„Wir-haben-es-satt!“-Demo in Berlin

"Wir-haben-es-satt!"-Demo am Brandenburger Tor 2018 Foto: Alexander Puell / www.wir-haben-es-satt.de
“Wir-haben-es-satt!”-Demo am Brandenburger Tor 2018. Foto: Alexander Puell / www.wir-haben-es-satt.de

Zur Internationalen Grünen Woche in Berlin findet am 19.01.19 erneut die Demonstration „Wir haben es satt!“ statt. Bereits zum 9. Mal wollen Demonstranten durch das Regierungsviertel in Berlin ziehen, um gegen die EU-Agrarpolitik zu protestieren. Die Protestler fordern den Erhalt von bäuerlichen Betrieben, eine ökologischere Landwirtschaft und eine andere Verteilung von Agrarsubventionen. An der Demonstration beteiligen sich Landwirte, Imker und andere Umwelt-Aktivisten. Zu den Trägern gehören Bio- und Umweltverbände wie der BUND, Greenpeace oder Bioland, aber auch Imker-Organisationen wie der Deutsche Berufs- und Erwerbsimkerbund oder Mellifera e.V.

Kritik an EU-Agrarsubventionen

Die Bewegung will eine klima- und insektenfreundliche Landwirtschaft und artgerechte Tierhaltung und Bauern, die qualitativ hochwertige Lebensmittel herstellen, sollen fair entlohnt werden. Zentraler Kritikpunkt sind dabei die EU-Agrarsubventionen. Die Hauptdemo läuft deshalb auch unter dem Namen „Der Agrarindustrie den Geldhahn abdrehen“. Bisher werden die Gelder nach Flächenbesitz ausgeschüttet. Davon profitieren vor allem große Betriebe. Doch noch 2019 wird bei der EU-Agrarreform (GAP) in Brüssel die Verteilung der Gelder neu diskutiert. Die Träger der Demo fordern hier ein Umdenken und wollen, dass fortan nur noch umweltschonende Landwirtschaft subventioniert wird. Dazu meint „Wir-haben-es-satt!“-Sprecherin Saskia Richartz: „Steuergeld muss bäuerliche Betriebe unterstützen, die Umwelt und Klima schützen und unsere Rinder, Schweine oder Hühner gut halten!”

Imker wollen bessere Bedingungen für Bienen

Ebenfalls zum Trägerkreis der Demo gehört der Deutsche Berufs- und Erwerbsimkerbund DBIB. DBIB-Vize-Präsident Klaus Ahrens fordert alle Imker auf, an der Demo teilzunehmen und sich dabei einen weißen Imkeranzug überzuziehen. So soll ein „Weißer Block“ Geschlossenheit zeigen und die Lobby der Imker in Berlin vertreten. Ahrens hält es für realistisch, dass rund 1.000 Imker an der Demo teilnehmen, da viele lokale Imkervereine kontaktiert wurden. Auch die Imker haben vielfältige Anliegen. Sie fordern:

  • ein Verbot aller Neonicotinoide,
  • eine Verschärfung bei der Zulassung von neuen Pflanzenschutzmitteln,
  • einen besseren Lebensraum für Bienen und andere Insekten. Dazu gehören auch mehr Blühflächen. Lukrativ ist dabei das Konzept des Bienenstroms: Hier werden Blühpflanzen anstelle von Mais als Energiepflanzen genutzt. Die Pflanzenmasse wird dann in der Biogasanlage zu Ökostrom verarbeitet.
  • Außerdem will der Berufsimkerbund eine Steuerbefreiung für Imker, da ihr Nutzen für die Volkswirtschaft mit der Bestäubungsleistung der Bienen ohnehin schon groß genug sei.

Kritik der Gegenbewegung „Wir machen Euch satt“

Als Gegenpol zur großen Demo formierte sich über die letzten Jahre die Bewegung „Wir machen Euch satt! Dialog statt Protest“. Die Bewegung ist eher lose und besteht aus Landwirten, die sich von der „Wir-haben-es-satt!“-Bewegung nicht vertreten fühlen, erklärt Marcus Holtkötter aus dem Organisationsteam. Sie wollen bereits am Freitag den 18.01.19 um 10:30 Uhr am Brandenburger Tor eine Kundgebung abhalten und Kartoffeln an Passanten verteilen. So wollen sie mit den Menschen in Dialog treten. Bei der „Wir-haben-es-satt-Demo“ seien zu viele Organisationen beteiligt, die sich allgemein gegen die Tierhaltung aussprächen und keinen landwirtschaftlichen Bezug hätten, meint Holtkötter.

Landwirtschaft wird zu oft schlecht gemacht

Insgesamt gäbe es zu viel „anklagende und pauschale Kritik“ an der modernen Landwirtschaft. Die Bewegung fordert eine differenzierte Betrachtung und wünscht sich, dass die Aktivisten mit ihnen statt über sie reden. Dass kleinbäuerliche oder ökologische Betriebe mehr Subventionen bekommen sollen, findet Holtkötter ungerecht. Es sei vor allem bei der Größe schwierig, Grenzen zu ziehen. So hätten auch große Betriebe mehrere Teilhaber und viele Arbeitskräfte. Auch von der Forderung eines Neonicotinoid-Verbotes hält Holtkötter nicht viel. Dann wäre der Rapsanbau so erschwert, dass es viel weniger Raps geben würde – was viele Imker auch nicht wollen. Da viele Landwirte arbeiten müssen und nicht in Berlin sein können, soll der Fokus auf regionale Aktionen gesetzt werden.

Das Programm rund um die Demo am 19.01.2019

• 08:30 Uhr: Traktoren-Demo zur Agrarministerkonferenz
• 10:30 Uhr: Übergabe der bäuerlichen Protestnote beim Auswärtigen Amt
• 12:00 Uhr: Beginn der Großdemonstration „Der Agrarindustrie den Geldhahn abdrehen“ vom Brandenburger Tor zum Auswärtigen Amt
• 13:30 Uhr: „Kochtopf-Konzert“ am Auswärtigen Amt
• 14:30 Uhr: Abschlusskundgebung am Brandenburger Tor

Noch mehr Informationen zur Bewegung finden Sie hier: Wir-haben-es-satt-Bewegung!

bbu/16.01.2019

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