Mein Volk ist tot – wieso?

Voller Spannung schauen Imker im Frühjahr zu ihren Bienen – doch oft ist ein Volk tot. Dafür kann es mehrere Gründe geben.

Wenn die Bienen ihre Brut herausgerissen haben und selbst verkrüppelte Flügel haben, hatten sie das von Varroamilben übertragene Flügeldeformationsvirus (DWV).
Wenn die Bienen verkrüppelte Flügel haben, hatten sie das von Varroamilben übertragene Flügeldeformationsvirus (DWV). Herausgerissene Brut spricht ebenfalls für einen Varroa-Schaden. Foto: Boris Bücheler

Wenn ein Volk tot ist, sollte jeder Imker erforschen, warum es gestorben ist. Oft ist nämlich er schuld. Nur so kann man aus Fehlern lernen, um die Bienen im nächsten Jahr über den Winter zu bringen. Genaue Analysen gibt es oft nur im Labor. Wenn etwas unklar ist, kann man auch Fachberater, Bienensachverständige oder erfahrene Imker um Rat fragen. Doch es gibt viele Hinweise, mit denen man rekonstruieren kann, wieso das Volk tot ist. Oft gibt es auch nicht die eine Todesursache, sondern Faktoren summieren sich, die Bienen werden immer schwächer und sterben so.

Volk tot: Häufig aufgrund von Varroa und Viren

  • Symptome: Oft ist die Beute einfach leer, weil Bienen den Stock verlassen, kurz bevor sie sterben. So fallen sie den anderen nicht zur Last. Doch häufig findet man im Boden oder vor dem Flugloch noch tote Bienen. Hier kann man schauen, ob Milben auf den Bienen sitzen. Haben die Bienen keine Flügel mehr oder einen verkürzten Hinterleib, deutet das auf Viren hin. Liegt im Boden zusätzlich herausgerissene Brut, ist das ein weiteres Anzeichen für einen Varroa-Schaden. Diese hat oft eine leicht bräunliche Färbung am Hinterleib und die Flügel sind verkrüppelt, wenn sie von der Varroa geschädigt ist. Auffällig ist, dass in Völkern, die an der Varroa sterben, oft noch Brut vorhanden ist. Besonders befallene Völker brüten nämlich bis zu ihrem Tod stark, weil sie merken, dass sie krank sind und noch gesunde Bienen erbrüten wollen. Das klappt aber meist nicht. Letztendlich sterben die Bienen, die Brut verkühlt, schlüpft nicht mehr und bleibt zurück.
  • Ursachen: Die Bienen sind an der Varroamilbe und den Viren, die sie verbreitet gestorben. Entweder haben die Varroa-Behandlungen nicht gewirkt oder im Herbst kamen Milben aus fremden Völkern über Räuberbienen in den Stock. Außerdem verlieren die Bienen nach der Behandlung zwar die Varroamilben, doch die Viren bleiben.
  • Vorbeugung: Jeder Imker sollte bei Varroa-Verlusten sein Behandlungskonzept hinterfragen. Auch wenn die Varroa-Situation oft rätselhaft ist, da sie viele Faktoren hat: Der Befall ist jedes Jahr anders, zudem unterschieden sich Temperaturen bei der Behandlung oder auch die Brutmenge. Hier hilft es, sich Eigenheiten zu notieren, lernen zu wollen und sich mit anderen Imkern ehrlich auszutauschen.

Die Bienen sind verhungert

Wenn die Bienen mit dem Kopf tief in den Zellen stecken, sind sie verhungert. Es kann sein, dass noch Futter im Stock war, sie es aber nicht erreicht haben. Foto: Johann Fischer
Wenn die Bienen mit dem Kopf tief in den Zellen stecken, sind sie verhungert. Es kann sein, dass noch Futter im Stock war, sie es aber nicht erreicht haben. Foto: Johann Fischer
  • Symptome: Die Bienen stecken mit dem Kopf tief in den Zellen, nur noch der Hintern schaut heraus. Wenn zudem die Beute leicht ist und keine Futterwaben mehr zu finden sind, sind die Bienen wohl verhungert.
  • Ursachen: Eine Möglichkeit ist, dass der Imker zu wenig gefüttert hat. Außerdem können die Bienen im Herbst oder an warmen Wintertagen ausgeräubert worden sein. Hier sind vor allem schwache Völker die Opfer. Wachskrümel auf dem Bodenbrett verraten die Räuberbienen. Besonders ärgerlich ist ein Futterabriss: Die Bienen haben zwar noch Futter im Stock, erreichen es aber nicht und verhungern. Das Risiko besteht vor allem, wenn die Bienen einräumig überwintern. Doch es kann auch sein, dass das Futter auskristallisiert ist und die Bienen es nicht lösen konnten. Dann verhungern sie auf vollen Waben.
  • Vorbeugung: Wenn Bienen verhungern, hat ist das ein Fehler des Imkers! Deshalb sollten wir in warmen Wintern checken, ob das Futter ausreicht. Bienenvölker können noch bis in den April hinein verhungern, besonders anfällig sind eng geschiedete Völker, die sich bei einem Kälteeinbruch zusammenziehen und das Futter nicht mehr erreichen. Also immer genügend Futter im Volk lassen und notfalls nachfüttern.

