Pollen und Perga: Power für Mensch und Biene

Pollen und Perga haben positive Effekte auf unsere Gesundheit. Welche Inhaltsstoffe sind dafür verantwortlich? Wie kann man sie zu Hause verwenden? Und was ist überhaupt dran an den Wunderdingen, die man diesen Bienenprodukten nachsagt?

Eine bunte Vielfalt an Pollen bringt auch ein breites Wirkungsspektrum mit sich. Foto: Maria Sapiolko
Eine bunte Vielfalt an Pollen bringt auch ein breites Wirkungsspektrum mit sich. Foto: Maria Sapiolko

Bienenprodukten wir oft eine medizinische Wirkung nachgesagt, so auch Pollen und Perga. Wissenschaftliche Beweise dafür sind jedoch rar. Für die positiven Effekte auf unsere Gesundheit soll eine Reihe von Inhaltstoffen des Pollens verantwortlich sein. Doch in welchen konkreten Bereichen der Medizin kommt Pollen überhaupt zum Einsatz und was muss der Verbraucher beachten?
Pollen ist der Blütenstaub der Samenpflanzen und besteht aus einzelnen Pollenkörnern. Diese Mikrosporen dienen als männliche Fortpflanzungseinheiten und entstehen in den Pollensäcken der Staubbeutel. Zur Vervollständigung des Erbguts müssen sie auf die Griffel einer Blüte gelangen, wo ihre männlichen Keimzellen über einen auswachsenden Pollenschlauch die Eizellen im Fruchtknoten befruchten. Daraus werden Embryonen mitsamt Nährgewebe – Samen, aus denen neue Pflanzen wachsen.
Pollen enthält viele Nährstoffe und zog schon früh Tiere an. Einige Blütenpflanzen lernten das für den Transport zu nutzen und machten sich so vom Wind unabhängig – eine gewaltige Einsparung, denn gezielte Bestäubung erfordert vergleichsweise wenig Blütenstaub. Aus der Zufallsbekanntschaft wurde eine intensive langjährige Beziehung. Blüten sind so konzipiert, dass sie ihre Helfer über große Entfernungen anlocken: Sie haben sich an das Sehvermögen der Tiere angepasst und signalisieren mit Duftstoffen reiche Beute in Form von Nektar und Pollen.

Pollen sammeln und ernten

Bienen interessieren sich für den zuckerreichen Nektar, den ihnen Blüten als Lohn für die Bestäubung anbieten. Einen Teil nutzen sie unmittelbar als Treibstoff für ihre Flugmuskulatur, einen weiteren sammeln sie im Honigmagen und bringen ihn zum Bienenstock. Dort nehmen andere Bienen die Fracht entgegen und verarbeiten sie zu Honig, den sie vor allem als Wintervorrat verwenden.
Während der Nektarernte pudern die Staubbeutel ihre Besucher mit Pollen ein. Pollenkörner bleiben im Pelz hängen und gelangen zu weiteren Blüten, an deren klebrigen Narben einige haften bleiben und die Fortpflanzung sichern. Den Rest streifen die Tiere im Flug mit ihren Hinterbeinen zusammen und vermischen ihn mit einer kleinen Menge Speichel. Die daraus gebildeten Päckchen deponieren sie in den Pollenhöschen an den Hinterbeinen und bringen sie nach Hause.
Will ein Imker diese Pollenkörbchen ernten, stellt er am Eingang des Bienenstocks eine Pollenfalle auf. Beim Passieren der Engstelle verlieren die Bienen einen Teil ihrer Fracht. Die Bällchen fallen in einen Sammelbehälter, der wegen der leichten Verderblichkeit des Pollens täglich zu kontrollieren und zu leeren ist. Nach dem Säubern werden die Pellets zur Konservierung getrocknet oder gefriergetrocknet.

