So schadet die Varroamilbe den Bienen

Die Varroamilbe befällt die Bienenbrut und verbreitet dabei Viren. Daran können die Bienen später sterben.

Die Varroamilben befallen bevorzugt Drohnenlarven, da sie sich in der Drohnenbrut besser vermehren können. Foto: Jürgen Schwenkel
Die Varroamilben befallen bevorzugt Drohnenlarven, da sie sich in der Drohnenbrut besser vermehren können. Foto: Jürgen Schwenkel

Die Varroamilbe (Varroa destructor) ist ein Parasit, der die Bienen schädigt. Denn die Milbe vermehrt sich in der Bienenbrut und ernährt sich dort von Bienenlarven. Dabei verbreiten die Milben Viren, an denen die Bienen später sterben können. Deshalb gilt die Varroa-Virus-Infektion als eines der größten Probleme in der Imkerei.

Milben auf Bienen: Meist nicht tödlich

Auf den erwachsenen Bienen sieht man nur die weibliche Varroamilbe. Dort schiebt sie sich gerne zwischen die Hinterleibsringe der Bienen und reißt in die zarten Zwischenhäutchen Wunden. So kann sie ein Gemisch aus Fettzellen und Hämolymphen von der Biene aufnehmen. Die Biene wird dabei zwar kaum geschädigt, durch die Wunde können allerdings andere Krankheitskeime eindringen. Da die Bienen im Sommer eh nur sechs Wochen leben, tun Krankheitserreger schwer sich zu vermehren. Zudem halten sich die Varroamilben nur kurz auf den erwachsenen Bienen auf.

Vermehrung in der Brut

Die Varroamilben sitzen bevorzugt auf Ammenbienen, denn die führen die Milben an ihr Ziel: die Bienenbrut. Dort dringen die Muttermilben kurz vor dem Verdeckeln in die Brutzellen ein und legen in der Zelle im Rhythmus von 30 Stunden Eier ab. In der Zelle beißt die Milbe der Bienenmade ein Loch in den Bauch. Dort können sich die jungen Milben ernähren. Je länger die Brutzelle verdeckelt ist, desto besser können sich die Milben vermehren. In der Arbeiterinnenbrut können sich bis zu drei begattete Milbenweibchen entwickeln, in der Drohnenbrut sogar bis zu fünf. Schlüpfen Bienen aus der geschädigten Brut, sind sie deutlich kurzlebiger. Das ist vor allem im Winter ein Problem, wenn die Bienen bis zu sechs Monate alt werden und das Volk über den Winter bringen sollten. Da der Fettkörper kleiner ist, produzieren diese Bienen zudem weniger Futtersaft. Dann legen die Bienen auch weniger Brut an.

Varroamilben verbreiten Viren

Das größte Problem ist, dass die Varroamilbe Viren übertragen und aktivieren kann. Darunter das Akute Bienenparalyse Virus (ABPV) und das Flügeldeformationsvirus (DWV, Deformed Wing Virus). Das Flügeldeformationsvirus ist in fast allen Völkern verbreitet. Imker können es im Endstadium sehen, wenn die Bienen einen verkürzten Hinterleib und verstümmelte Flügel haben. Sieht man solche Bienen, bricht das Volk bald zusammen. Das Akute Bienenparalyse Virus greift hingegen das Nervensystem der Bienen an: Die Bienen verfliegen sich häufiger und verlieren den Zusammenhalt. Deshalb werden sie öfter ausgeräubert. Bei einer hohen Infektionsrate können die Bienen bereits im Brutstadium sterben oder sind später kurzlebiger.

Das Diagramm zeigt: Viren sind ein größeres Problem, als man meinen könnte. Während man die Varroamilben im Sommer nit einer Behandlung töten kann, leiden die Bienen weiterhin an den Viren. Deshalb ist es gut, die Varroapopulation schon früh im Jahr gering zu halten. Diagramm: Wolfgang Ritter
Das Diagramm zeigt: Viren sind ein größeres Problem, als man meinen könnte. Während man die Varroamilben im Sommer mit einer Behandlung töten kann, leiden die Bienen weiterhin an den Viren. Deshalb ist es gut, die Varroapopulation schon früh im Jahr gering zu halten. Graphik: Wolfgang Ritter

Woher kommt die Varroamilbe?

Ursprünglich kommt die Varroamilbe aus Asien. Dort befällt sie die Asiatische Honigbiene Apis cerana. Diese Biene kommt mit der Varroa zurecht, da die Milben nur die Drohnenbrut befallen. Doch die Milbe wechselte nach und nach ihren Wirt und wanderte über die Sowjetunion nach Europa. 1977 wurde die Varroamilbe erstmals in Deutschland gesichtet und breitete sich in den folgenden Jahren rasch aus. Hier konnte man beobachten, dass sich die Toleranz der Bienen verringert hat. Während ein Volk früher bei bis zu 10.000 Milben überleben konnte, brechen Völker heute oft schon bei 2.000 Varroen zusammen.

Bekämpfung der Varroa: Verschiedene Ansätze

Bisher gibt es bei uns noch kein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Wirt (Honigbiene) und Parasit (Varroamilbe). Deshalb ist es überall notwendig, die Varroamilbe zu bekämpfen. Dafür verwenden viele Imker chemische Behandlungsmittel, insbesondere natürliche Säuren wie Ameisensäure oder Oxalsäure. Die Ausbreitung der Varroa kann aber auch mit biologischen Verfahren wie dem Schneiden von Drohnenbrut, Brutpausen oder einer Brutentnahme gedämpft werden. Zudem machen Züchter immer größere Fortschritte: Sie schauen, ob Bienen sich putzen und so von der Varroamilbe befreien können (Grooming), oder ob sie infizierte Brut erkennen und ausräumen. Diese Eigenschaft nennt man Varroa-sensitive-Hygiene (VSH). Bienenvölker, die so die Varroamilbe bekämpfen, werden bewusst vermehrt.

bbu/04.06.2020

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