Stock vollgekotet: Darmkrankheiten und falsches Futter

 

  • Symptome: Bereits am Flugloch sind dunkle Flecken – Kotspritzer. Auch auf Waben und Rähmchen sind braune bis gelbe Flecken, wenn die Bienen es nicht raus geschafft haben, um abzukoten.
  • Ursachen: Die Bienen haben im Winter wohl was Falsches gegessen. Vor allem Honig aus Spättrachten wie Wald-, Melizitose- oder Heidehonig ist für die Bienen schwer verdaulich, da die Honige Mineralstoffe enthalten. Wenn die Bienen bereits im Stock abkoten, ist das ein Zeichen für Darmkrankheiten wie Nosemose (Erreger: Nosema ceranae) oder Ruhr. Diese Krankheiten töten die Bienen zwar nicht sofort, schwächen die Völker aber, so dass sie im Frühjahr eher schrumpfen statt wachsen.
  • Vorbeugung: Darauf achten, dass die Bienen nicht auf Wald- oder Melizitosehonig überwintern. Bei Spättrachten sollte man Brutwaben mit viel Honig über Absperrgitter auslaufen lassen und auch schleudern. Im Notfall Waben mit Waldhonig an den Rand hängen, dass die Bienen erst im Frühjahr davon fressen. An einem warmen, sonnigen Standort können die Bienen früher zum Reinigungsflug aufbrechen. Zudem sollte das Flugloch frei von Totenfall oder Schnee sein, sobald es warm wird – nur so können die Bienen ausfliegen.

Wenige Bienen – zu schwach eingewintert

Hier sind nur noch wenige Bienen da, es wurde entweder zu schwach eingewintert, oder die Nosemose hat es zu stark geschwächt. Man sollte es nun auflösen. Foto: Boris Bücheler
Hier sind nur noch wenige Bienen da, es wurde entweder zu schwach eingewintert, oder die Nosemose hat es zu stark geschwächt. Man sollte es nun auflösen. Foto: Boris Bücheler
  • Symptome: Auf den Waben sitzt nur noch ein Knäuel Bienen um die Königin herum. Brut ist keine bis wenig vorhanden.
  • Ursachen: Das Volk startete schon zu schwach in den Winter. Dabei kann es sein, dass es von Anfang an nicht stark genug war oder die Winterbienen im Herbst von der Varroa befallen waren.
  • Vorbeugung: Man sollte nur starke Völker einwintern, die mindestens 5.000, besser 8.000 Bienen haben. Das sind bei Deutsch Normalmaß oder Zander etwa sieben voll besetzte Wabengassen. Schwache Völker werden schon im Spätsommer aufgelöst oder vereinigt.

Keine Königin: Volk weisellos

Völker, bei denen noch Drohnenbrut übrig ist und sogar noch Nachschaffungen zu finden sind, waren wohl weisellos und haben deshalb den Winter nicht überlebt. Foto: Ralph Büchler
Völker, bei denen noch Drohnenbrut übrig ist und sogar noch Nachschaffungen zu finden sind, waren wohl weisellos und haben deshalb den Winter nicht überlebt. Foto: Ralph Büchler
  • Symptome: Die Bienen sind meist unruhig und brausen laut auf, sobald man den Deckel öffnet. Auf den Waben ist keine Brut oder nur Drohnenbrut zu sehen. Oft findet man auch noch mehrere Nachschaffungszellen auf den Waben. Es kann zwar sein, dass noch Bienen leben, das Volk kann ohne Königin aber nicht überleben und sollte daher aufgelöst werden.
  • Ursache: Wahrscheinlich ist, dass die Bienen im Herbst noch umweiseln wollten und die neue Königin gar nicht oder schlecht begattet wurde. Auch möglich: Der Imker hat die Königin aus Versehen zerquetscht oder sie hat die Ameisensäurebehandlung nicht überlebt. Einzelne Königinnenverluste gibt es immer wieder. Wenn aber mehrere Völker weisellos sind, sollte man nach der Ursache suchen.
  • Vorbeugung: Im Spätsommer und Herbst noch einmal checken, ob jedes Volk eine Königin hat. Besonders gut sind junge Königinnen, sie machen weniger Ärger und wollen im Herbst in der Regel nicht mehr umweiseln.

bbu/06.02.20

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