Oxalsäure sprühen: Brutfreie Völker behandeln

Oxalsäure sprühen viele Imker im Kampf gegen die Varroamilbe. Wir erklären, wie die Sprühbehandlung funktioniert und worauf man achten muss.

Bei der Sprühbehandlung mit Oxalsäure werden die Waben am besten in einem Winkel von 45 ° besprüht, damit nicht zu viel Säure in die Zellen kommt und, falls vorhanden, offene Brut nicht geschädigt wird. Foto: Ute Schneider-Ritter
Bei der Sprühbehandlung mit Oxalsäure werden die Waben am besten in einem Winkel von 45 ° besprüht, damit nicht zu viel Säure in die Zellen kommt und, falls vorhanden, offene Brut nicht geschädigt wird. Foto: Ute Schneider-Ritter

Wann kann man Oxalsäure sprühen?

Oxalsäure sprühen gegen die Varroamilbe sollten Imker nur, wenn das Bienenvolk brutfrei ist, da die Sprühbehandlung nicht auf Milben in gedeckelten Brutzellen wirkt. Eine geringe Restbrut kann zwar toleriert werden, eventuell muss man aber mit einer Entdeckelungsgabel oder einem Messer die Zelldeckel entfernen. Deshalb kann man von Frühjahr bis Winter mit Oxalsäure sprühen.

  • Ableger: Brutableger lassen sich mit Oxalsäure behandeln, bis sie verdeckelte Brut der neuen Königin herangezogen haben.
  • Kunstschwärme/Naturschwärme: Sowohl Kunst- als auch Naturschwärme haben keine Brut. Deshalb können mit Oxalsäure noch einmal alle ansitzenden Milben abgetötet werden.
  • Königin gekäfigt: Eine Möglichkeit die Bienen im Sommer brutfrei zu machen, ist es die Königin in einen Käfig zu sperren. So kann sie nicht mehr legen, das Volk ist in 24 Tagen brutfrei und der Imker kann mit Oxalsäure behandeln.
  • Totale Brutentnahme: Wer seine Völker mit einer Totalen Brutentnahme (TBE) brutfrei gemacht hat, kann ebenfalls mit Oxalsäure sprühen. Wenn man die Brut in Brutscheunen schlüpfen lässt und diese nach 21 Tagen ebenfalls brutfrei sind, kann man auch sie mit Oxalsäure behandeln.
  • Winterbehandlung: In der Regel sind Bienenvölker Mitte November und Ende Dezember drei Wochen nach mehreren Frostnächten brutfrei.

Oxalsäure sprühen – so geht’s

Bei der Sprühbehandlung mit Oxalsäure ist Vorsicht geboten: Imker müssen unbedingt säurefeste Handschuhe, eine Schutzbrille und eine Schutzmaske tragen. Vorgeschrieben ist eine FFP2-Maske, empfohlen wird aber eine FFP3-Maske. Außerdem sollte man einen Eimer mit Wasser zum raschen Abspülen von Säurespritzern auf der Kleidung oder Haut bereitstellen.

  • Auf Temperatur achten: Die Außentemperatur muss für die Sprühbehandlung mindestens 8 °C betragen, damit abfallende oder abfliegende Bienen zurückgelangen können. Die Tageszeit ist weniger entscheidend, allerdings sitzen die Bienen bei höheren Temperaturen am frühen Nachmittag lockerer.
  • Wie viel? Die Sprühmenge je Pumpstoß bestimmen, indem man mit dem Sprüher in einen Messbecher sprüht.
  • Sich selbst schützen: Brille, Handschuhe und Atemmaske anziehen.
  • Packungsbeilage lesen: Sprühflüssigkeit nach Gebrauchsanweisung bereitstellen.
  • Richtig mischen: Dazu die 275-g-Flasche mit 250 ml und die 1000-g-Flasche mit 900 ml Trinkwasser auffüllen.
  • Wärmen: Flaschen mit der verdünnten Flüssigkeit in ein Gefäß mit warmem Wasser stellen.
  • Seitlich beginnen: Für die Sprühbehandlung mit Oxalsäure muss man als erstes eine nicht mit Bienen besetzte Randwabe entnehmen, um eine Lücke zu schaffen. Dann können die Waben nach oben entnommen werden, ohne dass die Bienen abrollen. Vorsicht: Nur stärkere Völker vertragen das Auseinanderreißen der Wintertraube.
  • Richtig sprühen: Die mit Bienen besetzten Wabenseiten mit der in der Gebrauchsanweisung vorgeschriebenen Menge besprühen. Die Wabe im Winkel von 45 ° halten, um den Eintrag in die Zellen zu minimieren. Dies ist besonders bei eventuell noch vorhandener offener Brut wichtig.
  • Richtig dosieren: Jeweils 0,3 ml/dm² voll besetzte Wabenseite und maximal 80 ml pro Volk anwenden (Dosierungsbeispiele siehe Tabelle).
  • Beim Sprühen im Sommer: Schwärme und Kunstschwärme erhalten 20 bis 25 ml pro kg Bienenmasse.
  • Volk abdecken: Wenn über dem Volk gesprüht wird, saugfähiges Papier (Zeitung, Haushaltstuch) darunterlegen, damit nicht zu viel Flüssigkeit in das Volk gelangt.
  • Alle Bienen besprühen: Bienen an Kastenwand und Boden nicht vergessen!
  • Varroakontrolle: Bodenschieber mit Öl-Einlage versehen.
  • Wirkung: Die Wirkung kann drei Wochen anhalten.
  • Zweite Behandlung im Sommer? Wenn innerhalb von zwei Wochen nach der Behandlung noch sehr viele Milben fallen (mehr als 500 Milben), wird nach zwei Wochen eine zweite Behandlung empfohlen.
Sprühbehandlung mit Oxalsäure-Dihydrat (Gebrauchsanweisung beachten)
Sprühbehandlung mit Oxalsäure-Dihydrat (Gebrauchsanweisung beachten)

Vorsicht beim Oxalsäure-Sprühen!

Das Präparat zum Oxalsäure sprühen darf bis zu dem auf der Verpackung angegebenen Verfallsdatum verwendet werden. Die gebrauchsfertige Lösung ist ein Jahr innerhalb der angegebenen Haltbarkeit verwendbar. Sie darf nicht über 30 °C gelagert werden und sollte daher nicht direktem Sonnenlicht ausgesetzt werden. Man muss sie vor Frost schützen und darf sie weder im Kühlschrank aufbewahren noch einfrieren. Unbedingt die Gebrauchsanweisung auf der Packungsbeilage beachten!

Nebenwirkungen der Sprühbehandlung

  • Das Bienenvolk kann während der Behandlung unruhig sein.
  • Der Totenfall von Bienen kann nach der Behandlung erhöht sein.
  • Das Bienenvolk kann sich im nächsten Frühjahr schwächer entwickeln.

Weitere Infos zum Oxalsäure-Sprühen

  • Produkt:  Oxuvar 5,7 %
  • Hersteller: Andermatt BioVet
  • Bestandteile: Oxalsäure-Dihydrat und Zucker
  • Vertrieb:  Apotheke, Hersteller, Imkereifachhandel
  • Bestandsbuch: Kein Eintrag ins Bestandsbuch notwendig.
  • Wartezeit: 0 Tage, wenn die Behandlung ohne aufgesetzte Honigräume erfolgte.

von Wolfgang Ritter

Mehr zur Varroabehandlung finden Sie in unserem Sonderheft Varroa im Griff – Gesunde und vitale Bienen das ganze Jahr

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