Totale Brutentnahme: Varroabekämpfung und Bauerneuerung

Bei der Totalen Brutentnahme (TBE) entnimmt man den Bienen die Brut und befreit sie so von einem Großteil der Varroamilben. Die vollständige Brutentnahme ist eine effiziente biotechnische Varroabekämpfung.

Bei der vollständigen Brutentnahme entnimmt man dem Volk alle Brutwaben, in denen viele Milben sitzen. Foto: Ute Schneider-Ritter
Bei der vollständigen Brutentnahme entnimmt man dem Volk alle Brutwaben, denn in ihnen sitzen viele Milben. Foto: Ute Schneider-Ritter

Die Varroamilbe beschäftigt uns Imker das ganze Jahr über, denn ohne unsere Unterstützung würden die meisten Völker an den Milben und an den Viren, die sie verbreiten, sterben. Die meisten Imker behandeln ihre Bienenvölker mit organischen Säuren – aber wir können die Varroamilbe auch biotechnisch bekämpfen. Einer diese Behandlungen ist die vollständige Brutentnahme, bei der man den Bienen alle Brut entnimmt.

Vorteile der Totalen Brutentnahme

  • Varroabekämpfung: Die Varroamilben befinden sich im Sommer hauptsächlich in der Brut. Entnimmt man diese samt den Milben, entlastet man damit die Bienenvölker. Zudem erzeugt man – ähnlich wie bei einem natürlichen Schwarm – eine kurze Brutpause. So dämpft man zusätzlich den Anstieg der Milbenpopulation.
  • Bauerneuerung: Die Brutwaben, die man entnimmt, sind meist schon alt und schwarz. Als Ersatz gibt man den Bienen helle Waben oder Mittelwände oder lässt sie mit Naturbau selbst Waben bauen. Diese Bauerneuerung ist gut für die Wabenhygiene. Wer einen offenen Wachskreislauf hat, kann so den Bienen altes Wachs nehmen, das eventuell mit Varroaziden und Pestiziden belastet ist und ihnen frisches, unbelastetes Wachs geben.
  • Jungvölker machen: Ist die Brut nicht zu stark mit Varroamilben belastet, kann man sie in Brutscheunen schlüpfen lassen und mit ihnen später Kunstschwärme bilden. So hat man Jungvölker für das neue Jahr.
  • Kurzfristig mehr Honig: Wenn die Bienen anfangs weniger Brut pflegen und wärmen müssen, sinkt einerseits der Futterverbrauch der Bienen, andererseits haben die Ammenbienen weniger Arbeit. Sie können deshalb dabei helfen, mehr Honig einzutragen. Deshalb haben weisellose Völker auch kurzzeitig mehr Honig als weiselrichtige. Dieser Effekt hält etwa zwei Wochen an, anschließend sinkt der Ertrag, da keine neuen Bienen schlüpfen. Wer also etwa zwei Wochen vor Trachtende eine Brutentnahme macht, bekommt mehr Honig. Bei Spättrachtimkern ist dies aber ungeeignet.

Wann kann ich die totale Brutentnahme machen?

In Frühtrachtgebieten können Imker kurz vor oder während der Ernte eine vollständige Brutentnahme machen. Also ab Juni, in den meisten Regionen im Juli. Doch auch wenn man früh eine totale Brutentnahme macht, sollte man die Varroabelastung weiterhin im Blick haben, denn oft muss man im Sommer noch mal behandeln. Ansonsten kann man die totale Brutentnahme auch machen, wenn die Völker schon nahe an der Varroaschadschwelle sind, beispielsweise wenn man bereits Bienen ohne Flügel sieht. Dann ist es oft auch für eine Behandlung mit Ameisensäure zu spät, da die Brut bereits massiv geschädigt ist und die bald schlüpfenden Bienen nur kurzlebig sein werden. Dann sollte man die Bienen von ihrer Brut befreien und sie neue, gesunde Brut aufziehen lassen.
Allerdings sollte man eine vollständige Brutentnahme spätestens im August machen. Ansonsten schaffen die Bienen es nicht mehr, die Brutlücke aufzuholen und genügend Winterbienen aufzuziehen.

Wie entnimmt man dem Volk die Brutwaben?

