Mit Wärmebildkamera Bienen kontrollieren

Mit einer Wärmebildkamera sieht man, wie es den Bienen geht - ohne den Kasten zu öffnen. Wir zeigen, wie und wann man die Kamera anwenden kann.

Mit einer Wärmebildkamera lassen sich die Bienen kontrollieren, ohne den Kasten zu öffnen. Das Volk links sitzt unterm Deckel, während das Volk rechts tot ist. Foto: Robert Perdelwitz
Mit einer Wärmebildkamera lassen sich die Bienen kontrollieren, ohne den Kasten zu öffnen. Das Volk links sitzt unterm Deckel, während das Volk rechts tot ist und keine Wärme mehr abstrahlt. Foto: Robert Perdelwitz

Wissenschaftler nutzen Wärmebildkameras schon länger, um Bienen zu erforschen. Früher haben solche Kameras noch einige Tausend Euro gekostet, mittlerweile sind sie günstiger geworden. Immer mehr Imker setzen sie deshalb auch ein. In den USA beurteilen vor allem Großimker ihre Völker damit, ohne sie zu öffnen. Das spart Zeit und stört die Bienen nicht. Wärmebildkameras messen die abgestrahlte Wärme. So wird die Infrarotstrahlung sichtbar, die wir mit dem Auge nicht wahrnehmen können.
Unser Autor Robert Perdelwitz hat in seinem Artikel in bienen&natur die Vorteile beschrieben und seine Wärmebildkamera vorgestellt. Sie kann auf ein Smartphone gesteckt werden und kostet etwa 250 Euro.

Wärmebildkamera bei Bienen – was kann ich machen?

Die Wärmebildkamera kann nicht nur im Winter nützlich sein, um zu schauen, ob die Bienen noch leben. Man kann sie während der Saison bei verschiedenen Arbeiten einsetzen:

  • Sind die Bienen brutfrei? Bei Völkern, die brüten, beträgt die Temperatur etwa 33°C. Bienen, die brutfrei sind, haben eine Kerntemperatur von 21 bis 23°C. Im November oder Dezember lässt sich so bestimmen, wann der ideale Zeitpunkt für die Oxalsäure-Behandlung ist. Bei der Restentmilbung sollten die Bienen keine Brut mehr haben, dann sitzen alle Milben auf den Bienen.
  • Volk weisellos? Überlebt die Königin die Ameisensäure-Behandlung nicht, sieht man dies drei Wochen später über die Wärmebildkamera. Die Brut läuft dann aus und die Temperatur sinkt um etwa zehn Grad.
  • Wo sitzt das Volk? Anhand vom Wärmebild sieht man, wie groß die Wintertraube ist und wo sie sitzt.
  • Wie viel Futter hat das Volk noch? Der Sitz der Wintertraube ist wichtig für die Futterversorgung. Sitzt die Traube im Februar (oder früher) schon unter dem Deckel, sollte nachgefüttert werden. Sitzt sie noch unten, passt alles. Überwintern die Bienen einräumig, besteht das Risiko des Futterabrisses: Wenn die Bienen auf einer Seite der Zarge sitzen und das Futter auf der anderen, können sie verhungern, obwohl noch Futter im Stock ist. Dann können Futterwaben umgehängt werden.
  • Legt die junge Königin? An der Temperatur sieht man, ob Königinnen in Ablegern schon legen und der Hochzeitsflug erfolgreich war. Schwache Völker ohne Königin erkennt man mit der Kamera gleich.
  • Honigraum aufsetzen? Haben die Bienen im Frühjahr Brut auf beiden Zargen (oder über eine größere Fläche im einräumigen Brutraum) und sitzen im ganzen Kasten, kann man die Völker kontrollieren und eventuell erweitern.
  • Wollen die Bienen schwärmen? Jürgen Tautz hat mit seinem HOBOS-Projekt entdeckt, dass die Temperatur im Volk auf bis zu 38°C ansteigt, bevor die Bienen schwärmen. Ob diese Beobachtung uns Imker aber in der Praxis weiterbringt, ist unklar. Methoden zur Schwarmverhinderung sind dann oft schon zu spät. Man könnte als einzige Maßnahme dann noch die Königin entnehmen und einen Königinnen-Ableger bilden.