Pollen – das Mehl fürs Bienenbrot

Pro Jahr verbraucht ein Bienenvolk um die 50 Kilogramm Pollen als Nahrungsgrundlage für Stockbienen und Bienenbrut. Was sie nicht unmittelbar verzehren, machen sie für die Aufbewahrung haltbar. Unbehandelt würden Bakterien und Pilze die kostbare Fracht im feuchtwarmen Bienenstock schnell verderben.
Zur Konservierung vermischen die Arbeiterinnen den Pollen mit Honig und Speichel. Die gezielte Vermehrung von Mikroorganismen führt zur Milchsäuregärung: Ähnlich wie beim Sauerkraut produzieren Laktobazillen, Pseudomonaden und Hefen Milchsäure, die andere Bakterien und Pilze fernhält. Darüber hinaus zersetzen Enzyme des Bienenspeichels die widerstandsfähige Außenhülle der Pollenkörner, sodass sie leichter verdaulich werden.
Das fertige Bienenbrot oder Perga drücken die Tiere in Waben zwischen Brut und Honigvorräten ein. So entstehen Wabenzellen in fast allen Farbtönen, die sich wie ein Kranz um die Brutzellen legen. Ein hauchdünner Überzug aus Propolis verbessert ihre Haltbarkeit. Anders als die übersättigte Zuckerlösung Honig ist Perga eine reichhaltige Quelle an Proteinen, die für Wachstum und Entwicklung notwendig sind. Ebenso wichtig sind mehrfach ungesättigte Fettsäuren und Cholesterin-ähnliche Lipide wie β-Sitosterin. Die knapp 200 Milligramm Bienenbrot einer Wabenzelle reichen aus, um ein bis zwei Larven großzuziehen.
Perga zu ernten, ist mühsamer als die Honiggewinnung mit einer Schleuder. Der Imker trennt die Waben mit so wenig klebrigem Honig wie möglich heraus und kühlt sie. Er zerkleinert sie mit Walze, Stanze oder Schredder und trennt das in der Kälte spröde Wachs vom Bienenbrot, sodass es sich durch Sieben oder mithilfe eines Luftstroms entfernen lässt. Übrig bleiben kleine, bräunliche Brocken mit charakteristischer sechskantiger Form, die der Imker zur Konservierung trocknet.
Ein Bienenstock liefert 200 bis 300 Gramm Perga. Geschmack und Geruch sind säuerlich-süß, aromatisch und hängen vom verarbeiteten Pollen ab.

Bienenbrot: Die Bienen schichten die verschiedenen Polleneinträge in den Zellen und lagern sie dort. Foto: Dr. Jürgen Schwenkel
Bienenbrot: Die Bienen schichten die verschiedenen Polleneinträge in den Zellen und lagern sie dort. Foto: Dr. Jürgen Schwenkel

Inhaltsstoffe des Pollens

Pollen, den „lebensspendenden Staub“, verwendeten bereits die alten Ägypter. Man sammelte ihn ohne Hilfe der Bienen direkt von der Pflanze. Bienenpollen gewinnt der Mensch erst seit Erfindung der Pollenfalle im 19. Jahrhundert. Seine Zusammensetzung ist abhängig von den besuchten Blüten und schwankt erheblich.

Pollen enthält folgende Inhaltsstoffe zu unterschiedlichen Anteilen:

  • Eiweiße, darunter Coenzyme und Enzyme wie Glucose-Oxidase, sowie freie Aminosäuren wie Leucin, Isoleucin, Valin
  • Kohlenhydrate, vor allem Glucose, Fructose, Saccharose, Arabinose
  • Lipide, langkettige Fettsäuren (Linolensäure, Palmitinsäure, Omega-3-Fettsäuren) und cholesterinähnliche Phytosterole wie β-Sitosterin
  • organische Säuren, insbesondere Gluconsäure, Zitronensäure, Oxalsäure
  • Vitamine: B-Vitamine, Vitamin C, Vitamin E
  • sekundäre Pflanzenstoffe – Carotinoide, Phenole und Polyphenole sowie Flavonoide wie Quercetin und Kaempferol
  • Mineralstoffe, vor allem Calcium, Magnesium, Natrium, Kalium
  • Spurenelemente wie Mangan, Eisen, Zink, Kupfer, Nickel, Vanadium

Perga bzw. Bienenbrot nahmen bereits die Wikinger als Proviant bei Seefahrten mit, und die Indianer Nordamerikas nutzten das Perga von Wildbienen als Nahrung und Heilmittel. Genau wie beim Pollen schwankt die Zusammensetzung je nach Ausgangsmaterial.
Durch Drüsensekrete und Fermentierung verändern sich die Inhaltsstoffe. Durch die Milchsäuregärung wird das Bienenbrot leicht sauer und der Gehalt an Vitamin B6 und β-Sitosterin sinkt. Dagegen steigt die Konzentration von Enzymen wie Saccharase, Amylase und Phosphatase. Einige dieser Komponenten, vor allem Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe, sind biologisch aktiv.

