Propolis-Tinktur selber machen

Propolis ist eine Allzweckwaffe, denn es tötet Viren, Bakterien und auch Pilze ab. Wir zeigen, wie Du eine Propolis-Tinktur selber machen kannst.

Eine Propolis-Tinktur lässt sich mit Rohpropolis und Alkohol leicht selbst herstellen. Foto: Foto: Adobe Stock/Vera Kuttelvaserova – stock.adobe.com
Eine Propolis-Tinktur lässt sich mit Rohpropolis und Alkohol leicht selbst herstellen. Foto: Adobe Stock/Vera Kuttelvaserova – stock.adobe.com

In unserer Rubrik „Imkern übers Jahr“ verraten Johannes Wirz und Norbert Poeplau von Mellifera e.V., wie man eine Propolis-Tinktur aus Rohpropolis leicht selbst herstellt.

Das braucht man für die Herstellung einer Propolis-Tinktur

  • Mühle: Eine kleine elektrische Kaffee- oder Gewürzmühle.
  • Propolis: Ein Glas gefrorene, krümelige Propolis.
  • Alkohol: Dieselbe Menge 65- bis 70-prozentigen Schnaps.
  • Flasche: Braune bzw. dunkle Flasche entsprechender Größe für den Ansatz.
  • Kaffeefilter: Kaffeefiltertüten.
  • Fläschchen zum Abfüllen: Bewährt haben sich Apothekenfläschchen mit Tropfeinsatz oder Pipette für 20 ml oder 30 ml Flüssigkeit.

So macht man die Propolis-Tinktur

  • Propolis einfrieren: Propolis ist sehr klebrig und zäh, deshalb ist es wichtig, die Propolis vorher einzufrieren, damit sie hart wird.
  • Abmessen: Die Propolisflocken im Glas abmessen.
  • Propolis mahlen: Die harten Flocken nun in einer Kaffeemühle mahlen, dabei sollte man flott arbeiten, so dass die Propolis nicht auftaut. Am Ende sollte man ein feines Pulver haben.
  • Mit Alkohol mischen: Die Propolis zum Schnaps in die Flasche geben und gut durchschütteln.
  • Ruhen lassen: Mindestens drei Wochen dunkel stellen. Währenddessen einmal täglich schütteln, damit sich die Propolis gut im Alkohol löst.
  • Propolis-Lösung klären: Die fertige Propolis-Alkohol-Mischung über einen Kaffeefilter klären. So bleiben Reste im Filter hängen, die Lösung rinnt hindurch.
  • Propolis-Tinktur abfüllen: Danach kann man die Tinktur in kleine Portionen abfüllen.

Wofür kann man die Propolis-Tinktur verwenden?

Die Propolis-Tinktur kann direkt oder auch als Zugabe bei der Herstellung von Salben verwendet werden. Es gibt auch Rezepte, bei denen Propolispulver direkt in die warme Salbenmischung aus Ölen und Bienenwachs eingerührt wird.

Wie entsteht Propolis?

  • Bienen sammeln Harz: Spezialisierte Kittharzsammlerinnen nagen bevorzugt am späteren Nachmittag den zu dieser Zeit weichen, harzigen Überzug von jungen Baumknospen ab. Von dort tragen sie ihn wie Pollen an den Hinterbeinen in den Stock. Am liebsten fliegen sie Birken, Pappeln, Erlen, Kastanien und Weiden an.
  • Anreichern mit eigenen Sekreten: Die Bienen kauen das gesammelte Harz noch mit eigenen Sekreten durch und reichern es auch mit Wachs an. Seine antibiotischen Eigenschaften stammen aber größtenteils aus den Pflanzen. Nach der Verarbeitung erfüllt es die gleichen Aufgaben wie auf den Knospen: Es wirkt auch im Stock gegen Pilze, Bakterien und Viren.
  • Propolis desinfiziert: Die Zellenränder der Waben werden täglich mit Propolis überzogen und poliert. Sie stabilisiert die Waben und schützt die Brut vor Infektionen. Spalten und Ritzen bis zu einer Größe von drei Millimetern werden damit geschlossen. Fremdkörper, die die Bienen nicht aus dem Stock tragen können, wie eine Maus oder ein Totenkopfschwärmer, werden ebenfalls propolisiert und dadurch mumifiziert. Torben Schiffer hat gezeigt, dass auch Kondenswasser, das sich im Stock bildet und bei Brutbeginn im Januar wichtig ist, durch Propolis keimfrei wird.