Temperatur im Bienenstock morgens messen

Wer die Temperatur im Bienenvolk messen will, sollte auf das Wetter achten. Gewisse Faktoren können die Messung nämlich verfälschen.
Sonne: Auch passive Sonnenstrahlen durch Wolken wärmen die Oberfläche der Beuten auf. So erscheinen sie wärmer.
Wind: Der Wind kühlt die Oberflächen jedoch ab, so wirken sie kälter.
Regen und Schnee: Auch Niederschläge kühlen die Beuten ab.

Bei vielen Geräten kann man im Menü die Außentemperatur eingeben. So kann die Kamera den Hintergrund besser vom Bienenstock unterscheiden.
Ideal zum Messen ist der frühe Morgen vor dem Sonnenaufgang, nach einer trockenen, windstillen Nacht. Wichtig ist, dass die Kamera die gleiche Temperatur wie die Umgebung hat. Also die Kamera zuerst 15 Minuten auf den Beuten liegen lassen und nicht gleich messen, nachdem sie aus dem warmen Auto kommt. Mit einem Abstand von 1,5 Metern lässt sich nun die Temperatur der Beute bestimmen. Gut ist es, frontal zur Beute zu stehen und nicht schräg, da Futterwaben die Wärme isolieren und die Messung verfälschen.

Aufsteck-Wärmebildkamera Flir One im Test

Robert Perdelwitz nutzt die Wärmekamera Flir One – inzwischen gibt es auch das Nachfolgermodel Flir One Pro. Sie hat eine Auflösung von 19.200 Pixeln und liefert von minus 20°C bis 120°C aussagekräftige Bilder – für uns ausreichend, unter minus 20°C wird auch niemand auf die Idee kommen, nach den Bienen zu schauen. Dabei wird die Kamera über die USB-Schnittstelle (oder Lightning) mit dem Smartphone verbunden. Für ein größeres Bild lässt sich auch ein Tablet anschließen. Mit dem kostenlosen Programm „FLIR Tools“ können die Bilder bearbeitet und gespeichert werden. Eine wichtige Funktion sind die Temperaturpunkte. So können ausgewählte Punkte angezeigt und verglichen werden. Obwohl das Tools-Programm eher für Architekten und Heizungsbauer geeignet ist, können sich auch Imker gut einarbeiten.

Empfehlungen für Wärmekamera-Kauf

Beim Kauf einer Wärmebildkamera sind folgende Kriterien wichtig:

  • Qualität der Wärmebilder: Je mehr Pixel die Bilder haben, desto besser ist die Auflösung und umso besser werden thermische Unterschiede deutlich.
  • Preis: Günstige Geräte gibt es schon unter 200 Euro. Sie haben aber oft nur eine Auflösung von 3.000 bis 5.000 Pixeln. Das ist zu wenig, um bei Bienen relevante Temperaturunterschiede zu erkennen. Profimodelle kosten 2.000 Euro aufwärts. Es gibt auch Kameras, die preislich dazwischen liegen und zusätzlich zum Wärmebild auch ganz normale Farbbilder machen können.
  • Handhabung: Nicht alle Wärmebildkameras sind einfach zu bedienen. Man sollte die Kamera vor dem Kauf testen. Viele Jäger haben Wärmebildkameras, die man eventuell einmal ausleihen kann. Empfehlenswert sind Geräte, die auf ein Smartphone gesteckt werden. Sie können über das Handy bedient werden und sind ab 250 Euro zu haben.

Den Artikel von Robert Perdelwitz gab es in der Dezember-Ausgabe von 2018 ab Seite 14.

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