Medizinische Wirkung von Pollen und Perga

Pollen und Perga schreibt man eine Reihe positiver Effekte auf die Gesundheit zu. Viele Anwendungen in Volks- und Naturheilkunde sind rein empirisch und bedürfen weiterer Untersuchungen, um solche Vermutungen wissenschaftlich untermauern zu können.
Zu den postulierten gesundheitlichen Effekten von Bienenpollen und Bienenbrot gehören

  • Steigerung des körperlichen und geistigen Leistungsvermögens,
  • Verbesserung der Abwehrkräfte,
  • Verlangsamung von Alterungserscheinungen,
  • Deckung eines erhöhten Vital- und Nährstoffbedarfs bei Krankheit, Stress sowie in Schwangerschaft und Stillzeit.

Einige traditionelle Anwendungen von Pollen und Bienenbrot konnte man in wissenschaftlichen Untersuchungen und Studien untermauern. Es gibt Hinweise auf folgende Wirkungen:

  • antimikrobiell – Pollen ist dank Enzymen wie Glucose-Oxidase, Flavonoiden und phenolischen Verbindungen bakterizid und fungizid und tötet Bakterien und Pilze.
  • antioxidativ – Phytosterole, Phenolsäuren und Flavonoide fangen Sauerstoffradikale ab und verhindern Zellschäden.
  • antiinflammatorisch – Pollen-Extrakte unterdrücken Entzündungsreaktionen, die zu Prostatahyperplasie oder Darmerkrankungen beitragen.
  • anticarcinogen – Pollen-Extrakte töten Krebszellen von Brust, Leber, Magen, Colon (Abschnitt des Dickdarms) und Lunge ab.
  • antiosteoporotisch – Pollen-Extrakt verbessert die Calcium-Einlagerung im Knochen und verhindert dessen Abbau.
  • antiarteriosklerotisch und antidiabetisch – sekundäre Pflanzenstoffe, Phospholipide und ungesättigte Fettsäuren wie ω3, α-Linolensäure senken den Blutfettspiegel und beugen so Arteriosklerose und Diabetes vor.
  • immunmodulatorisch – Flavonoide, Steroide und Lipide unterdrücken die Immunantwort und wirken antiallergisch.
  • hepatoprotektiv – alkoholische Extrakte von Pollen schützen Leberzellen vor oxidativem Stress und verbessern die Leberwerte nach Leberschäden durch Aflatoxine und Kohlenwasserstoffe. Zudem schützen Antioxidantien vor Zellschäden nach Chemotherapie.

Vorsicht Gift: Pyrrolizidinalkaloide

Pyrrolizidinalkaloide (PAs) sind sekundäre Pflanzenstoffe, mit denen sich viele Blütenpflanzen vor Fressfeinden schützen. Sie finden sich beispielsweise bei Jakobs-Greiskraut, Borretsch oder Natternkopf.
Bei Mensch und Tier kann ihr fortgesetzter Gebrauch zu Gesundheitsschäden führen. Die Leber wandelt die Alkaloide zu toxischen Metaboliten um. Neben schweren Leberfunktionsstörungen verursachen sie Erbgutveränderungen und tragen so zur Entstehung von Krebs bei.
Das Bundesgesundheitsamt (BGA) und das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) warnen ausdrücklich vor regelmäßigem Verzehr von PAs. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) gibt Tee und auch Honig als Hauptquellen an. Während die Giftstoffe in deutschem Honig, Pollen und Bienenbrot eher selten auftreten, finden sie sich in Chargen aus Ostafrika und Ländern des Nahen und Mittleren Ostens vergleichsweise sehr häufig und in großen Mengen.

Verwendung von Pollen in Medizin und Kosmetik

Pollen setzt man seit langem zu kosmetischen Zwecken ein. Er soll die Haut vor oxidativem Stress und Hyperpigmentierung infolge von Störungen der Melaninproduktion schützen, wie eine Reihe klinischer Untersuchungen nahelegt.
Reiner Pollen findet in Kosmetikprodukten nur selten Anwendung, da für einen großen Teil der Bevölkerung ein erhebliches Risiko zu allergischen Reaktionen besteht. Nährende und regenerierende Hautcremes und Lotionen enthalten meistens einen alkoholischen oder wässrigen Pollen-Extrakt, bei dem es seltener zu Komplikationen kommt.
Für die Desensibilisierung bei Heuschnupfen verwendet man nicht Bienenpollen, sondern direkt von der betreffenden Pflanze geernteten Pollen. Er wird zu einem Extrakt verarbeitet und unter die Haut gespritzt. Ob eine orale Einnahme einen ähnlichen Effekt hat, ist umstritten und nicht hinreichend untersucht.
Es gibt Hinweise, dass getrockneter Bienenpollen bei Prostataproblemen, Magengeschwüren, Höhenkrankheit und Infektionen hilft. Eine medizinische Anerkennung steht bislang aus. Nahrungsergänzungsmittel, denen man positive Effekte auf die Gesundheit nachsagt, enthalten flüssige Pollen-Extrakte, getrockneten Pollen oder Bienenbrot in Ampullen, Tabletten, Kapseln oder Müsliriegeln.