  • Königin suchen: Die Königin sollte bei den Bienen im Stock bleiben. Wenn man sie auf den Brutwaben findet, sollte man sie zurück in die Beute stoßen.
  • Brutwaben entnehmen: Bei der vollständigen Brutentnahme entnimmt man alle Brutwaben, sowohl Arbeiterinnen-, als auch Drohnenbrut.
  • Leere Rähmchen einhängen: Statt den Brutwaben hängt man nun frische, gelbe Waben ein oder lässt die Bienen neue Waben bauen. Hierbei kann man sie mit Mittelwänden unterstützen oder sie mit Naturbau vollständig neu bauen lassen. Die Bienen bauen allerdings nur, wenn es noch honigt – oder wenn sie gefüttert werden. Eine dünne Zuckerwasserlösung (1:1) beschleunigt den Bau. Ansonsten sollte man schauen, dass die Bienen noch genügend Futter haben. Macht man die totale Brutentnahme noch während der Tracht, kann man die Honigräume anschließend wieder aufsetzen.
Wer will, kann das Volk nach der Brutentnahme mit Naturbau selbst bauen lassen. Hierbei sollte es aber noch honigen oder man muss flüssig füttern. Foto: Ute Schneider-Ritter
Wer will, kann das Volk nach der Brutentnahme mit Naturbau selbst bauen lassen. Hierbei sollte es aber noch honigen oder man muss flüssig füttern. Foto: Ute Schneider-Ritter

Zur weiteren Varroabekämpfung dieser Völker gibt es zwei Varianten:

  • Mit Medikament behandeln: Die Bienen haben jetzt keine Brut mehr, deshalb sitzen alle verbliebenen Varroamilben auf den Bienen. Gut für uns Imker, denn dort erwischen wir die Milben, wenn wir mit Oxalsäure, Milchsäure oder VarroMed behandeln. Davor muss man allerdings den Honig ernten, damit dieser nicht mit den Säuren in Kontakt kommt.
  • Fangwabe einhängen: Alternativ kann man eine Wabe mit viel offener Brut (besonders gut: offene Drohnenbrut) ins Zentrum hängen. Diese Wabe wirkt wie ein Magnet auf die Varroamilben: Die Milben wollen und müssen in diese Brut, um sich zu vermehren. Deshalb sollte man diese Wabe später entnehmen, sobald die Brut verdeckelt ist.

Was tun mit entnommenen Brutwaben?

Was man mit den Brutwaben macht, kommt darauf an, wie hoch die Varroabelastung im Bienenvolk war. Im Juli rechnet man mit einem natürlichen Milbenfall von 7-10 pro Tag.

  • Bei mäßigem Varroa-Befall: Brutscheune. Man sammelt die Brutwaben von mehreren Völkern und stellt sie mit einem kleinen Flugloch außerhalb vom Flugradius auf. Dabei sollte man bereits beim Entnehmen etwa eine Handfläche Bienen auf den Waben lassen, dass diese die Brut fertig pflegen können. Die Bienen sollten dafür gerade im Sommer genug Futter haben, dass sie nicht verhungern. In dieser Brutscheune schlüpfen dann innerhalb von drei Wochen alle Bienen, danach sollte man die Bienen ebenfalls mit Oxalsäure oder Milchsäure behandeln. Anschließend kann man mit den Bienen Kunstschwärme machen oder andere Ableger verstärken. Die Waben kann man danach ausschmelzen.
  • Bei starkem Varroa-Befall: Ausschmelzen. Ist die Bienenbrut stark von Varroamilben befallen, sollte man sie direkt im Dampf- oder Sonnenwachsschmelzer ausschmelzen. Es tut als Imker zwar im Herzen weh, Brut auszuschmelzen, und es scheint auch ethisch fragwürdig, aber sonst schlüpfen die Bienen oft schon stark geschädigt, sind mit Viren belastet und nur kurzlebig. Beim Ausschmelzen sollte man sich nicht zu viel Zeit lassen, sonst schimmelt die Brut und lockt Ameisen an.
In der Mitte sehen wir das Muttervolk: Nach der Brutentnahme kann man ihn mit Milch- oder Oxalsäure behandeln. Sind die Brutwaben stark befallen, sollte man sie ausschmelzen (oben). Wenn der Varroabefall niedig ist (unten) kann man daraus Brutscheunen machen. Sobald die Brut dort ausgelaufen ist, kann man sie auch behandeln und mit den Bienen Kunstschwärme machen. Grafik: Wolfgang Ritter
In der Mitte sehen wir das Muttervolk: Nach der Brutentnahme kann man es mit Milch- oder Oxalsäure behandeln. Sind die Brutwaben stark befallen, sollte man sie ausschmelzen (oben). Wenn der Varroabefall niedrig ist (unten), kann man daraus Brutscheunen machen. Sobald die Brut dort ausgelaufen ist, kann man sie auch behandeln und mit den Bienen Kunstschwärme machen. Grafik: Wolfgang Ritter

bbu/18.06.2020

Mehr zur Varroabehandlung finden Sie in unserem Sonderheft Varroa im Griff – gesunde und vitale Bienen das ganze Jahr

Weitere Verfahren zur biotechischen Varroabehandlung finden Sie hier: Biotechnische Varroabekämpfung – verschiedene Methoden

Mit Ameisensäure gegen die Varroa behandeln