Woraus besteht Propolis?

Über 200 Einzelsubstanzen sind in Propolis bislang chemisch nachgewiesen. Neben 50 bis 60 % Pflanzenharzen sind das bis zu 30 % Bienenwachs, ca. 10 % ätherische Öle und 10 bis 20 % Vitamine, Antibiotika, Enzyme, Spurenelemente und sekundäre Pflanzenstoffe, insbesondere Flavonoide. Die verschiedenen Komponenten variieren je nach Baumart und Jahr, und viele Inhaltsstoffe sind noch nicht identifiziert. Daher ist Propolis immer unterschiedlich, gewissermaßen ein Abbild der von den Bienen besuchten Vegetation. Es ist weder künstlich herstellbar noch sind seine Inhaltsstoffe standardisierbar. In Deutschland ist es nach wie vor umstritten, ob Propolis apothekenpflichtig oder frei verkäuflich ist. Was für die Pharmaziegesetzgebung damit einen Alptraum bedeutet, ist jedoch die Grundlage der Heilwirkung, die eben erst durch die Gesamtkomposition entsteht. Dass sich auf Propolis keine Resistenzen ausbilden, ist auf diese Heterogenität der Zusammensetzung zurückzuführen. Es wirken viele verschiedene antibiotisch wirksame Substanzen gemeinsam, und sie sind von Jahr zu Jahr und von Ort zu Ort neu zusammengesetzt.

Verschiedene Anwendungsmöglichkeiten

Seit jeher haben auch wir Menschen uns diese Wirkung zunutze gemacht. Bereits im alten Ägypten wurde Propolis bei der Haltbarmachung von Mumien eingesetzt. In der Hausapotheke des Imkers sollte es nicht fehlen: Wir setzen es als Propolis-Tinktur bei Halsweh, zur Mund- und Zahnhygiene, als Salbe bei Herpes und anderen Hautirritationen wie Akne ein. In Tierversuchen wurde sogar eine zytostatische Wirkung, d. h. eine Hemmung des Wachstums von Tumoren nachgewiesen. Doch trotz aller wissenschaftlichen Studien und Kenntnisse aus der Erfahrungsmedizin: Als Hausmittel dürfen wir Propolis zwar nutzen, wegen der strengen Pharmaziegesetzgebung aber nicht als Heilmittel ausloben und verkaufen. Auch kann Propolis allergische Reaktionen hervorrufen. Es ist daher wichtig, vor der Anwendung zu prüfen, ob eine Allergie besteht.

So können Imker Propolis ernten

Für den persönlichen Gebrauch kratzen wir das Kittharz mit dem Stockmeißel von Oberträgern und Beuten ab. Wer für eine Apotheke produziert, legt spezielle Gitter über die Rähmchen. Wir ernten Propolis ab Mitte Juni. Der Grund liegt darin, dass die Völker dann beginnen, Ritzen und Zwischenräume – in diesem Fall zwischen Wachstuch und Rähmchenoberträger – abzudichten. Im Winter darf kein Luftzug durch die Kästen ziehen.

Gekürzte Fassung von Dr. Johannes Wirz und Norbert Poeplau/Red. Die vollständige Monatsbetrachtung finden Sie im Oktober-Heft 2020 von bienen&natur.

Mehr zur Apitherapie lesen Sie im bienen&natur-Sonderheft “Gesundheit durch die Biene

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