Energiebombe Pollen

100 g Pollen enthalten um die 400 kcal. Seine Zusammensetzung gilt als Komplettpaket, das im Prinzip alle für die menschliche Ernährung notwendigen Substanzen enthält. Sein hoher Gehalt an Proteinen, Fetten und Mineralstoffen macht ihn zur idealen Sportlernahrung.
Allerdings ist die Zufuhr an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen mit ein oder zwei Löffeln Pollen oder Bienenbrot äußerst gering und vermag Mangelzustände schwer auszugleichen. Zudem ist die biologische Verfügbarkeit beim Pollen niedrig – die harte Hülle schützt den Inhalt und beschränkt die Verdaulichkeit.
Bei gemahlenem Pollen und bei Bienenbrot ist die Bioverfügbarkeit wesentlich besser. Trotzdem müsste man beispielsweise zur Deckung des Tagesbedarfs an Vitamin B6 über ein Pfund zu sich nehmen.

Worauf man beim Kauf von Pollen achten sollte

Bienenpollen und Bienenbrot kauft man am besten direkt beim regionalen Imker. Man erhält es aber auch im Internethandel, in Apotheken, Drogerien und Reformhäusern. Insbesondere im Internet sollte man auf die Herkunft achten.
Die Inhaltsstoffe bleiben am besten erhalten, wenn Pollen nicht hocherhitzt wurde. Für eine schonende Trocknung sollte die Temperatur 40 Grad nicht übersteigen. Zu stark erwärmter Pollen ist häufig hart und löst sich nur schlecht in Flüssigkeit. Ein Hinweis auf schonende Haltbarmachung ist meist auf dem Etikett vermerkt.
Neben reinem Bienenpollen und Perga in Gläsern oder Beuteln bekommt man Kapseln oder Trinkampullen häufig gemischt mit Honig, Propolis, Gelée royale und anderen Beimengungen zur Unterstützung der gesundheitlichen Wirkung. Vorsicht: In Billigprodukten ist Pollen oft mit Zucker, Hefe oder preiswerterem Blütenstaub von Windbestäubern wie Mais und Getreide gestreckt.

Darauf sollte man beim Kauf von Bienenprodukten wie Pollen achten: Herkunft, hohe Qualität und Kontrolle auf giftige Rückstände. Foto: Bienen.info
Darauf sollte man beim Kauf von Bienenprodukten wie Pollen achten: Herkunft, hohe Qualität und Kontrolle auf giftige Rückstände. Foto: Beegut.de

Schätze aus Pollen für die Hausapotheke

Möchte man ungeachtet aller Bedenken über die medizinische Wirksamkeit Nahrungsergänzungsmittel mit Bienenprodukten verwenden, nimmt man diese grundsätzlich gemäß Packungsbeilage ein. „Viel hilft viel“ stimmt in den seltensten Fällen, und vor allem Allergiker sollten die Warnhinweise beachten.
Reiner Pollen und Bienenbrot lassen sich pur oder in Saft, Joghurt, Quark oder Müsli verrührt anwenden. Hiervon verzehrt man ein oder zwei Esslöffel pro Tag. Zum besseren Aufschließen kann man Pollen mit Milch oder Saft in den Mixer geben. Ein Löffel Honig macht einen Smoothie süßer und aromatischer.
Ebenfalls sehr schmackhaft sind Pollen und Bienenbrot auf einer Scheibe Brot mit Butter oder Frischkäse, oder über einen Salat gestreut. Bienenbrot schmeckt auch als Knabberei pur.
Einen einfachen stärkenden Pollen-Extrakt stellt man durch Verrühren von acht Teilen Honig, einem Teil Pollen und einem Teil Hefe her. Nach Belieben lässt sich eine kleine Menge Gelée royale untermischen. Unbedingt im Kühlschrank aufbewahren.
In ähnlicher Weise kann man Perga mit konzentriertem Alkohol aus der Apotheke zu einem Bienenbrot-Extrakt verarbeiten. Dazu vermischt man einen Teil davon mit vier Teilen Ethanol (92–95 %) und lässt die Mixtur mindestens eine Woche stehen. Regelmäßig schütteln und gegebenenfalls durch ein Leintuch in eine dunkle Flasche zur Aufbewahrung filtern.
Von diesen kräftigenden Extrakten nimmt man dreimal täglich einen Teelöffel.

