Wie viel Futter braucht ein Bienenvolk für den Winter?

Es ist wichtig, die Bienen richtig zu füttern - dabei kommt es auch auf die Futtermenge an. Haben die Bienen zu wenig Winterfutter, können sie verhungern; füttert man zu viel, wird die Königin im Sommer eingeschnürt und kann nicht genug legen.

Wie viel man auf den Winter füttern muss, hängt vom Betriebssystem ab. Einzargig eingewinterte Völker brauchen 15 Kilogramm Winterfutter, zweizargige Völker oder jene in Großraumbeuten brauchen 20 Kilogramm. Foto: Armin Spürgin
Wie viel man auf den Winter füttern muss, hängt vom Betriebssystem ab. Einzargig eingewinterte Völker brauchen 15 Kilogramm Winterfutter, zweizargige Völker oder jene in Großraumbeuten brauchen 20 Kilogramm. Foto: Armin Spürgin

Es ist üblich, dass man als Imker die Bienen im Sommer mit Zucker für den Winter füttert – in Form von Zuckerwasser, Sirup oder Futterteig. Dabei gibt es Unterschiede, wie viel Futter ein Bienenvolk für den Winter braucht, je nach Beutentyp und wie viel Honig man im Volk lässt.

Wie viel Winterfutter brauchen die Bienen?

Wie viel Futter die Bienen brauchen, kann man nicht pauschal sagen. Das hängt stark von der Region und der Volksstärke ab. Brüten die Bienen nicht, verbrauchen sie pro Monat etwa ein Kilogramm Futter; müssen sie Brut wärmen und pflegen, sind es etwa drei Kilogramm pro Monat. Gehen wir davon aus, dass die Bienen im Oktober, Februar, März und April brüten und im November, Dezember und Januar Brutpause machen, brauchen sie circa 15 Kilogramm. Doch in milden Wintern brüten die Bienen oft länger – dann sind etwas mehr als 20 Kilogramm Futter besser. Prinzipiell gilt beim Füttern: Besser zu viel, als zu wenig – aber man kann Völkern auch schaden, indem man sie zu viel füttert und sie so einschnürt. Wobei die Bienen den Großteil des Winterfutters ja nicht im Winter brauchen, sondern im Frühjahr, wenn sie wieder brüten. Ist es im Februar oder März wieder warm, kann man auch eine Notfütterung oder eine Reizfütterung machen, sollte das Futter nicht reichen. Solch eine Notfütterung sollte aber – wie der Name sagt – eine Ausnahme im Notfall bleiben.

Wie viel Futter passt in eine Zarge?

Eine Wabe Deutsch Normalmaß fasst etwa zwei Kilogramm Futter, bei Zander ist es minimal mehr. In einer Dadant-Brutraumwabe haben drei Kilogramm Platz; zusätzlich haben auch Brutwaben immer noch Futterkränze. Wie viel man einfüttern sollte, hängt also vom Betriebssystem ab.

  • Überwinterung einzargig auf Deutsch Normalmaß (DN) oder Zander: Hat man nur neun oder 10 Waben, wird es eng 15 Kilo zu füttern und den Bienen gleichzeitig ein paar Waben zum Brüten zu lassen. Hier sollte man also eher etwas später und in kleinen Portionen einfüttern. Zudem muss man im Frühjahr eher nachschauen und eventuell nachfüttern. Wer lange Winter hat, sollte also eher zweizargig überwintern, dann reicht das Futter sicher bis ins Frühjahr.
  • Überwinterung zweizargig DN oder Zander: Solche Völker brauchen eine Futtermenge von 18 bis 22 Kilogramm. Das reicht meist bis in den nächsten April, dann kann man überschüssige Futterwaben immer noch entnehmen. Bei der zweizargigen Überwinterung ist die obere Zarge im Herbst meist voll mit Futter, die Bienen fressen sich dann im Laufe des Winters nach oben.
  • Dadant, Zadant, 1,5er-DN: Hier haben Bienen, Brut und Futter genug Platz, besonders wenn die Zarge zwölf Waben fasst. Deshalb kann man sie auch mit gut 20 Kilogramm einfüttern.

Wann soll man die Bienen füttern?

