Mit Bienen wandern – so geht’s

Viele Imker wandern mit ihren Bienen verschiedene Trachten an – die Waldtracht beispielsweise. Dabei müssen Imker einige Regeln befolgen.

Wer verschiedene Sortenhonig ernten will, muss häufig mit seinen Bienen wandern und sie in entsprechende Trachten fahren. Fotos: Boris Bücheler
Wer verschiedene Sortenhonig ernten will, muss häufig mit seinen Bienen wandern und sie in entsprechende Trachten fahren. Fotos: Boris Bücheler

Vorbereitungen für die Bienenwanderung

Bevor Imker mit ihren Bienen einen neuen Standplatz anwandern können, müssen sie ein Gesundheitszeugnis vom heimischen Veterinär bzw. Bienensachverständigen erstellen lassen. Der Wanderplatz muss mit dem Grundstückseigentümer abgestimmt und die Wanderung beim Veterinär oder Wanderwart vom Zielort angemeldet werden. Auf jeden Fall ist es ratsam, sich mit dem örtlichen Vereinsvorsitzenden oder Wanderwart abzusprechen, um über die Trachtsituation oder Probleme im Wandergebiet informiert zu sein, und an das zuständige Veterinäramt eine Kopie des Gesundheitszeugnisses zu schicken. Achtung: Die Bundesländer haben unterschied­liche Regelungen!

Mit den Helfern den Termin abstimmen und die Tragehilfen herrichten, wie Zargenschere oder Sackkarre, ebenso für ausreichend Wanderböcke sorgen.

Standplatz für die Bienen suchen

Wandern mit Bienen darf man nur nach Absprache des genauen Stellplatzes.
Man sollte den Stellplatz gut anfahren und dort die Völker leicht abladen können. Günstig ist, wenn es nicht zu schattig ist, denn dann brauchen die Bienen morgens länger, um in Fahrt zu kommen, fliegen insgesamt weniger und sammeln weniger Honigtau. Es sollte möglich sein, die Völker so aufzustellen, dass die Flugrichtung nicht über den Weg verläuft. Das erspart Ärger mit Spaziergängern oder auch Jägern.

Am Tag vor der Bienenwanderung

Neben dem üblichen Imkergerät, wie Schutzkleidung, Smoker und Stockmeißel, braucht man für das Wandern mit Bienen: Spann- und Zurrgurte, Schaumgummistreifen, Wasserkanister und Sprühflasche sowie Taschenlampe oder Stirnlampe, Klebeband; das Gesundheitszeugnis nicht vergessen! Das Transportfahrzeug wird auf seine Fahrtüchtigkeit überprüft (Lichttest am Hänger) und vollgetankt.
Die Völker keinesfalls kurz vor dem Wandern durchsehen. Das würde Propolisverkittungen lösen, und die Beuten könnten undicht werden.

Bienen verladen: Fluglöcher schließen und für Luft sorgen

Für die Bienenwanderung bei Beuten ohne Bodengitter oben einen Lüftungsgitterrahmen auflegen. Ansonsten den Bodenschieber ziehen. Magazine fest verzurren, sie dürfen beim Tragen und Kippen nicht gegeneinander verrutschen. Die Fluglöcher verschließen, wenn die Bienen nicht mehr fliegen – eventuell mit Rauch vorhängende Bienen(-bärte) eintreiben. Völker auf dem Hänger fest verzurren und auf Luftzufuhr achten – stärkere Völker nicht mittig platzieren (Gefahr des Verbrausens).

Wandern mit Bienen – der Transport

Möglichst mit den Bienen in den Sonnenaufgang hinein wandern. Günstig ist, dies nachts bzw. an kühlen oder regnerischen Tagen einzuplanen. Bei über 25 °C Flugloch-Schaumgummistreifen befeuchten und Wasser durch die Lüftungsgitter sprühen. Am besten keine längeren Pausen und diese möglichst im Schatten machen und den Motor nicht abstellen – sonst werden die Völker aktiv und suchen den Ausgang.

Bienenvölker aufstellen

Steht bereits ein Waagvolk am Wanderplatz, werden die später angewanderten Völker zügig links und rechts davon platziert. Die eingeflogenen Sammlerinnen vom Waagvolk verirren sich in die Fluglöcher der anderen und weisen den Neuen den Weg zur Tracht. Dann werden die Gurte entfernt und mit kräftigen Rauchstößen die Fluglöcher freigegeben. Wichtig: Zweimal kontrollieren, ob wirklich alle Fluglöcher geöffnet sind! Völker, deren Flugloch noch geschlossen ist, würden verbrausen und sterben.

Verhalten im Wald

Auch an die anderen Waldnutzer wie Jäger, Förster und Wanderer denken! Immer offen sein und auch mal ein Schwätzchen halten. Auf den Waldwegen langsam fahren. Sie sind empfindlich und müssen mühsam gepflegt werden. Vor allem die Brandgefahr bedenken! Daher den Smoker rechtzeitig nachfüllen, um Funkenflug zu vermeiden. Niemals glühende Asche auskippen, sondern Smoker beispielsweise mit einem Grasbüschel verschließen.

Abwandern nach Trachtende

Nach Trachtende möglichst schnell mit den Bienen abwandern, da bei einer erhöhten Bienendichte die Räuberei zunimmt und sich so leicht Krankheiten ausbreiten. Sich also so verhalten, dass man im nächsten Jahr wieder gerne gesehen ist und sich auch andere Imker dort blicken lassen können. Bei den Imkerlandesverbänden kann auf der Internetseite eine Wanderempfehlung eingesehen werden. Zudem gibt es dort auch eine Weiterleitung zum Trachtmeldedienst der elektronischen Stockwaagen der Landesverbände, wo man die täglichen Zu- und Abnahmen einsehen kann.

von Jürgen Schwenkel

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