Hinweise zur Aufbewahrung von Pollen

Nahrungsergänzungsmittel mit Bienenprodukten sind gemäß Packungsbeilage aufzubewahren. Bei der Lagerung von Pollen und Bienenbrot sollte man unbedingt auf trockene, kühle und lichtgeschützte Aufbewahrung achten. Feucht geworden verderben Pollen und Bienenbrot sehr schnell und bekommen einen muffigen Geruch. Gleiches gilt für frischen, nicht getrockneten Pollen. In einem solchen Fall sollte man sie auf keinen Fall weiterverwenden.

Warnhinweise für Pollen

  • Grundsätzlich gilt: Ernsthafte Erkrankungen gehören in die Obhut eines Arztes und eine Eigenbehandlung ohne ärztliche Rücksprache kann zu schweren gesundheitlichen Konsequenzen führen – auch bei Naturprodukten wie Pollen und Bienenbrot.
  • Für Allergiker sind Pollen und Bienenbrot überhaupt nicht oder bestenfalls begrenzt geeignet. Wer an Heuschnupfen leidet, verzichtet besser darauf. Bei Neigung zu Allergien sollte man vorsichtig testen, ob man sie überhaupt verträgt. Von einer Desensibilisierung mit Pollen in Eigenregie ist dringend abzuraten.
  • Diabetiker müssen beachten, dass Pollen und Perga den Blutzuckerspiegel erhöhen. Zudem beeinträchtigen ihre Inhaltsstoffe die Wirksamkeit blutverdünnender Medikamente, die vor Herzinfarkt oder Schlaganfall schützen sollen.
  • Neben Pyrrolizidinalkaloiden (PAs) können je nach Standort der Pflanzen Pestizide und Schwermetalle enthalten sein. Mikroorganismen und von ihnen gebildete Giftstoffe (vor allem Mykotoxine wie Ochratoxine und Aflatoxine) kommen durch unsachgemäße Lagerung hinzu. Billige Pollen-Chargen sind oftmals nicht auf Rückstände getestet und entsprechen nicht den strengen Anforderungen an ein biologisch sicheres Lebensmittel.
  • Bisher gibt es nur wenige wissenschaftliche Untersuchungen am Menschen mit begrenzter Aussagekraft. Daher gilt die Heilkraft der Bienenprodukte ausdrücklich als nicht belegt und Werbeaussagen zur gesundheitlichen Wirksamkeit sind laut Health-Claims-Verordnung nicht zulässig.
  • Bei allen Bienenprodukten sollte man auf die Herkunft, hohe Qualität und Kontrolle auf Rückstände wie Pestizide, Schwermetalle, Mikroorganismen und PAs achten. Mit Bio-Zertifizierung und einer auf dem Etikett ausgewiesen Analyse ist man auf der sicheren Seite.
  • Alle Bienenprodukte am besten regional kaufen oder natürlich die eigenen verwenden.

Literatur zu Pollen

  • Cornara, L.; Biagi, M.; Xiao, J.; Burlando, B.: Therapeutic Properties of Bioactive Compounds from Different Honeybee Products. Front Pharmacol, 2017 Jun 28;8:412, doi: 10.3389/fphar.2017.00412, eCollection 2017, PMID: 28701955.
  • Krell, R.: Value-Added Products from Beekeeping (FAO Agricultural Services Bulletin). Food and Agricultural Organisation 1996, ISBN-10: 9251038198.
  • Kurek-Górecka, A.; Górecki, M.; Rzepecka-Stojko, A.; Balwierz, R.; Stojko, J.: Bee Products in Dermatology and Skin Care. Molecules, 2020 Jan 28;25(3):556, doi: 10.3390/molecules25030556, PMID: 32012913.
  • Mărgăoan, R.; Stranț, M.; Varadi, A.; Topal, E.; Yücel, B.; Cornea-Cipcigan, M.; Campos. M. G.; Vodnar, D. C.: Bee Collected Pollen and Bee Bread: Bioactive Constituents and Health Benefits. Antioxidants (Basel), 2019 Nov 20;8(12):568, doi: 10.3390/antiox8120568. PMID: 31756937.

von Dr. rer. medic. Harald Stephan, Bienen.info

Mehr Infos zur Heilkraft von Bienenprodukten gibt es im bienen&natur-Sonderheft Gesundheit durch die Biene

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