Thymol: Bienen gegen die Varroamilbe behandeln

Thymol wirkt keimtötend. Imker nutzen Thymol zur Behandlung ihrer Bienen gegen die Varroamilbe. Wir zeigen, wie es wirkt und was man beachten muss.

Die Thymianblüte ist auch eine attraktive Trachtpflanze, von der in südlichen Regionen Thymianhonig geerntet werden kann. Foto: Ute Schneider-Ritter
Die Thymianblüte ist auch eine attraktive Trachtpflanze, von der in südlichen Regionen Thymianhonig geerntet werden kann. Foto: Ute Schneider-Ritter

Neben der Behandlung mit Ameisensäure ist Thymol ein weiteres Mittel, das die Bienen im Kampf gegen die Varroose unterstützt. Thymol gehört zu den Terpenalkoholen und ist Inhaltsstoff von Pflanzen, insbesondere von Thymian, Oregano oder Ajiwan. Es kann aus diesen Pflanzen gewonnen oder wie die meisten im Handel erhältlichen Tierarzneimittel synthetisch hergestellt werden. Thymol wirkt keimtötend (antiseptisch) und wird daher in der Heilkunde häufig zur Abtötung von Pilzen und Bakterien bei Entzündungen der Haut und der Schleimhäute eingesetzt. Imker nutzen Thymol zur Behandlung ihrer Bienen gegen die Varroamilbe.

In Deutschland ist Thymol als Wirkstoff in verschiedenen Medikamenten zur Bekämpfung der Varroose bei Honigbienen zugelassen. Die Anwendung wird in den einzelnen Gebrauchshinweisen beschrieben. Die Anwendung von Thymol ist laut EU-Öko-Verordnung (834/2007) in der Bio-Imkerei zugelassen. Vor allem wegen seiner Rückstände im Wachs und der Geruchsentwicklung darf es nicht in allen Verbänden, wie z. B. Bioland, eingesetzt werden. Präparate sind beispielsweise Apiguard, Thymovar und ApiLife Var.

So wirkt Thymol gegen die Varroa

Thymol soll einen vielfältigen neurotoxischen Effekt haben. Es könnte, über die Atmung oder die Haut aufgenommen, Proteine zerstören. In jedem Fall wirkt es auf Milben giftiger als auf die Bienen. Inwieweit die Vermehrung der Varroamilbe durch die Gerüche gestört wird, weil Männchen und Weibchen nicht zusammenfinden, ist umstritten.

Im Bienenvolk wirkt Thymol allein in der Gasphase. Dabei muss die Konzentration in der Stockluft hoch genug sein, um die Varroamilben zu töten. Dies tritt ab einer Konzentration von 5 bis 15 ug/Liter ein. Bei warmer Umgebungstemperatur wird diese schneller erreicht als in kühler. Dabei verhalten sich die Präparate sehr unterschiedlich. Apiguard soll diese Konzentration am langsamsten erreichen, dafür aber am längsten wirken. Thymovar und ApiLife Var erreichen sie schon in der ersten Woche. Bei Thymovar sinkt sie danach langsam ab. Dagegen steigt sie bei ApiLive Var weiter an. Dies soll an den neben Thymol im Medikament enthaltenen anderen ätherischen Ölen liegen, die den Schmelzpunkt von Thymol senken. Eigentlich ist Thymol bis zu einer Temperatur von 49 bis 51 °C und somit auch im Bienenvolk fest. Der niedrigere Schmelzpunkt von ApiLife Var bewirkt nun, dass es bei tieferen Temperaturen und damit schneller die Gasphase erreicht, um auf Milben zu wirken.

Die vielfältige Wirkungsweise von Thymol macht eine Resistenzbildung zwar unwahrscheinlicher, aber schließt sie nicht aus. Thymol wirkt noch etwa zwei Wochen, nachdem die Behandlung beendet wurde.

Natürliches Thymol kann zum Beispiel aus Pflanzenteilen des Thymians gewonnen werden. Das in den Medikamenten verwendete Thymol wird allerdings meist künstlich synthetisiert. Foto: Ute Schneider-Ritter
Natürliches Thymol kann zum Beispiel aus Pflanzenteilen des Thymians gewonnen werden. Das in den Medikamenten verwendete Thymol wird allerdings meist künstlich synthetisiert. Foto: Ute Schneider-Ritter

Hinweise zur Anwendung von Thymol bei Bienen

Die Medikamente mit Thymol als Wirkstoff dürfen nur in der von den Herstellern angegebenen Dosierung angewendet werden. Weiterhin ist bei allen Medikamenten folgendes zu beachten:

