Das aktuelle Heft – bienen&natur 10/2021

erscheint am 28.09.2021

Varroatoleranz

Honigbienen zeigen eine beeindruckende Vielfalt an Verhaltensweisen, die es ihnen ermöglicht, als gesamtes Volk mit verschiedensten Umwelteinflüssen zurecht zu kommen: Sowohl in imkerlich geführten als auch in freilebenden Völkern wirken verschiedene Umwelteinflüsse als Auslesefaktoren. Die Varroamilbe ist dabei sicherlich einer der wichtigsten Faktoren und verdeutlicht diesen Mechanismus der Auslese sehr eindrücklich: Ein stark durch Varroose geschädigtes Volk wird den Winter vermutlich nicht überleben oder im nächsten Jahr nur wenige, durch die Parasitierung und Viren geschwächte Geschlechtstiere hervorbringen können. Aus imkerlicher Sicht droht in diesem Fall ein Totalverlust des Volks oder aber eine deutlich geringere Honigernte. Gerade in Bezug auf Varroa findet daher in freier Wildbahn und in der Imkerei eine fortlaufende Anpassung statt – entweder durch natürliche oder durch züchterische Selektion.

In einem zweiten Beitrag erklärt Lutz Eggert, wie der sogenannte Pin-Test funktioniert und wie dabei mithilfe des Weimarer Nadelstempels das Bruthygieneverhalten eines Volkes schnell und einfach beurteilt werden kann. Denn wäre es nicht schön, wenn wir in Zukunft vielleicht viel weniger oder gar keine Medikamente mehr gegen die Varroamilbe einsetzen müssten? Dass die Bienen zum Erreichen dieses Ziels selbst eine tragende Rolle spielen können, also genetisch bedingte Selbstheilungsmechanismen besitzen, ist seit langem bekannt. Diese greifen bei Infektionen der Brut und sind nützlich in der Reduktion des Milbendrucks. Es sind gerade die vielen Imker, die wenige Völker halten, die ohne viel Aufwand entscheidend dazu beitragen können, diese Eigenschaften zu befördern.

Zum Beitrag: „So funktioniert der Pin-Test“

Monatsbetrachtung: Tierische Untermieter

Martin Gabel schätzt die Artenvielfalt an seinen Bienenständen und berichtet von den tierischen Besuchern. Seine Beutenböcke bestehen zum Großteil aus zwei Bims-Hohlblocksteinen, auf denen eine Querlage aus unbehandelten Kanthölzern aufliegt. Je nach Standort, bietet die raue Oberfläche der Steine eine gute Wuchsgrundlage für Moos und speichert Feuchtigkeit oder erwärmt sich genau wie die Kanthölzer rasch durch die Sonneneinstrahlung. Dieser „Platz an der Sonne“ wird insbesondere von wechselwarmen Tieren wie Reptilien häufig genutzt, um an kühlen Tagen rasch auf „Betriebstemperatur“ zu kommen. Daher beobachtet er regelmäßig Waldeidechsen und Zauneidechsen an seinen Bienenständen. Neben Eidechsen, finden auch Mäuse, viele Insekten und sogar Vögel dort Unterschlupf. Seltenere Gäste sind Schlingnatter und Ringelnatter.

Was tun mit nassem Honig?

Leider hatten die Bienen in der diesjährigen Saison 2021 – auch an eigentlich guten Standorten – kaum eine Chance, den Honig ausreichend zu trocknen. Selten kommt es vor, dass alle trachtrelevanten Monate so feucht sind, wie in diesem Jahr. Nach Analysen und Umfragen sind viele Honige durch ungewöhnlich hohe Wassergehalte beeinträchtigt. Wir erklären, was zu tun ist und was beachtet werden muss.

Mehr zur Honigernte: Honig ernten: Alles Wichtige auf einen Blick

Weitere Themen im Oktober-Heft:

  • Melezitose: Rechtzeitig erkennen und vermeiden
  • Nahrungsangebot: Späte Trachten – Fluch oder Segen?
  • Rezept: Zitronat & Orangeat

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Editorial aus dem Oktober-Heft von bienen&natur

Victoria Seeburger, Volontärin bienen&natur

Jedes Ende ist ein neuer Anfang

Fangen Sie auch schon an, Ihre Bienen bereits zu vermissen? Das Bienenjahr geht nicht im Dezember zu Ende, sondern bereits im Oktober. Jetzt tätigen wir unsere letzten Schritte am Volk, bringen Mäusegitter und Spechtnetze an und füttern eventuell noch nach. Mit den kälter werdenden Tagen beginnt das Bangen: Wir haben die Völker als gewissenhafte Imkerinnen und Imker ja reichlich mit Futter versorgt, aber sind sie auch gesund und haben nicht allzu sehr mit der Varroamilbe zu kämpfen? Werden sie den Winter überleben?

Winterverluste hängen zum einen leider nicht selten mit hungernden Bienen zusammen, aber auch mit der Varroose. So wird der Befall von Bienenvölkern durch die aus Asien stammende Varroamilbe (Varroa destructor) genannt. Es gibt jedoch einen Hoffnungsschimmer: Die Bienenpopulationen entwickeln Resistenzmechanismen gegen die Varroamilbe. Dazu zählt das „Varroa sensitive Hygieneverhalten“, bei dem die Arbeiterinnen varroabefallene Brutzellen komplett ausräumen. Der Verlust der eigenen Bienenbrut scheint sich in diesem Fall zu lohnen, denn in diesen Zellen kann keine Milbenvermehrung mehr stattfinden. Bei der Zucht wird heute zusätzlich zu praxisrelevanten Verhaltensweisen der Bienen auch großer Wert auf diesen Mechanismus gelegt. Das Ziel liegt darin, Völker auszulesen, die sich ohne einen Imker und dessen Varroabekämpfungsstrategien und Behandlungsmittel gegen die Milbe wehren können und überleben. Warum auch „Grooming“ – Arbeiterinnen, die die Milben durch Putzen von ihrem und dem Körper ihrer Stockgenossinnen entfernen –, „Recapping“ – das Öffnen und Schließen verdeckelter Zellen – oder die „unterdrückte Milbenvermehrung“ in aktuellen Studien genauer untersucht werden, erfahren Sie in diesem Heft.

Während die Bienen ihr Jahr beenden, beginnt bei mir ein Neuanfang bei bienen&natur. In diesem Heft berichte ich zum letzten Mal als Forscherin und zum ersten Mal als Redakteurin über meine eigenen Ergebnisse zum Auftreten eines ganz besonderen Bienenfutters: Melezitose. Dieser Dreifachzucker wird von Läusen im Honigtau produziert und führt nicht nur zu steinhartem, nicht schleuderbarem Honig, er führt auch zu Verdauungsproblemen bei den Bienen. Wann, wo und warum er vermehrt auftritt und wie Waldtrachtimker den sogenannten „Zementhonig“ vermeiden, lesen Sie im Beitrag “Melezitose rechtzeitig erkennen und vermeiden”.

Bleiben Sie gesund und genießen Sie beim Lesen Ihr Honigbrot

Ihre Victoria Seeburger