Räuberei bei den Bienen – was tun?

Spendet die Natur keinen Nektar mehr, suchen die Bienen anderweitig nach Nahrung. Deshalb klauen sie anderen Völkern die Vorräte. Doch was kann man dagegen machen?

Bienen bei einer Räuberei an der Futterzarge. Foto J. Schwenkel
Bienen bei einer Räuberei an der Futterzarge. Foto J. Schwenkel

Räuberei gibt es vor allem in Trachtlücken im Sommer und Herbst. Es ist ein natürlicher Vorgang: Schwächere Völker müssen stärkeren weichen. Die Räuberei erhöht die Chance der räubernden Bienen durch mehr Futter den Winter zu überleben. Trotzdem wollen Imker Räuberei vermeiden, weil Völker sterben und Krankheiten verbreitet werden können. Räubereien ist zum Beispiel eine Ursache für eine Varroa-Reinvasion. Räubern die Bienen erst einmal, ist es nicht einfach sie zu stoppen – deshalb ist es wichtig, beim Abschleudern und Einfüttern sorgsam zu arbeiten.

Keine Räuberei durch Abschleudern

Wenn die Tracht zu Ende ist, gibt es meist schon bei der letzten Ernte Räubereien. Deshalb gibt es hier einiges zu beachten:

  • Zügig abschleudern: Die Bienen stürzen sich gerne auf die Honigwaben. Deshalb sollte man sich beim Entnehmen des Honigs beeilen. Auch wenn bei einer aufkommenden Räuberei Hektik aufkommen kann, sollte man die Arbeit fertig abschließen und nicht in mehreren Etappen. So kommt weniger Unruhe auf.
  • Abends ernten: Über die Nacht beruhigen sich kleine Räubereien wieder, deshalb ist es besser abends zu arbeiten. Allgemein wird empfohlen, den Honig am Morgen zu entnehmen, weil dann kein frischer Nektar mehr eingetragen wird. Honigt es gerade nicht, ist der Honig aber auch abends reif.
  • Vorsicht mit honigfeuchten Waben: Die Bienen mögen besonders honigfeuchte Waben. Diese also nicht offen stehen lassen und erst abends wieder ins Volk hängen. Bei Arbeiten an den Bienen die Waben immer mit einem Deckel abdecken oder im Auto verschließen.
  • Kein offenes Ausschlecken: Entdeckelungsgeschirr, Schleuder und Siebe dürfen nicht offen ausgelegt werden. Gleiches gilt für Waben. Sie sollten zum Ausschlecken über Jungvölker gehängt werden.

Räuberei beim Füttern vermeiden

Wenn die Bienen gefüttert werden, besteht die Gefahr, dass sie räubern. Doch auch hier hilft sorgfältiges Arbeiten, um dies zu verhindern:

  • Sauber arbeiten: Mit flüssigem Futter nicht kleckern – im Notfall mit Wasser abspülen.
  • Abends füttern: Sollte es doch zu einer kleinen Räuberei kommen, beruhigt sie sich über Nacht meist wieder.
  • Flugloch einengen: Man kann den Bienen helfen ihr Flugloch zu verteidigen, indem man es kleiner macht. Hierfür eignen sich Keile, Zeitungspaper oder Schaumstoff.
  • Sirup statt Honig: Honig riecht sehr intensiv und provoziert daher schnell eine Räuberei. Bei geruchlosem Zuckerwasser oder Zuckersirup ist die Gefahr nicht ganz so groß. Futterteig räubern die Bienen normalerweise gar nicht.
  • Futtergeschirr abdichten: Die Zargen und das Futtergeschirr sollten dicht sein, sodass die Bienen von außen nicht herankommen. Löcher kann man mit Schaumstoff oder Klebeband abdichten.
  • Trennung von Ablegern: Ableger werden meist flüssig gefüttert und können sich gegen die stärkeren Wirtschaftsvölker schwer wehren. Deshalb sollte man sie immer an einen anderen Platz stellen. Vor allem bei Ablegern sollte das Flugloch eng sein.

Woran erkenne ich ein angeräubertes Volk?

Es gibt einige Indizien wie man ein angeräubertes Volk erkennen kann:

  • Hektik am Flugloch: Am Flugloch ist mehr Betrieb als bei anderen Völkern. Die Räuber fliegen hektischer und kämpfen eventuell noch mit Wächterbienen.
  • Verschmiertes Flugloch: Die Räuberbienen hinterlassen beim Verlassen des Stocks klebrige Spuren.
  • Wachskrümel: Im Boden und auf dem Anflugbrett sieht man abgeschrotetes Deckelwachs.
  • Tote Bienen: Die Wächterbienen kämpfen anfangs mit den Räubern und stechen sie ab.
  • Leichte Beute: Schon beim Anheben des Kastens merkt man, dass dieser leicht ist. Die Vorräte sind also schon knapp.
  • Auffliegende Bienen: Beim Öffnen des Deckels fliegen die Räuberbienen hektisch auf, was untypisch für sie ist.

Was tun, wenn Bienen doch räubern?

Das abgeräuberte Volk kann nicht nur selbst sterben, es kann auch andere Völker anstecken. Die Bienen vom abgeräuberten Volk betteln sich woanders ein und können Varroa-Milben und andere Krankheiten übertragen. Daher sollte man schnell reagieren, wenn ein Volk angeräubert wird:

  • Angeräubertes Volk wegstellen: Das Volk kann nur gerettet werden, indem man es aus dem Flugradius, also etwa 3 Kilometer weit weg stellt.
  • Leere Beute aufstellen: Ist das Volk zwar umgestellt, sind hunderte Räuber trotzdem auf den Platz eingeflogen und suchen dort weiter. So können sie auch eigentlich starke Nachbarvölker anräubern. Es entsteht ein Dominoeffekt. Um dies zu vermeiden, kann man an den alten Platz eine leere Beute (ohne Waben) stellen. Die Räuber merken nicht sofort, dass es kein Futter mehr gibt und die Lage beruhigt sich. Nach ein paar Tagen sollte man die leere Beute wieder mitnehmen.
  • Kleine Plätze: Mehrere Plätze mit weniger Völkern ist besser als ein großer Platz.

bbu/23.08.2019

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