Reinigungsflug: Warum ist er so wichtig?

Es ist das Erste, was wir von unseren Bienen im Jahr sehen: Der Reinigungsflug. Er findet statt, sobald es mehrere Tage lang warm genug  ist. In den letzten Jahren flogen die Bienen auch im Winter, 2021 sogar an Silvester. Doch ist das überhaupt gesund für die Bienen? Und was machen die Bienen genau beim Reinigungsflug? Warum ist er so wichtig?

Beim Reinigungsflug entleeren Bienen ihren Darm – manchmal schon im Winter. Die gelben Flecken vom Bienenkot beweisen dem Imker, dass sein Volk noch lebt. Foto: Jürgen Schwenkel
Beim Reinigungsflug entleeren Bienen ihren Darm – manchmal schon im Winter. Die gelben Flecken vom Bienenkot beweisen dem Imker, dass sein Volk noch lebt. Foto: Jürgen Schwenkel

Was wird gereinigt?

Der Reinigungsflug dient wie der Name schon sagt zur Reinigung – und zwar zur Entleerung und Entlastung einerseits des  Bienendarms und andererseits zur Reinhaltung des Bienenstocks. Bienen ernähren sich von Nektar, Honig, Pollen und Wasser. Davon hat Pollen den höchsten Ballaststoffgehalt und Winterbienen essen besonders viel Pollen, um sich den für die Überwinterung nötigen Fettkörper anzufressen. Nach Aufschluss der Nahrung im Mitteldarm, gelangen die überschüssigen Anteile als Kot in den Enddarm. Dort befindet sich die Kotblase, in der die unverdaulichen Nahrungsreste gespeichert werden, solange die Biene nicht ausfliegen kann.

Denn Bienen sind “stubenrein”: Sie koten nur außerhalb des Stocks, damit sich Krankheiten nicht verbreiten. Das gehört zu ihrem angeborenen Hygieneverhalten. Im Enddarm wird der Kot mithilfe von wasserresorbierenden Rektaldrüsen auch eingedickt. Ist er zu flüssig, ist das ebenso ein Warnsignal (Ruhr, Durchfall), wie wenn er zu fest ist (Verstopfung, Maikrankheit). In seltenen Fällen, etwa bei Krankheiten wie der Ruhr, koten die Bienen jedoch im Stock. Dann sollte der Imker schnell handeln.

Mehr dazu im Artikel: Verkotete Waben – was tun?

Woher kommen die gelben Flecken?

Wer zur Zeit von Reinigungsflügen mit dem Auto an den Bienenstand fährt oder Wäsche in der Nähe zum Trocken aufhängt, findet oft gelbe bis hellbraune Flecken auf Lack und Stoff. Die Färbung stammt von den Farbstoffen im Pollen, den die Winterbienen in größeren Mengen aufnehmen.

Riskanter Ausflug

Im Winter ist es meist zu kalt zum Ausfliegen. Die Bienen warten teilweise wochenlang bis sie Abkoten können. Dafür kann die Kotblase einiges speichern und sich dehnen bis sie fast den ganzen Hinterleib einnimmt. Ab etwa 10 °C warmen Temperaturen und Sonnenschein, kann der Reinigungsflug beginnen.

Das ist für die Bienen nicht ungefährlich: Weht starker und kalter Wind, kommen sie gegebenfalls nicht rechtzeitig zurück und erfrieren. Lichtreflektierender Schnee kann ihre Orientierung massiv stören, so dass sie nicht zurückfinden. Durch Schnee vor dem Flugloch können sie beim Landen verklammen und erfrieren.

Vor den wärmer werdenden Tagen sollten die Fluglöcher freigeräumt und Schnee sowie Wintergemüll vorsichtig und störungsfrei entfernt werden.
Mehr dazu im Artikel: Schadet Schnee den Bienen?

Was sagt uns der Reinigungsflug?

Erste Hinweise kann der Reinigungsflug und das Verhalten der Bienen geben auf die Volksstärke und mögliche Verluste über den Winter. Wie der Kot aussieht und wo abgekotet wurde, sagt etwas über mögliche Krankheiten aus.

von Victoria Seeburger und Janine Fritsch

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