Es ist selten sinnvoll, die Bienen auf einen Schub zu füttern. Stattdessen sollte man mehrere Etappen machen und laufend abwarten, wie sich die Bienen und die Natur entwickeln. Gibt es beispielsweise eine späte Läppertracht, ist es nicht gut, die Bienen zu früh und zu viel zu füttern.
Die Fütterung kann man deshalb in drei Abschnitte unterteilen:

  • Anfüttern nach dem Abschleudern: Direkt nach dem Abschleudern sollte man die Bienen mit etwa fünf Kilogramm Zucker oder Sirup füttern. So haben sie während der folgenden Varroabehandlung genug zu fressen. Wann man abschleudert, lässt sich nicht pauschal beantworten; das hängt von Region, Wetter und Trachtangebot ab. In manchen Regionen kann man schon Mitte Juni, in Spättrachtregionen erst Ende August abschleudern. Nun sollte man die Völker nicht überfüttern, sonst hat die Königin keinen Platz mehr zum Legen.
  • Auffüttern im August: Je nach Jahr und Trachtangebot sollte man den Bienen Ende August, spätestens bis Mitte September das Winterfutter geben. So müssen sich die Winterbienen nicht zu sehr abarbeiten, wenn sie das Futter einlagern müssen. Überwintert man einzargig, sollte man das Futter in kleineren 5-Liter-Schüben geben. Das puscht die Völker laufend und schnürt das Brutnest nicht unnötig mit Futter ein.
  • Nachfüttern im September: Obwohl man alle Völker gleich einfüttert, kann es sein, dass sie vor dem Winter ungleiche Futtervorräte haben. Ein Grund kann die stille Räuberei sein, wenn starke Völker unbemerkt schwachen Völkern das Futter stibitzen. Zudem gibt es immer mehr Zwischenfrüchte, die bis in den November hinein blühen. Hier können die Bienen auch spät im Jahr noch Honig eintragen – das müssen wir Imker berücksichtigen und eventuell später den Rest nachfüttern.

Wie viel Futter ist schon im Volk?

Beim Nachfüttern muss man wissen, wie viel Futter ein Volk noch braucht. Das kann man einfach mit einer Waage bestimmen.

  • Mit Federwaage wiegen: Mit einer Federwaage oder einer digitalen Kofferwaage kann man ein Bienenvolk einfach wiegen, indem man den Haken in einer Griffmulde einhängt und sie nach oben zieht. Das macht man vorne und hinten (da die Bienen das Futter gerne hinten, weg vom Flugloch lagern) und addiert die beiden Ergebnisse. So erhält man das Gesamtgewicht der Bienenvölker. Erfahrene Imker können oft auch einschätzen, wie viel Futter die Bienen noch brauchen, wenn sie den Stock mit den Händen anheben. Doch auch hier verliert man erfahrungsgemäß irgendwann das Gefühl, wenn zum Ende des Tages die Arme lahm werden.
  • Leergewicht kennen: Man sollte wissen, wie viel eine leere Beute mit Leerwaben, Boden und Deckel wiegt. Dafür kann man sie einfach wiegen. Die meisten Beuten wiegen leer zwischen 20 und 25 Kilogramm, je nach Boden und Wandstärke der Zargen kann das aber stark schwanken – deshalb besser selbst nachwiegen. Bienen, Brut und Pollenvorrat wiegen im Herbst zusammen höchstens noch zwei Kilogramm.
  • Rest auffüttern: Wer nun die Differenz von Waagergebnis und Leergewicht nimmt, weiß wie viel Winterfutter schon im Volk ist. Dann kann man einfach die gewünschte Menge nachfüttern. Dabei sollte man auch beachten, dass die Bienen beim Futter abnehmen und einlagern auch immer Futter verbrauchen. Wer also will, dass die Bienen mit 20 Kilogramm Futter in den Winter gehen, muss eher 25 Kilo einfüttern.

Futterteig, Sirup, Zuckerwasser – welches Futter?

Es gibt verschiedene Arten, die Bienen zu füttern: mit Futterteig (selbstgemachtem Futterteig kann man auch Honig zugeben), Zuckerwasser oder fertigem Sirup auf Zucker- oder Stärkebasis. All diese Methoden haben ihre Vor- und Nachteile. Bei Futterteig nehmen die Bienen das Futter beispielsweise langsam ab, haben so einen konstanten Futterstrom und räubern nicht. Dünnes Zuckerwasser (1:1) animiert die Bienen zum Bauen – das ist besonders im frühen Sommer gut, wenn sie noch Mittelwände ausbauen müssen, beispielsweise nach einer totalen Brutentnahme. Fertiger Sirup hat hingegen eine hohe Zucker-Konzentration, die Bienen müssen dann nicht mehr viel eindicken. Deshalb ist Sirup besonders beim späten Einfüttern zu empfehlen.
Die Vor- und Nachteile von Sirup- und Zuckerwasserfütterung gibt es hier: Bienen füttern – Zuckerwasser oder Sirup?

bbu/26.07.2020

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