Oxalsäure-Behandlung im Winter – so geht’s

Sobald die Bienen im Winter brutfrei sind, muss die Oxalsäure-Behandlung gemacht werden. Wir erklären Schritt für Schritt, wie man Oxalsäure träufelt.

 

Mit einer Spritze kann die Oxalsäure auf die Bienen geträufelt werden. Foto: Ute Schneider-Ritter
Der Imker träufelt die Oxalsäure mit einer Spritze auf die Bienen. Foto: Ute Schneider-Ritter

Die Winter-Behandlung mit Oxalsäure geht schnell, ist einfach und wirkt gut gegen die Varromilben. Zudem sind Rückstände in Wachs und Honig nicht problematisch.

Bienen müssen brutfrei sein

Die Oxalsäure wirkt nur auf die Milben, die auf den Bienen sitzen. Milben in der Brut bleiben hingegen verschont. Deshalb müssen die Völker bei der Behandlung brutfrei sein. Ist noch etwas Brut vorhanden, können die Zelldeckel mit einer Entdeckelungsgabel entfernt werden. Zudem sollten die Bienen in einer engen Wintertraube sitzen. Wenn sie sich gegenseitig berühren, wird die Oxalsäure schneller verteilt und wirkt besser.

Richtiges Wetter für Oxalsäure-Behandlung

Drei Wochen nach den ersten Frösten sind die Bienen brutfrei. Das ist meist zwischen Mitte November und Ende Dezember. Temperatur zwischen 3 und 10°C sind gut, die Bienen sollten also nicht fliegen. Ideal ist es, morgens zu behandeln, da die Bienen zu dieser Zeit enger sitzen.

Oxalsäure richtig träufeln

  • Oxalsäure erwärmen: Die Lösung in einem Wasserbad auf etwa 30°C erwärmen. So löst sich der Zucker besser und ist angenehmer für die Bienen.
  • Zucker zugeben: Den beigelegten Zucker in die Flasche füllen und schütteln, bis er gelöst ist.
  • Dosierung der Oxalsäure: Pro besetzter Wabengasse etwa 5 Milliliter der Lösung kalkulieren. Bei schwachen Völker mit einem Bienensitz auf weniger als einer Zarge sind es etwa 30 Milliliter, bei Völkern auf einer Zarge etwa 40 Milliliter und bei starken Völkern über 2 Zargen etwa 50 Milliliter. 50 Milliliter ist hierbei das Maximum, mehr sollte nicht geträufelt werden.
  • Richtig träufeln: Mit einer Spritze wird die Oxalsäure-Lösung auf den besetzten Wabengassen verteilt. Eine Schlauchverlängerung erleichtert das Träufeln bei einer tief sitzenden Bienentraube. Die Lösung nur auf den Bienen verteilen, auf Rähmchen und Wachs ist sie nutzlos.
  • Jede Wabengasse beträufeln: Bei zweizargigen Völkern die oberste Zarge absetzen und beide beträufeln. Bei Hochwaben ist es geschickt, eine Wabe zu ziehen und die anderen Waben zum Behandeln nach und nach zur Seite zu blättern. So erreicht man die Bienen besser.
  • Nur einmal träufeln: Eine zu hohe Dosis oder eine zweite Behandlung schwächt die Völker so, dass sie daran sterben können.
  • Mischung nicht lagern: Das Mindeshaltbarkeitsdatum der Oxalsäure auf dem Etikett beachten. Dies gilt allerdings nicht mehr, wenn der Zucker zugemischt wurde. Hierbei entsteht nach kurzer Zeit HMF, das für die Bienen giftig ist.
  • Vor dem 31.12. behandeln: Die Behandlung mit Oxalsäure-Dihydrat sollte bis Neujahr angeschlossen sein, sonst darf man im neuen Jahr keinen Honig ernten.

Wie wirkt die Oxalsäure gegen die Milben?

Die Oxalsäure wirkt bei direktem Kontakt auf die Varroamilben, da sie empfindlich gegen die saure Umgebung sind. Dank dem Zucker haftet die Lösung besser am Körper der Bienen und wird so weitergegeben. Die Lösung wird von den Bienen in der Regel nicht geschluckt. Tropfen, die nicht auf ihrem Körper gelandet sind, interessieren die Bienen nicht. Ein Teil der Säure durchdringt die Haut der Bienen und kann auch über längere Zeit in der Hämolymphe und im Verdauungstrakt nachgewiesen werden.

Woher bekomme ich Oxalsäure?

Oxalsäure-Produkte kann man in der Apotheke, im Imkereifachhandel oder direkt bei den Herstellern kaufen. In vielen Vereinen gibt es auch Sammelbestellungen, die teilweise gefördert werden.

Oxalsäure-Produkte sind beispielsweise:

  • Oxalsäuredihydrat 3,5% ad us. vet. (Hersteller: Serumwerk Bernburg)
  • Oxalsäure-Dihydrat 3,5% (Andermatt Biovet)
  • Oxuvar 5,7% (Andermatt BioVet)
  • Oxibee (Véto-pharma Frankreich)
  • Dany’s Bienenwohl (Dany Bienenwohl GmbH)
  • VarroaMed (BeeVital)

Handschuhe und Schutzbrille verwenden

Oxalsäure wirkt ätzend. Deshalb sollte sie nicht auf die Haut oder in die Augen gelangen. Säurefeste Handschuhe und eine Schutzbrille sind daher Pflicht. Außerdem sollte man einen Eimer mit Wasser dabei haben, um Säurespritzer schnell abzuspülen. Nach der Behandlung Hände und Geräte mit Wasser und Seife abwaschen.

Oxalsäure verdampfen? In Deutschland nicht zugelassen

In Deutschland darf Oxalsäure in der Standardzulassung (Oxalsäuredihydrat-Lösung 3,5 % (m/V) ad us. vet.) geträufelt werden. Mittlerweile ist es auch erlaubt, Oxalsäure in spezieller Zusammensetzung (Oxuvar 5,7%) zu sprühen. In Österreich und der Schweiz darf Oxalsäure zur Varroabekämpfung auch verdampft werden. Diese Methode ist in Deutschland nicht zugelassen. Die Bekämpfung der Varroa mit der Oxalsäure ist laut EU-Öko-Verordnung auch in der Bio-Imkerei erlaubt.

Mehr Infos zur Varroa-Behandlung gibt es im bienen&natur-Sonderheft Varroa im Griff – gesunde und vitale Bienen das ganze Jahr

bbu/05.11.2019

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