Königin käfigen: Brutstopp gegen Varroa

Wer die Varroa auf biotechnische Weise bekämpfen will, kann die Königin käfigen. So können sich die Milben in der brutfreien Zeit nicht vermehren und man kann später gut behandeln.

Wenn man einen Brutstopp in einem Volk will, kann man einfach die Königin käfigen. Diese legt dann nicht mehr und die Varroamilben können sich nicht mehr in der Brut vermehren. Hier ist die Königin eingesperrt, die Brut um sie herum läuft gerade aus. Foto: Jürgen Schwenkel
Wenn man einen Brutstopp will, kann man einfach die Königin käfigen. Diese legt dann nicht mehr und die Varroamilben können sich nicht mehr in der Brut vermehren. Hier ist die Königin eingesperrt, die Brut um sie herum läuft gerade aus. Foto: Jürgen Schwenkel

Wer seine Bienen nicht gegen die Varroamilbe behandelt, verliert sie höchstwahrscheinlich – denn Viren treiben die Völker oft bis in den Tod. Doch man kann die Völker nicht nur mit chemischen Medikamenten behandeln, auch biotechnische Tricks helfen bei der Varroabehandlung.
So kann man die Königin käfigen, also einsperren. Sie legt dann drei Wochen keine Eier mehr. Da sich die Milbe nur in der Bienenbrut vermehrt, stoppt eine Brutpause der Bienen auch die Populationsentwicklung der Milben. Bei einem natürlichen Bienenschwarm ist das ähnlich. Ein weiterer Vorteil: Die Bienen sind nach drei Wochen brutfrei und können so einfacher mit Milch- oder Oxalsäure behandelt werden.  Königinnen käfigt man vor allem im Juni und Juli. Im Gegensatz zur totalen Brutentnahme ist das weniger aufwendig und man braucht weniger Material. Bei der Brutentnahme kann man dafür noch spät im Jahr seine Völker vermehren.

Königin käfigen – so geht‘s

  • Königin suchen: Wer die Königin einsperren will, muss sie zuerst suchen. Das geht besonders gut, wenn sie gezeichnet ist.
  • Königin käfigen: Anschließend nimmt man die Königin von der Wabe und gibt sie in einen Käfig. Wer es sich noch nicht zutraut, die Königin an den Flügeln zu fassen, kann hierfür auch ein Fangglas nehmen. Beim Käfig sollte man darauf achten, dass auch Bienen zur Königin kommen (siehe unterer Absatz). Wichtig ist auch, dass die Königin mit ihrem Käfig mitten im Brutnest hängt. Am besten ist es, wenn der Käfig in eine Wabe eingelassen ist.
  • 25 Tage warten: Nun muss man warten, bis die Brut ausgelaufen ist. Also mindestens 24 Tage, bis auch die letzten Drohnen geschlüpft sind.
  • Waben tauschen: Auf den Waben befindet sich nun keine Brut mehr. Deshalb kann man nun etwas für die Wabenhygiene tun und alte, schwarze Waben gegen gelbe Waben austauschen. Alternativ kann man die Bienen auch neu bauen lassen, entweder mit Mittelwänden oder ganz im Naturwabenbau. Die Altwaben kann man ausschmelzen und aus dem Wachskreislauf ausscheiden: Eigener Wachskreislauf – so geht’s
  • Behandeln: Da keine Brut mehr da ist, sitzen die Milben nun alle auf den Bienen. Wir Imker können so gut behandeln, indem wir nach den Angaben des Herstellers Milchsäure oder Oxalsäure auf die Bienen sprühen. Auch eine Träufelbehandlung mit VarroMed ist möglich. Der Honig sollte bei der Behandlung allerdings schon geerntet sein.
  • Königin wieder frei lassen oder umweiseln: Nach dem Wabentausch und der Behandlung kann man die Königin wieder freilassen. Ist die Königin schon älter, kann man sie in diesem Zug auch ersetzen und stattdessen eine junge Königin einweiseln. Da das Volk keine Brut zum Nachschaffen mehr hat, stehen die Chancen gut, dass es die neue Königin annimmt. Trotzdem sollte die neue Königin schon ein paar Wochen legen, dann ist sie sicherer und wird eher angenommen. Zudem sollte man die Königin in einem Ausfresskäfig zuhängen; Königin und Bienen haben so etwas Zeit sich aneinander zu gewöhnen, bis sie den Futterteig herausgefressen haben.
  • Füttern: Finden die Bienen draußen nichts mehr zu fressen, sollte man die füttern. Will man, dass sie noch neue Waben bauen, am besten mit einer dünnen Zuckerwasserlösung oder mit Sirup.
  • Varroabefall weiterhin checken: Obwohl die Bienen einen Brutstopp hatten, kann die Varroabelastung im Spätsommer noch einmal zu hoch werden. Dann muss man eventuell eine weitere Behandlung machen, beispielsweise mit Ameisensäure. Deshalb sollte man nach dem Käfigen der Königin weiterhin den Varroabefall im Blick halten.

Achtung: Nicht alle Käfige sind geeignet

Wer die Königin käfigen will, kann hierfür nicht jeden Käfig nehmen. Zusetzkäfige oder Lockenwickler, die man zum Königinnen-Schützen nimmt, eignen sich hier nicht. Der Grund: Der Käfig ist bienendicht und die Bienen kommen nicht zur Königin. Stattdessen braucht man einen Käfig, bei dem Arbeiterinnen hindurchschlüpfen können, die Königin aber nicht – wie bei einem Absperrgitter. Trotzdem kann es sein, dass die Bienen nervös werden, wenn ihre Königin keine Eier mehr legt. Dann können sie Nachschaffungszellen ziehen und im Extremfall die alte Königin töten. In diesem Fall sind Käfige gut, bei denen die Königin einen Auslauf hat und auf einer kleinen Fläche Eier legen kann.

bbu/24.06.2020

Mehr zur Varroabehandlung finden Sie in unserem Sonderheft Varroa im Griff – gesunde und vitale Bienen das ganze Jahr

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