  • Medikamente mit Thymol als Wirkstoff sollten nur bei niedrigem bis mittlerem Varroabefall verwendet werden, da die Wirkung langsam einsetzt und dadurch noch lange von Varroamilben geschädigte Bienen schlüpfen.
  • Thymol ist zur Notfallbehandlung nicht geeignet.
  • Besonders in Frühtrachtgebieten eignen sich thymolhaltige Präparate, da die Außentemperaturen während der Behandlung meist hoch genug sind und die noch länger anhaltende Wirkung einen gewissen Schutz vor Reinvasion von Milben bietet.
  • Vor der Behandlung sollte die Wettersituation der nächsten drei Wochen abgeschätzt werden, z. B. über den Varroa-Wetter-Link.
  • Möglichst nur bei Tagestemperaturen zwischen 20 und 25 °C behandeln: Darüber erhöhte Gefahr von Brut- und Bienenschäden. Unter 15 °C ist die Wirkung zu gering.
  • Je nach Region und Klima am Standort kann die beste Behandlungszeit zwischen Juli und September liegen. Wobei es besonders im Spätsommer bereits zu kühl sein kann.
  • In Spättrachtgebieten eignet sich Thymol weniger, da meist nicht über einen längeren Zeitraum ausreichend hohe Temperaturen erreicht werden.
  • Während oder kurz vor der Behandlung sollte wegen der dann geringeren Wirkung nicht gefüttert werden.

Nebenwirkungen von Thymol bei Bienen

  • Thymol wirkt gegen Bakterien und Pilze, sodass es auch andere Krankheiten wie Kalkbrut heilen kann. Allerdings werden darüber hinaus allgemeine, nicht schädliche Mikroorganismen (Antagonisten), die für die Gesundheit des Bienenvolkes wichtig sind, abgetötet. Deshalb darf Thymol nicht länger und häufiger als in der Gebrauchsinformation angegeben, eingesetzt werden.
  • Bei Überdosierung kann es zu Brut- und Bienenschäden kommen.
  • Bei der Behandlung mit Thymol kann es wegen des starken Geruchs im Stock zur Räuberei kommen. Besonders stille Räuberei wird nicht immer erkannt.
  • Während der Behandlung wird angebotenes Futter besonders in der Nähe der Thymolträger nur schlecht abgenommen.
  • In der Nähe der Thymolträger wird die Brut oft ausgeräumt, weshalb diese möglichst nicht zu nah an das Brutnest platziert werden sollten.

Gefahren bei der Anwendung von Thymol

  • Thymol reizt Augen und Haut und kann bei Kontakt zu Ekzemen (Kontaktdermatitis) führen.
  • In Dosen über 4,0 g oral aufgenommen, kommt es zu Kopfschmerzen, Erbrechen und Durchfall.
  • Im ApiLife Var ist Thymol mit anderen ätherischen Ölen kombiniert. Menthol ist in höheren Dosierungen ebenfalls gesundheitsschädlich, Campher in hohen Dosen (über 7 g) sogar tödlich.
  • Eukalyptusöl ist dagegen gesundheitlich unbedenklich, allerdings leicht entflammbar. Die im Medikament enthaltenen Mengen sind jedoch unbedenklich. Es muss aber mit Feuer (z. B. Funken aus dem Smoker) vorsichtig hantiert werden.

Rückstände von Thymol

  • Thymol und die anderen ätherischen Öle kommen in sehr geringen Mengen auch in Honigen, wie Lindenhonig (0,16 mg/kg), vor.
  • Thymol ist auch natürlich im Wachs, wenn auch in geringen Mengen (bis 0,5 mg/kg), enthalten. Da es sich dort anreichert, dürfen Waben, die sich zum Zeitpunkt der Behandlung im Volk befunden haben, nicht zur Gewinnung von Honig verwendet werden.
  • Ätherische Öle können bereits in geringen Mengen im Honig geschmeckt werden. So liegt die Geschmacksschwelle von Thymol im Rapshonig bei 1 bis 2 mg/kg.
  • Thymol ist in Lebensmitteln als Aromastoff mit einer Menge von bis zu 50 mg/g (Getränke 10 mg/kg) zugelassen.
  • In der EU-Verordnung 37/2010 ist Thymol unter den Wirkstoffen aufgeführt, für die kein maximaler Rückstandswert (MRL) angegeben werden muss.

Haltbarkeit und Entsorgung von Thymol

Die Haltbarkeit der einzelnen thymolhaltigen Arzneimittel sowie die Bedingungen bei der Lagerung sind auf der Verpackung angegeben. Nicht aufgebrauchte Tierarzneimittel sollten vorzugsweise an Schadstoffsammelstellen abgegeben oder mit dem Hausmüll entsorgt werden. Sie dürfen nicht in Abwasser bzw. die Kanalisation gelangen.

von Wolfgang Ritter

Mehr zur Varroabehandlung finden Sie in unserem Sonderheft Varroa im Griff – Gesunde und vitale Bienen das ganze Jahr

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