Imkerkurs machen: Das ist wichtig

Wer Bienen halten will, übernimmt Verantwortung – deshalb sollte jeder einen Imkerkurs machen, der anfängt zu imkern. Wir sagen was wichtig ist.

Mittelwände einlöten ist anfangs nicht einfach - gut, wenn man es im Imkerkurs mal gemeinsam probiert hat. Foto: Ingrid Illies
Mittelwände einlöten ist anfangs nicht einfach – gut, wenn man es im Imkerkurs mal gemeinsam probiert hat. Foto: Ingrid Illies

Wer Bienen halten möchte, sollte sich davor informieren, ob sie das Richtige für ihn sind. Am besten geht dies im Imkerverein. Hier kann man erfahrenen Imkern über die Schulter schauen und selbst einmal Waben ziehen. Viele Vereine bieten Tage der offenen Tür, Schnupperkurse oder einen Imkerkurs für Anfänger an – so kann sich jeder einen Einblick in die Vielfalt der Imkerei verschaffen. Übrigens: Da die Bezeichnung „Imker“ nicht geschützt ist, kann sich jeder Imker nennen, egal ob er eine Ausbildung gemacht hat oder nicht.

Anfängerkurs für Imker – das ist wichtig

Nach dem Schnupperkurs sollten Einsteiger einen Anfängerkurs besuchen. Besonders gut sind Imkerkurse, die über das Jahr verteilt mehrere Praxiseinheiten anbieten. Nur so kann man die vielen Arbeiten wie Auswintern, Honig ernten, Behandeln oder Füttern kennenlernen. Kurse werden von Imkervereinen, an Bieneninstituten, Volkshochschulen und auch von Privatpersonen angeboten. Es gibt zwar viele Kurse, da sich derzeit aber viele Leute für Bienen interessieren, sind sie sehr schnell ausgebucht.
Ein guter Kurs sollte folgende Themen behandeln:

  • Biologie der Bienen
  • Beuten- und Standortwahl
  • Kauf von Bienen
  • die wichtigsten Arbeiten im Bienenjahr
  • Honigernte und Verarbeitung
  • Bienenkrankheiten
  • Rechtsvorschriften

Preis für einen Imkerkurs: Große Unterschiede

Wesensgemäße Bienenhaltung, Bio-Imkerei oder angepasster Brutraum. Die Vielfalt in der Imkerei und den Betriebsweisen ist groß. Dies verwirrt auch Anfänger. Ein Kursleiter kann zwar nicht alle Facetten der Imkerei aufzeigen, sollte aber verschiedene Beuten und Betriebsweisen vorstellen können. Die Entscheidung, mit welchem Wabenmaß und welcher Beute man imkern möchte, sollte wohl überlegt sein. Deshalb sollte man beim Imkerkurs nicht dazu gedrängt werden, Bienen oder Beuten zu kaufen.
Mehrtägige Kurse sind aufwändig, zu organisieren und durchzuführen. Viele Vereine bieten das ehrenamtlich an. Da auch Schulungsräume und Referenten bezahlt werden müssen, sind Kursgebühren oft unumgänglich. Wer eine gute Ausbildung erhält, weiß dies zu schätzen. Private Anbieter müssen anders kalkulieren und verlangen deutlich höhere Gebühren. Hier muss jeder Anfänger für sich entscheiden, wie viel Zeit und Geld er investieren möchte.

Kein Imkerkurs – was tun?

Wer keinen Kurs findet, sollte auf keinen Fall ohne Betreuung mit der Imkerei beginnen – das kostet viel Geld, Nerven und oft das Leben vieler Bienen. Natürlich gibt es viele Möglichkeiten, sich zu informieren: Das Angebot an Literatur, Foren oder Facebook-Gruppen ist groß. Leider hat mit der Vielfalt der Angebote auch die Qualität gelitten. Für Anfänger ist es oft schwer, fundiertes Wissen zu finden oder herauszufiltern. Im Internet gibt es auf den Seiten der Verbände (Deutscher Imkerbund und Landesverbände) und Bieneninstitute ein umfangreiches Angebot für Anfänger. Hier werden die Biologie der Honigbiene, das Bienenjahr und die Arbeiten am Bienenvolk sehr ausführlich beschrieben. Einen sehr guten Überblick bietet das Online-Portal die-honigmacher.de. Auf der Website des Instituts für Bienenkunde Veitshöchheim gibt es eine Seite für Einsteiger mit Merkblättern und Links zu wichtigen Behörden.

