Das aktuelle Heft – bienen&natur 12/2022

erscheint am 27.11.2022

Wilde Honigbienen

Wo sie leben und überleben

Völker der Westliche Honigbiene (Apis mellifera) leben nicht nur in Europa, sondern in Amerika, Afrika, Asien und Ozeanien. Durch den Menschen verbreiteten sie sich nahezu auf der ganzen Welt. Doch was ist mit Honigbienen, die nicht von Imkern in Körben, Magazinbeuten oder Bienenhäusern gehalten werden? Wie groß sind diese Populationen und wo leben sie? Stimmt es, dass in Baumhöhlen nistende Völker keinen oder nur wenige Winter überleben? Wie tolerant sind diese Bienen laut aktuellem Stand der Forschung gegenüber der Varroamilbe? Und wie imkert man in einer modernen Zeidlerei, in der die Bienen in mehreren Meter hoch gelegenen Baumhöhlen leben?

Lesen Sie vorab das Interview mit PD Dr. Peter Rosenkranz, der auf 40 bewegte Jahre als Bienenwissenschaftler und Imker zurückblickt – in unserem Digitalmagazin: „Es hat mir immer Spaß gemacht“

Monatsbetrachtung: Es ist ein Knistern in der Luft

Die Winterzeit ist eine hervorragende Möglichkeit, das vergangene Jahr zu reflektieren und die kommende Saison gut zu planen. Wer schon Stockkartenaufzeichnungen hat, kann seine Arbeitsschritte nachvollziehen und optimieren. Eine gute Vorbereitung auf die Honigsaison ist das A und O. Optimalerweise sind alle benötigten Materialien vor der Saison griffbereit vorhanden, sodass wir dann entspannt in den Frühling einsteigen können. Auf den Stockkarten sollten natürlich auch die Honigerträge pro Volk verzeichnet sein.

Sicherlich regional verschieden können wir uns aber anhand dieser Aufzeichnungen verdeutlichen, ob unsere Völker in der Lage sind, sich selbst zu ernähren und einen Mehrertrag zu erwirtschaften, oder ob wir uns in einem Zucker-Honig-Tausch bewegen oder gar die Völker nur noch haben, weil wir auch in der Saison füttern. Gab es denn Völker, bei denen dies nicht notwendig war an diesen Standorten? Solcherlei Fragen können uns Aufschluss geben, welche Königinnen Eigenschaften besitzen, die in der kommenden Generation für uns und die Bienen existenziell sein können. Und diese Aufzeichnungen tragen natürlich auch dazu bei, uns die Problematik der Ernährungssituation und des Klimawandels klar zu verdeutlichen.

Thema des Monats: Wohin steuert die Imkerei?

Diese Online-Fragestunde liefert Hintergrundinformationen zu den im Artikel angesprochenen Fragen und wie wir es schaffen, die Imkerei zukunftsfest aufzustellen.

Wir sehen uns am: Mittwoch, 11.01.2023

Mehr Informationen unter: Online Fragestunde

Kristallisierter Efeuhonig – hilft spätes Nachfüttern?

bienen&natur-Leser Manfred Ziegler aus 79650 Schopfheim-Gersbach beschrieb in der in der Oktober-Ausgabe seine Probleme mit Efeuhonig: „Seit ca. 40 Jahren habe ich meinen Bienenstand in einer Kiesgrube, wo sie auch überwintern. In den letzten Jahren tragen sie nach dem Einfüttern im September/Oktober immer mehr Efeuhonig ein. Zum Teil 5 bis 8 kg. Dieser Honig legt sich wie eine harte Schale über das Winterfutter, sodass die Bienen dieses teilweise nicht mehr erreichen. Im vergangenen Herbst habe ich bei Trachtbeginn drei Waben in der Mitte des zweiten Magazins gegen Leerwaben ausgetauscht und nach Trachtende diese wieder herausgenommen und die alten Futterwaben reingegeben. Trotzdem haben Bienen die anderen Futterwaben mit Efeuhonig überzogen. Die herausgenommenen Efeu-Waben habe ich ausgeschleudert. Das Ergebnis: Ein Eimer hartgewordener Efeuhonig und fünf volle Magazine mit Efeuhonig, schlimmer als Zementhonig.“

