Was passiert beim Hochzeitsflug der Königin?

Eine gut begattete Königin ist Garant für ein ertragreiches und gesundes Bienenvolk. Die Begattung der Bienen ist abenteuerlich – sie findet in der Luft statt. Was genau geschieht beim Hochzeitsflug?

Bienenkönigin, die vom Hochzeitsflug zurück ist mit abgebrochenem Geschlechtsteil des letzten Drohns. Foto: Josef Rosner Architekt www.KalCool.com, CC-BY-SA-3.0
Bienenkönigin, die vom Hochzeitsflug zurück ist, mit abgebrochenem Geschlechtsteil des letzten Drohns. Foto: Josef Rosner Architekt www.KalCool.com, CC-BY-SA-3.0

Nach dem Schlupf ist eine junge Königin noch nicht sofort begattungsreif. Wie andere Tiere auch, muss sie zunächst geschlechtsreif werden. Die junge, unbegattete Königin wird von den Arbeiterinnen nur wenig gefüttert, herumgeschubst und sogar aus dem Stock getrieben. Etwa fünf Tage nach dem Schlupf ist die Bienenkönigin bereit, sich zum Hochzeitsflug aufzumachen. Zunächst unternimmt sie einige Orientierungsflüge, bis sie zur eigentlichen Begattung aufbricht. Dafür sollte das Wetter sonnig, warm und nicht zu windig sein.

Drohnen haben sich inzwischen an sogenannten Drohnensammelplätzen eingefunden, etwa an Waldlichtungen. Hier warten die Drohnen in großer Zahl auf junge Königinnen. Wie sich die Drohnen einigen, welche Plätze geeignet sind, oder was diese Plätze auszeichnet, konnte bisher noch nicht herausgefunden werden. Das ist eines der noch ungelösten Geheimnisse des Bienenvolkes.

Treffpunkt bei Hochzeitsflug kilometerweit entfernt

Die Königin fliegt mehrere Kilometer weit, um zu einem Drohnensammelplatz zu gelangen. Dies kann dazu beitragen, Inzucht zu vermeiden – die Drohnen aus dem eigenen Stock fliegen eher zum nächsten Sammelpunkt. Am Drohnensammelplatz angekommen, fliegen bereits mehrere Drohnen hinter der Königin her. Der erste begattet sie in der Luft. Beim Ausstülpen des Begattungsorgans reißt dieses ab. Der Drohn stirbt dabei und fällt herunter. Der Begattungsschlauch bleibt im Hinterleib der Königin hängen. Doch nun nähert sich der nächste Drohn, greift nach dem Begattungsapparat seines Vorgängers, entfernt diesen und nimmt selbst die Begattung vor, wobei ihn ebenfalls der Tod ereilt.

Nach mehreren Paarungen – hierzu gibt es unterschiedliche Angaben, von 3 – 4 bis zu 30 Paarungen – verlässt die Königin den Drohnensammelplatz. Sie trägt nun das Sperma verschiedener Drohnen in ihrer Spermathek. Dadurch besitzen die Arbeiterinnen, die aus den Eiern dieser Königin heranwachsen, von männlicher Seite unterschiedliche Gene, sie sind also Halbschwestern.

Sperma für ein ganzes Leben

Jede Königin wird nur einmal in ihrem Leben begattet. Das Sperma der Spermathek muss ihr ganzes Leben lang ausreichen. Wurde eine Königin unzureichend begattet, kann sie also bereits nach kurzer Zeit keine befruchteten Eier mehr legen, beenden die Arbeiterinnen ihre Regentschaft und ziehen eine neue Königin heran (Umweiselung).

Die frisch begattete Königin kehrt nun in den Stock zurück – sofern sie nicht einem Vogel zum Opfer fällt, der sich das besonders dicke Insekt schnappt. Die Königin trägt noch das Begattungsorgan des letzten Drohns, der sie befruchtete, am Hinterleib. Am Eingang des Stocks erkennen die Arbeiterinnen an diesem Zeichen, dass der Hochzeitsflug erfolgreich war.

Die Königin wird hereingelassen und nun sorgsam gepflegt. Es dauert wiederum einige Tage, bis sie die ersten Eier legt, zunächst manchmal noch etwas ungeschickt mit mehreren Exemplaren in einer Zelle. Aber schon bald hat sie ihre Aufgabe erlernt und legt nun zuverlässig Tag für Tag Eier. Aus den befruchteten entstehen Arbeiterinnen, aus den unbefruchteten Drohnen. Die Königin erkennt abhängig von der Zellgröße, ob Drohnen oder Arbeiterinnen gewünscht sind. Wenn ein Ei die Eileiter durchwandert, drückt sie entweder auf die Spermathek – für ein befruchtetes Ei – oder nicht – für ein unbefruchtetes Ei.

Bis eine Königin zuverlässig legt, vergehen nach dem Schlupf etwa drei Wochen. Eine vorherige Kontrolle auf Begattung ist daher übereilt.

cas/03.06.2018