Imkerei ohne Arbeit? Gibt es nicht!

Immer mehr Menschen möchten Bienen fördern und unterstützen. In den letzten Jahren gab es viele Leute, die Bienenvölker gekauft, sie im Garten aufgestellt und sich selbst überlassen haben. Dies ist aber keine sinnvolle Bienenhaltung. Nicht gepflegte Völker überleben nicht und können andere Bienenvölker mit Krankheiten anstecken. Wer sich einen summenden Garten ohne Arbeit wünscht, kann Imkern in der Region einen Standplatz anbieten oder Nisthilfen für Wildbienen aufstellen. Tipps dazu finden Sie auf den Internetseiten der Naturschutzverbände, beispielsweise unter nabu.de

Imkerpate: Von erfahrenen Imkern lernen

Einsteiger können sich anfangs auch einen Imkerpaten suchen. Am sinnvollsten ist es, wenn sie mit ihrem Paten zusammen imkern, über die Schulter schauen und mitarbeiten. Wer die Arbeiten schon einmal mit einem anderen Imker zusammen gemacht hat, ist später bei den eigenen Bienen sicherer. Der Imkerpate sollte Zeit und Erfahrung haben – aber auch Geduld und Spaß, Wissen weiterzugeben. Nur dann haben beide Seiten etwas davon.

Gemeinsam imkern lernen in Jungimkergruppen

Viele Vereine bieten neben Imkerkursen eine Betreuung von „Jungimkergruppen“ an. Die Anfänger haben an einem Standort ihre Völker aufgestellt und treffen sich zur gleichen Zeit zum Imkern. Ein erfahrener Imker kann Fragen beantworten und die jungen Imker können ihre Erfahrungen austauschen. Die Trennung von „alten Hasen“ und „Jungimkern“ hat sich bewährt, denn oft verwirren zu viele verschiedene Empfehlungen.

Bio oder konventionell imkern?

Wer bereits zu Beginn der Imkerei überlegt, nach Biorichtlinien zu Imkern, sollte sich frühzeitig bei einem Bioverband informieren. Der Unterschied zwischen der konventionellen und der Bio-Imkerei liegt insbesondere in der Betriebsweise und der Fütterung. Bienenkästen dürfen nur aus natürlichen Materialien wie Holz bestehen, Styropor ist nicht erlaubt. Auch der Beuten-Anstrich muss den Vorgaben der Bio-Verbände entsprechen. Nachträglich auf Bio umzustellen, ist relativ aufwändig. Außerdem kostet es Zeit und auch Geld. Wer also mit der Bioimkerei liebäugelt, beginnt besser direkt damit.

Weitere Kurse: Honigkurs, Bienenweide, Zucht

Nach einem Anfängerkurs sollten weitere Kurse folgen. Ein Honigkurs ist wichtig, denn wer Honig ernten, verarbeiten und vermarkten will, muss einiges beachten, das in Anfänger-Imkerkursen nicht behandelt wird. Hinzu kommen Rechtsvorschriften, die für jeden Imker gelten, der Honig in Verkehr bringt – auch, wenn der Honig nur an Freunde verschenkt wird.
Weitere wichtige Kursthemen sind Bienenkrankheiten, Bienenzucht und Methoden der Jungvolkbildung. Man muss nicht jede Methode der Königinnenaufzucht oder Jungvolkbildung beherrschen, aber es ist wichtig, die Vielfalt der Möglichkeiten zu kennen. Denn in der Natur ist jedes Jahr anders. Wenn man aufgrund von Kälte und Regen im Mai keine Ableger bilden kann, muss man vielleicht später im Jahr Kunstschwärme machen. Imker müssen diese Gegebenheiten berücksichtigen und darauf reagieren können.
Ein Thema, das bei Kursen häufig zu kurz kommt, ist die Bienenweide. Dabei ist es bedeutend, welche Trachtpflanzen wichtig sind und wo die Bienen über das ganze Jahr gut mit Nektar und Pollen versorgt sind. Wer sich damit gut auskennt, kann auch Landwirte, Honigkunden und Hobby-Gärtner beraten, die sich überlegen eine Bienenweide zu säen.

23.01.20/ Ingrid Illies

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