Efeu wird immer mehr zum Problem. Bei oft schon abgestorbenen, alten Bäumen bildet der Efeu fast so etwas wie eine Ersatzkrone aus. Ganze Laubwälder bilden so ein immergrünes Blätterdach aus. Die Mauern uralter Einfriedungen und Häuser werden vollständig überwuchert. Der Nektar liegt in den Blüten offen zutage und wird nicht nur von Bienen, sondern auch von kurzrüsseligen Wespen, Fliegen und Schwebfliegen aufgenommen. Lesen Sie dazu mehr: Kristallisierter Efeuhonig – hilft spätes Nachfüttern?

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Editorial aus dem Dezember-Heft von bienen&natur

Herausgeber Dr. Jürgen Schwenkel
Herausgeber Dr. Jürgen Schwenkel

Was uns die „Wilden“ zu sagen haben

Obwohl sich 91 Prozent von Ihnen laut unserer Leserumfrage (im Heft S. 36 ff.) für Praxisthemen interessieren, geht es in dieser Ausgabe um Randthemen – wie die „wildlebenden Honigbienen“ oder die Sinnesleistungen und, ja tatsächlich, um Emotionen von Insekten. Was nicht bedeutet, dass diese „Nebenschauplätze“ sich nicht auf den praktischen Umgang mit unseren Bienenvölkern auswirken.

Lutz Eggert schreibt in seinem letzten „Imkern übers Jahr“, es dürfe nicht sein, dass wir einfach nur Futter und Medikamente einsetzen, um Honig zu ernten. Vielmehr sollten wir die Umweltbedingungen vor allem für Bestäuberinsekten und ihre Nahrungskreisläufe im Auge haben.

Wie wichtig die Umweltbedingungen sind, zeigen Untersuchungen über die Überlebensfähigkeiten von sogenannten wildlebenden Honigbienen (im Heft S. 16 ff.). Sie werden nicht von uns Imkern betreut, sondern leben hauptsächlich in unseren Wäldern. Wie sich erwies, sind sie nicht wirklich „wild“, sondern eigentlich nur „verwildert“. Sprich, die allermeisten stammen von den zigtausenden Schwärmen, die uns Imkern jährlich davonfliegen. Die Untersuchungen von Patrick Kohl und Benjamin Rutschmann zeigen, dass sie mehr schlecht als recht überleben. Im Durchschnitt nur weniger als ein Jahr! Es fehlen Nistmöglichkeiten und vorneweg die Nahrungsgrundlagen. Diese sind einfach zu miserabel, als dass sich eine beständige Population in den bisher untersuchten Gebieten aufbauen könnte. Besser gelingt es dagegen in Galicien (im Heft S. 20). Dort sind mehr ganzjährige Nahrungsquellen vorhanden, und es gibt geeignete Nistplätze. Das Bizarre daran: Die Völker nisten in hohlen Strommasten aus Beton!

Es scheint, als gäbe es kaum noch natürliche Bedingungen für Bienenvölker. Müssen wir vielleicht eingestehen, dass die Honigbiene nur noch in Obhut des Menschen überlebt? Das bedeutet, wir hätten eine noch höhere Verantwortung, wie wir mit ihr umgehen. Wenn ich den Artikel von Lars Chittka (im Heft S. 32) lese, der schreibt, dass Honigbienen und andere Insekten zählen, denken, planen oder auch Freude, Gefahren, Schmerz und Emotionen empfinden können, wird mir klar: Ich kann und muss mein Bewusstsein noch erweitern – auch in Bezug auf den praktischen Umgang mit meinen Honigbienen.

Zum Jahresende bedankt sich die Redaktion für Ihre Treue genauso wie für Kritik und Anregungen und wünscht Ihnen allen ein frohes Weihnachtsfest in Frieden und ein erfolgreiches, gesundes neues Jahr.

Ihr

Jürgen Schwenkel