.
Boris Bücheler, Volontär bienen&natur
Boris Bücheler, Volontär bienen&natur

„Mit Bienen kann man kein Geld verdienen, aber mit Imkern!“ Dieses Sprichwort schoss mir sofort durch den Kopf, als ich den neue Aldi-Prospekt gesehen hatte: Honig im D.I.B.-Glas, Smoker, Schleier und Insektenhotels tummeln sich unter dem Titel „Bienen schützen“ auf einer grünen Doppelseite zwischen Hochdruckreinigern und Norwegen-Kreuzfahrten.
Mittlerweile glaube ich nicht mehr, dass Aldi damit viel Geld verdienen will und kann. Pro Filiale sind nur 30 D.I.B.-Gläser im Angebot. Das „Bienenzucht Starter-Set“ verkauft Aldi nur online. Sie wussten wohl, dass sich darum keine Menschenmassen am Wühltisch prügeln, wie wenn Funktionsunterwäsche, Hanteln oder Akkuschraubern im Angebot sind.
Ich glaube eher, dass das Bienen-Thema für Aldi ein Marketing-Gag ist. Doch das macht es nicht besser. Bienen schützen? Da will Aldi natürlich dabei sein. Leider suggeriert der Discounter mit solchen Aktionen, dass jeder ohne Vorwissen imkern kann. Doch Bienen halten darf nicht zu einem Kinderspiel verkommen, wie Urzeitkrebse züchten. Wir Imker wissen, dass der Bien ein sensibles Wesen ist, das man gut und auch oft pflegen muss. Laien wissen das nicht.
Ich habe aber Angst, dass Einsteiger, die dank Aldi-Prospektchen zur Bienenhaltung animiert werden – weil ja alles so einfach ist, auch über Google billigste Paketbienen bestellen. Diese können Krankheiten einschleppen und leben bei wenig Pflege eh nicht lange. Dabei sollte jeder Imker zuerst einen Kurs absolvieren und die ersten Bienen dann lokal kaufen.
Nun sind wir Imker, Vereine und auch Verbände gefordert. Wir müssen aufklären, manchmal auch warnen, dass es nicht immer so einfach und lustig ist, Bienen zu halten. Dass der größte deutsche Imkerverband auch etwas von der Aldi-Aufmerksamkeit abhaben will und das D.I.B.-Etikett so mit dem „Bienenzucht Starter-Set“ in Verbindung gebracht wird, macht die Sache nicht einfacher …

D.I.B.-Glas im Aldi – muss das sein?

Ich verkaufe meinen Honig auch im D.I.B.-Einheitsglas. Unsere Honigkunden schätzen das Etikett und verbinden es mit Qualität und Regionalität – seit Jahrzehnten. Nun steht das selbe Glas bei Aldi. Die Kette hat bisher eher das Image vom Discounter mit Massenware, nicht vom regionalen Feinkostladen. Ich finde es zwar gut, wenn auch Aldi-Kunden deutschen Honig kaufen können – aber Honig der deutschlandweit zusammengekauft, dann gemischt und an Aldi-Filialen verteilt wird, widerspricht den Werten, die ich und viele Kunden bisher vom D.I.B.-Label hatten.
Meine Meinung: Abfüllstellen und Imker sollten ein unterschiedliches D.I.B.-Etikett verwenden müssen. So können auch Kunden schneller erkennen, woher ihr Honig wirklich kommt.
Auf Facebook haben sich viele Imker über den Preis empört. Wie kann ein Glas deutscher Blütenhonig bei Aldi 4,99 € kosten? Es gibt eben auch Regionen, in denen es viele Imker und gute Ernten, aber wenige Kunden gibt. Bevor der Honig im Hobbock vergärt, verscherbeln ihn die Imker lieber an Großabfüller.
Ich ärgere mich natürlich auch über niedrige Honigpreise. Aber ich glaube nicht, dass ich deswegen einen einzigen Kunden verliere oder mich für höhere Preise rechtfertigen muss. Wir Imker sollten dieses Problem offensiv angehen und stolz auf unser Produkt sein. Wer den Honigschleckern vermittelt, dass sein Honig einzigartig, regional und lecker ist, muss sich auch nicht dafür schämen ein, zwei Euro mehr für ein Glas zu verlangen. Die Kunden wissen es zu schätzen und zahlen es gern.

bbu/03.03.20

Imkerkurs machen: Das ist wichtig