Schwarm vorwegnehmen – so geht’s

Wer seine Bienen wesensgemäß hält, kann eine Schwarmvorwegnahme machen, sobald die Bienen schwärmen wollen. So simuliert man einen echten Naturschwarm.

Auch bei der Schwarmvorwegnahme kann man den Schwarm später in seine neue Beute einfaufen lassen. Foto: Weleda
Auch bei der Schwarmvorwegnahme kann man den Schwarm später in seine neue Beute einfaufen lassen. Foto: Weleda

In unserer Rubrik „Imkern übers Jahr“ verraten Johannes Wirz und Norbert Poeplau von Mellifera e.V., wie sie in der Einraumbeute wesensgemäß imkern und was jeden Monat bei den Bienen zu tun ist. Hier erklären sie, wie sie den Schwarm vorwegnehmen.

Der Schwarmtrieb ist die natürliche Vermehrung der Bienen und daher ein Element der wesensgemäßen Bienenhaltung. Wer nicht den ganzen Tag bei den Bienen sein kann, um die Bienen zu beobachten und die Naturschwärme einzufangen, kann den Schwarm vorwegnehmen. Diese Methode ist zwar aufwendiger, da man die Völker regelmäßig auf den Schwarmtrieb kontrollieren muss, aber sicher. Wir zeigen, wie die Schwarmvorwegnahme funktioniert.

Schwarmkontrolle: Auf Schwarmzellen achten

Sobald wir erste Spielnäpfchen sehen, müssen wir alle neun Tage eine Schwarmkontrolle durchführen. Wer nur am Wochenende Zeit hat, kann sie auch alle sieben Tage machen. Mit der ersten verdeckelten Weiselzellen kann der Vorschwarm ausziehen. Doch ein Stift im Spielnäpfchen bedeuten noch nicht unbedingt Schwärmen. Ist das Volk noch nicht bereit, räumt es den Stift wieder aus. So kann es vorkommen, dass man neun Tage später in denselben Spielnäpfchen wieder Stifte findet. Die Sache ändert sich, wenn aus dem Ei nach drei Tagen eine kleine Made geschlüpft ist. Meist wird damit das Schwärmen eingeleitet. Aber auch hier gibt es Ausnahmen. Wir haben es schon erlebt, dass nach Regentagen bei großer Trachtfülle ein Volk beschließt, Honig einzutragen, und selbst eine weit entwickelte Weiselzelle wieder abbaut.

Wenn die Bienen die Schwarmzelle bald verdeckeln, kann man den Schwarm vorwegnehmen. Foto: Christoph Valentien
Wenn die Bienen die Schwarmzelle bald verdeckeln, kann man den Schwarm vorwegnehmen. Foto: Christoph Valentien

Schwarm vorwegnehmen? Will das Volk noch schwärmen?

Haben wir in einem Volk eine bestiftete Schwarmzelle gesehen, notieren wir den Tag und kontrollieren es nach sechs Tagen wieder. Nun finden wir entweder eine verdeckelte Schwarmzelle oder eine große Made im Futtersaft – je nachdem wie alt das Ei war. Tom Seeley fand heraus, dass sich die Einheit des Volkes drei Tage vor dem Verdeckeln der ersten Weiselzelle auflöst. Dann wird das Futter der Königin umgestellt: Sie erhält mehr Honig und weniger Eiweiß. Deshalb schrumpfen die Eierstöcke der Königin, und sie nimmt ab – so kann sie später mit dem Schwarm ausfliegen. Gleichzeitig füllen sich die Bienen vor dem Auszug den Magen mit Honig, als Proviant. Zudem aktivieren rund 80 Prozent der Bienen ihre Wachsdrüsen – normalerweise sind es lediglich 12 Prozent. So können die Schwarmbienen später ihr neues Wabenwerk bauen. Da der Fokus schon auf dem Schwärmen ist, fliegen die Bienen nicht mehr so viel. Am Flugloch herrscht deshalb weniger Betrieb.

Königin und Bienen entnehmen: Die Schwarmvorwegnahme

Schwimmen die Maden nun im Futtersaft oder sind sogar schon verdeckelt, nehmen wir den Schwarm vorweg. Zuerst müssen wir dafür die Königin finden. Dafür werden die Waben gezogen und abgesucht. Es ist nicht leicht, die Königin zu finden, da sie nun viel schlanker ist. Selbst erfahrene Imker müssen die Waben manchmal zwei- oder dreimal absuchen. Hat man sie gesehen, lehnt man die Wabe mit ihr an die Beute. Danach zieht man eine zweite Wabe mit Bienen heraus und stößt diese in die bereitgestellte Schwarmfangkiste. Erst danach stößt man auch die Wabe mit der Königin in die Kiste. So landet die Königin weicher. Wer etwas Erfahrung hat, kann sie auch mit den Fingern anfassen und umsetzen. Anschließend stößt man weitere Bienen in den Kasten. Wir bilden vorweggenommene Schwärme mit ca. 15.000 bis 20.000 Bienen, das sind etwa 1,5 bis 2 kg Bienen. Auf einer Wabe der Einraumbeute und bei Dadant sind etwa 3000 Bienen auf der Wabe, wenn beide Seiten etwa zur Hälfte mit Bienen besetzt sind. Bei Deutsch-Normalmaß und Zander wären das etwa 2000 Bienen pro Wabe.

Kellerhaft und den Schwarm füttern

Auch bei der Schwarmvorwegnahme wird der Schwarm in den Keller gestellt. Er wird dabei gleich am Anfang mit drei Kilogramm (eigenem) Honig gefüttert, damit er nicht verhungert. Will man ihn an den gleichen Stand zurückstellen, muss der Schwarm drei Tage in Kellerhaft bleiben. Hat man noch einen anderen Bienenstand, der drei Kilometer entfernt ist, reicht ein Tag. Anschließend lässt man ihn in seine neue Beute einlaufen. Dort darf der vorweggenommene Schwarm dann sein eigenes Wabenwerk bauen. Eine Woche später füttern wir ihn nochmals mit drei Litern Futter.

Gekürzte Fassung von Dr. Johannes Wirz und Norbert Poeplau/Red.

Die vollständige Monatsbetrachtung finden sie im April-Heft 2020 von bienen&natur.
Interesse an einem Schnupperabo? Hier klicken und drei Monate testen.

Wesensgemäße Bienenhaltung: Das steckt dahinter